Juul-E-Zigaretten bergen Suchtrisiko für junge Nutzer

Laut einem Team von Forschern der Universität Stanford sind sich Jugendliche des Suchtpotenzials von Juul, einer neuen E-Zigarette, nicht bewusst.

Juul - kleine neue E-Zigaretten - ähneln in ihrem Design einem USB-Stick. Für den Verdampfer benötigt man vorgefüllte Kapseln (Pods), die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind. Juul stammt aus den USA und ist seit 19.12.18 in Deutschland erhältlich. Die neue E-Zigarette soll auf dem deutschen Markt in fünf Geschmacksrichtungen mit einem Nikotingehalt von 20 Milligramm je Milliliter angeboten werden. Das entspricht dem zulässigen europäischen Höchstwert. Deshalb beschreibt ein Artikel in der Zeit den trendigen Verdampfer als "Marlboro unter den E-Zigaretten". In den USA sind die Produkte mit deutlich höheren Nikotinwerten auf dem Markt.

Forscher der School of Medicine an der Stanford University kommen in einer Studie zu dem Schluss, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die die  E-Zigaretten der Marke Juul verwenden, nicht das Suchtpotenzial des Produkts erkennen, obwohl sie es häufiger als ihre Altersgenossen, die herkömmliche Zigaretten rauchen, nutzen.

Die Ergebnisse eines laufenden Stanford-Projekts, das sich mit der Verwendung und Wahrnehmung von Tabakprodukten bei Jugendlichen aus Kalifornien befasst, wurden am 19. Oktober in „JAMA Network Open“ veröffentlicht.
"Ich war überrascht und besorgt, dass so viele Jugendliche Juul häufiger als andere Produkte verwenden", berichtete die leitende Autorin der Studie, Bonnie Halpern-Felsher, Professorin für Pädiatrie. „Wir müssen ihnen helfen, die Risiken der Sucht zu verstehen. Dies ist zwar keine brennbare Zigarette, sie enthält aber trotzdem […] Nikotin […]. “

Die Daten zeigten eine besorgniserregende Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung, wie Teenager Juul einschätzen und ihrer tatsächlichen Abhängigkeit, so die Forscher. "Wir fragen: ‘Fühlen Sie sich süchtig?‘" Und sie sagen „Nein“, aber eine Reihe von Fragen auf einer validierten Skala zur Bewertung des Autonomieverlusts bei Nikotin zeigen, dass sie abhängig sind", verdeutlichte die Erstautorin der Studie, Dr. Karma McKelvey, PhD.

Juul E-Zigaretten wurden erstmals im Jahr 2015 auf den US-Markt gebracht und machen nun zwei Drittel des US-amerikanischen E-Zigarettenmarktes aus. Sie liefern mehr Nikotin als konkurrierende Marken. Juuls Design, das aromatisierte, nikotinhaltige Flüssigkeiten verwendet, die von farbenfrohen Hülsen, die USB-Sticks ähneln, eingeatmet werden, spricht auch den Jugendmarkt an.
Die Stanford-Forscher beschlossen, im Rahmen einer Studie über Tabakkonsum auch nach Juul zu fragen. Interviewt wurden Schüler an 10 kalifornischen High Schools. In der ersten Phase der Studie, die in den Jahren 2014 und 2015 abgeschlossen wurde, beantworteten mehr als 700 Studenten der Klassen 9 und 12 Fragen zu ihrer Verwendung und Wahrnehmung von Tabakerzeugnissen. Die neuen Ergebnisse stammen aus Folgefragebögen, die von 445 Teilnehmern dieser Studie ausgefüllt wurden. Sie waren in der 12. Klasse oder einige Jahre außerhalb der High School, als die neuen Daten gesammelt wurden.

