Kinder- und Jugendärzte üben scharfe Kritik an neuen Honoraren - BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: "Wir können unsere Praxen nicht mehr wirtschaftlich führen!“

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: "Der Orientierungswert, also der Preis für die ärztliche Leistung, soll im nächsten Jahr um 1,18 Prozent steigen. Demgegenüber steigt die Teuerungsrate seit Monaten in Folge und lag zuletzt im August bei 1,8 Prozent. Das bedeutet: Energiekosten, die Preise für Mieten, medizinische Geräte, Praxisbedarf  etc. steigen stärker als unsere Honorare. Vor allem die Gehälter unserer Mitarbeiterinnen sind in letzter Zeit kontinuierlich und beträchtlich gestiegen, sowohl für die vielen Medizinischen Fachangestellte (MFA), die übertariflich bezahlt werden, als auch für die nach Tarif bezahlten MFA. Die nun vereinbarten 1,18 Prozent Honorar-Erhöhung decken nicht einmal ansatzweise die gestiegenen Praxiskosten. Wir verlieren also. Bereits heute werden rund 20 Prozent unserer Leistungen nicht vergütet. Unsere Kolleginnen und Kollegen investieren schon heute vielfach nicht mehr in ihre Praxen, sie entlassen Mitarbeiterinnen und arbeiten an der Grenze zur Selbstausbeutung. Wir haben Schwierigkeiten, Nachfolger für unsere Praxen zu finden. Junge Ärzte tun sich den Stress bei gleichzeitig schlechten Honoraren nicht mehr an und bleiben in den Kliniken. Die Kinder- und Jugendmedizin droht auszubluten. Das nehmen wir nicht hin. Als Berufsverband werden wir den aktuellen Beschluss, der gegen die Stimmen der Ärzte gefallen ist, nicht akzeptieren, denn er gefährdet nicht nur unseren Berufsstand in seiner Substanz, sondern die Gesundheit der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Derzeit beraten wir in unseren Gremien eine Empfehlung für unsere Mitglieder: Schluss mit der Gratisarbeit. Ein Fünftel unserer Arbeitsleistung wird dann für eine Zeitlang "eingespart". Selbstverständlich werden wir alle akut kranken Kinder behandeln, aber alles, was aufgeschoben werden kann, wird dann eben aufgeschoben.
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28.09.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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