Häufiges Fernsehen im Kleinkindalter hat negative Auswirkungen bis ins Jugendalter

Professor Linda Paganivon von der Universität der Montreal School of Psychoeducation erklärte zu ihrer Forschungsarbeit: "Es ist unklar, inwieweit eine übermäßige Konfrontation mit Fernsehsendungen in der frühen Kindheit – in einer besonders kritischen Zeit für die Entwicklung von Gehirnbereichen, die wichtig für die Selbstregulierung und die emotionale Intelligenz sind - die sozialen Interaktionen später negativ beeinflussen kann“. Das wollten sie und ihre Kollegen erforschen.

"Die Erkennung von früh modifizierbaren Faktoren, die das spätere Kindeswohl beeinflussen, ist ein wichtiges Ziel, um die individuelle und die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern“, verdeutlichte sie die Motivation für ihre Untersuchung.

Jugendalter: Kritische Phase in Bezug auf neue soziale Kontakte

Das Eingehen von Bindungen zu Gleichaltrigen, mit denen sich Jugendliche auseinandersetzen und dadurch eine positive Gruppenidentität aufbauen können, sind wesentliche Elemente, um erfolgreichen vom Jugendalter ins Erwachsenenalter hineinzuwachsen.

Pagani und ihr Team erfassten die Fernsehgewohnheiten der Zweijährigen, basierend auf den Angaben ihrer Eltern, sowie die gesellschaftlichen Erfahrungen dieser Kinder im Alter von 13 Jahren – entsprechend der Auskunft der Jugendlichen selbst. Jugendliche, die als Kleinkinder viel Zeit vor dem Fernseher verbrachten, waren eher geneigt, die Einsamkeit zu bevorzugen, von Gleichaltrigen in die Opferrolle gedrängt zu werden und sich gegenüber anderen aggressives und unsozial zu verhalten.

Jede weitere Stunde vor dem TV-Gerät als Kleinkind entsprach demnach etwa 11% mehr Risiko für eine Opferrolle als Jugendlicher, entsprach einer 10%-igen Zunahme in eine soziale Isolation (selbst berichtet) zu geraten, einer 9%-igen Zunahme im aggressiven Verhalten und 6%-igen Zunahme im antisozialen Verhalten im Alter von 13 Jahren. Diese Ergebnisse waren unabhängig von individuellen und familiären Faktoren.

Pagani und die Co-Autoren der Studie, François Lévesque-Seck und Caroline Fitzpatrick, hatten die Daten aus der Quebec Longitudinal Study of Child Development verwendet, die die Unterlagen des Geburtsjahrgangs 1997/1998 beinhalteten. Eltern der 991 Mädchen und 1.006 Jungen aus der Studie berichteten darüber, wie viel Zeit ihre Kinder mit zweieinhalb Jahren vor dem Fernseher verbrachten. Nach 13 Jahren beschrieben die gleichen Kinder ihre Schwierigkeiten, die sie als Opfer, durch soziale Isolation, durch absichtliche und geplante Aggressivität gegenüber Gleichaltrigen und durch unsoziales Verhalten erlebten. Das Team von Pagani analysierte dann die Daten, um eine signifikante Verbindung zwischen diesen Problemen und der Anzahl der Fernsehstunden im Kleinkindalter zu identifizieren.

Im Kleinkindalter erwerben Kinder wichtige soziale Fertigkeiten

Nach Pagani sind soziale Kompetenzen wie das Teilen, die Wertschätzung und der Respekt gegenüber anderen in der frühen Kindheit verwurzelt. "Im Kleinkindalter ist die Zeit, die ein Kind tagsüber wach ist, begrenzt. Je mehr Zeit die Kinder vor dem Fernseher verbringen, desto weniger Zeit bleibt ihnen für kreatives Spiel, Interaktionen mit anderen und andere grundlegende soziale und kognitive Erfahrungen. Das aktive Alltagsleben im Vorschulalter kann dazu beitragen, wesentliche soziale Kompetenzen zu entwickeln, die später nützlich sein können und letztlich eine Schlüsselrolle für den persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg spielen", so Pagani.

Quelle: Newswise/Universite de Montreal, Psychological Medicine

30.03.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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