Kinder früh vor dem Verzehr von unbekannten Pflanzenteilen und Früchten warnen

„Eltern sollten Kinder früh dazu erziehen, keine unbekannten Früchte oder Pflanzenteile zu essen und immer vorab zu fragen. Besonders gefährlich sind die Beeren der Tollkirsche, die sich in einem grünen Kelch ab Juli bis Oktober schwarz, glänzend, kugelig, kirschgroß ausbilden. Schon drei bis vier Früchte können für Kinder u.U. tödlich wirken. Anzeichen einer Vergiftung sind ein rotes Gesicht, Mundtrockenheit, beschleunigter Puls und erweiterte Pupillen sowie Halluzinationen. Hat ein Kind Tollkirschen verzehrt, sollte es umgehend in einer Kinderklinik vorgestellt werden, regional bedingt eventuell in einer Notfallambulanz“, rät Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit jahrelanger Klinikerfahrung. Die Tollkirsche wächst bevorzugt an Waldwegen und in lichten Wäldern.

Kleinere glänzende rot-violette bis schwarze Beeren besitzt der Kirschlorbeerstrauch. Die reifen Früchte (August bis September) sind kugelig und besitzen einen Steinkern. Blätter und Samen des Strauchs enthalten noch mehr Gift als die Beeren. Erbrechen und Durchfall, Schwindel und Bewusstlosigkeit kann diese Pflanze hervorrufen.

Die immergrüne Eibe kommt selten in der Wildnis vor, wird aber dafür häufig in Gärten eingesetzt. Familien mit kleinen Kindern sollten diesen Nadelbaum bzw.  strauch jedoch nicht in nächster Nähe haben. „Beim Genuss von roten Beeren und Nadeln sollten Kinder zum Arzt. In den Nadeln und in den Samen befindet sich in hoher Konzentration Taxin. Dieses führt nach ein bis zwei Stunden zu Übelkeit, Erbrechen, Herz-Kreislaufstörungen, Krampfanfällen und im schlimmsten Fall zum Tod durch Herzversagen“, beschreibt Prof. Nentwich die Folgen.

September bis Oktober ist die Blütezeit einer besonders giftigen Pflanze: die Herbstzeitlose. Sie ist auf Wiesen und Böschungen, aber auch in Ziergärten verbreitet. Alle Pflanzenteile enthalten das Gift Colchizin, das nach einigen Stunden Kratzen im Hals, blutigen Durchfall und schließlich Multiorganversagen auslösen kann. Haben Kinder Pflanzenteile zu sich genommen, sollten sie sofort in eine Klinik.

Die hochgiftige Christuspalme wächst zwar vorwiegend im Süden Europas. Doch gelegentlich wird sie hierzulande auch als Topf- bzw. Zierpflanze verwendet, oder der Samen der Christuspalme findet sich in Schmuck. Die hübschen bohnengroßen, gefleckten oder marmorierten Samen (Rizinus-Samen) zieren oft Ketten. Da sie im Aussehen und Geschmack Nüssen ähneln, beißen Kinder gerne hinein. Stunden bis Tage nach dem Genuss fangen Betroffene zu zittern an, haben oft Bauchschmerzen, leiden unter Übelkeit und Brechreiz. In schwerwiegenden Fällen kommt es zu Bewusstseinstrübung, Krampfanfällen, Herzrhythmusstörungen und Tod.  

Die Giftinformationszentrale des Universitätsklinikums Bonn gibt einen Überblick über giftige Pflanzen mit Bildern: www.gizbonn.de

Quelle: Universitätsklinikum Bonn, Giftinformationszentrale, MMW Fortschr der Medizin, RKI

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15.09.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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