Italien verabschiedet Gesetz für verpflichtende Kinderimpfungen

Italiens Kabinett genehmigte ein Gesetz, das Eltern vorschreibt, ihre Kinder gegen Infektionskrankheiten zu immunisieren. Anlass war die große Anzahl von Masernfällen.

Kinder bis zu sechs Jahren müssen nun geimpft werden, um in einen Kindergarten zu dürfen, und Eltern, die ihre Kinder später in die Schule schicken, ohne sie zuerst geimpft zu haben, haften dafür mit Geldstrafen.
Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Meningitis, die bisher nur empfohlen wurden, sind nun obligatorisch, erklärte Ministerpräsident Paolo Gentiloni.

"Der Mangel an geeigneten Maßnahmen im Laufe der Jahre und die Verbreitung von Theorien ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage - vor allem in den letzten Monaten - hat zu einer Verringerung des Schutzes geführt", sagte Gentiloni auf einer Pressekonferenz in Rom.
Das Gesetz wird auch die Impfung gegen Polio, Diphtherie, Tetanus, Hepatitis B, Keuchhusten und Haemophilus influenzae Typ b einschließen.
Italiens Gesundheitsministerium machte im April darauf aufmerksam, dass ein Absinken der Impfraten zu einer Masern-Epidemie geführt hätte. Die Vereinigten Staaten warnten amerikanische Italientouristen vor einer Exposition gegenüber der potenziell tödlichen Krankheit.

In Italien wurden dieses Jahr rund 2.395 Masern-Fälle registriert, verglichen mit rund 840 im Jahr 2016 und 250 im Jahr 2015.

Die Internetseite der Europäischen Kommission forderte alle Mitgliedsstaaten auf, "dafür zu sorgen, dass möglichst viele Kinder die wichtigsten Impfstoffe erhalten".

Gentilonis Regierung hat eine Bewegung im Land kritisiert, die Angst unter Eltern verbreite, indem sie die Sicherheit einiger Impfstoffe und die Integrität der multinationalen pharmazeutischen Firmen in Frage stellte.

Quelle: Medscape, Ministero della Salute, Reuters

16.06.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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