Die Teilnehmer beantworteten Fragen, wie z.B. ob sie jemals von Juul gehört hätten, ob und wie oft sie herkömmliche Zigaretten, Juul oder andere Arten von E-Zigaretten verwendeten und wie sie ihdie soziale Akzeptanz der verschiedenen Produktewahrnahmen, und welche Risiken und Nutzen sie den Produkte zuschrieben. Teilnehmer, die irgendeine Form von E-Zigarette konsumierten, füllten außerdem einen standardisierten Fragebogen aus, um ihren Grad der Nikotinabhängigkeit zu ermitteln.

Mischkonsum häufig

Etwa die Hälfte der Teilnehmer hatte von Juul gehört und 15,6% hatten die Marke genutzt. Andere E-Zigaretten wurden von 30,4% der Teilnehmer geraucht, während herkömmliche Zigaretten von 24,3% der Teilnehmer "gepafft" wurden. Etwa zwei Drittel der Teilnehmer, die diese Produkte verwendeten, nutzten mehr als einen Produkttyp: eine Kombination aus Juul, anderen E-Zigaretten und herkömmlichen Zigaretten.

Die Teilnehmer gaben an, Juul ungefähr doppelt so häufig zu verwenden wie herkömmliche Zigaretten, wenn sie in den letzten sieben oder letzten 30 Tagen nach der Verwendung von Tabakprodukten gefragt wurden.

Juul im Vergleich zu anderen Produkten als weniger schädlich eingeschätzt

Die Probanden waren der Meinung, Juul E-Zigaretten seien weniger schädlich oder machen weniger süchtig als andere in der Umfrage genannten Produkte. Unter den Teilnehmern, die Juul ausprobiert hatten, gaben 58,8% an, dass sie Juul innerhalb der letzten 30 Tage verwendet hatten. Unter den Teilnehmern, die andere E-Zigaretten oder herkömmliche Zigaretten ausprobiert hatten, gaben 30,1% bzw. 28,3% an, dass sie sie innerhalb der letzten 30 Tage konsumiert hatten. Dies sei der auffälligste Unterschied zwischen Juul-Konsumenten und Konsumenten anderer E-Zigaretten und herkömmlicher Zigaretten, und es gebe Anlass zu Besorgnis über höhere Suchtraten bei Juul-Konsumenten, ergänzte Halpern-Felsher. Die Antworten auf den validierten Fragebogen zum Autonomieverlust bei Nikotinkonsum deuteten auf ein ähnliches Ausmaß der Nikotinabhängigkeit zwischen Juul-Konsumenten und jenen hin, die andere E-Zigaretten verwenden, obwohl die Sensitivität des Fragebogens durch die relativ geringe Anzahl von Teilnehmern begrenzt gewesen sein könnte.

Aufklärung erforderlich

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Notwendigkeit klarer gesundheitsbezogener Aussagen über die Risiken neuer E-Zigaretten, einschließlich Juul, sagten die Forscher. "Das Fehlen von klaren Botschaften wird von Jugendlichen als Sicherheit interpretiert", so McKelvey. Nikotinhaltige Produkte seien besonders für Jugendliche riskant, fügte sie hinzu. "Je früher sie Nikotin ausgesetzt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Leben lang süchtig werden."

Lehrer und Eltern brauchen auch bessere Informationen, forderte Halpern-Felsher. "Wir müssen neue und andere Nikotin enthaltende Produkte identifizieren können, damit wir sie regulieren und die Jugend davor schützen können [...]", sagte sie. "Es dauerte eine Weile, bis die Lehrer merkten, dass dieses Produkt [Juul] existiert und dass das, was sie im Klassenzimmer sehen, keine USB-Sticks sind."

An Minderjährige (unter 18 Jahre) dürfen seit dem Jahr 2016 keine Tabakerzeugnisse, E-Zigaretten, Shishas oder Ähnliches verkauft werden. Wer noch nicht volljährig, ist darf zudem diese Produkte nicht in der Öffentlichkeit  konsumieren.

Quelle: Stanford University, JAMA Network Open, Die Zeit

06.02.2019 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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