Mädchen aus Hessen an den Folgen von Masern verstorben

Im nordhessischen Bad Hersfeld ist ein Mädchen im Alter von sechs Jahren an den Folgen einer chronischen Maserngehirnentzündung verstorben. Das Mädchen hatte sich im Alter von 3 Monaten mit Masern infiziert. Die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis - kurz SSPE - wurde bei ihr 2014 im Alter von 4 Jahren diagnostiziert. Gegen diese Spätfolge einer Maserninfektion gibt es keine Therapie. „Dieser tragische Fall zeigt, wie gefährlich Masern sein können. Das Virus ist hoch ansteckend. Vor allem Säuglinge sind gefährdet, da sie noch nicht geimpft werden können. Die Impfung wird in Deutschland routinemäßig ab dem 9. bis 11. Lebensmonat empfohlen, in Ausnahmesituationen (bei aktuellen Masernausbrüchen) schon ab 6 Monaten. In den ersten Lebensmonaten vor dieser Impfung sind Babys nur dann gegen eine Infektion geschützt, wenn die Mutter Antikörper gegen Masern hat. Diese werden mit dem Blut über die Nabelschnur an das Kind übertragen. Dieser sogenannte Nestschutz kann aber nur dann von der Mutter an das Kind weitergegeben werden, wenn die Mutter selbst gegen Masern geimpft ist oder die Krankheit selbst durchgemacht hat. Aktuelle Studien zeigen, dass dieser Nestschutz schon mit 6 Monaten abgebaut sein kann. Viele Frauen mit Kinderwunsch haben aber selbst gar keinen Schutz gegen Masern“, warnt Dr. Martin Terhardt, niedergelassener Kinder- und Jugendarzt aus Berlin. Insbesondere bei jungen Erwachsenen, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren geboren wurden, gibt es große Impflücken. Mit der Einführung der Impfung gegen Masern in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts konnten die Masern stark zurückgedrängt werden. Viele Kinder mussten diese potentiell tödliche Virusinfektion nicht mehr durchmachen. Die Krankheit verlor ihre Bedrohung – in den Generationen danach waren die Impfquoten nicht ausreichend, um die Masern zu eliminieren. „Leider ist es sehr schwer, die Impflücken in den Altersgruppen der heute 20- bis 35-Jährigen zu schließen, und genau deshalb erkranken nun immer häufiger neben den ungenügend geimpften kleinen Kindern bis 2 Jahren auch ältere Menschen an der ‘Kinderkrankheit' Masern“, erläutert Terhardt die Altersverteilung der letzten größeren Masernausbrüche in Deutschland.

Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Impfschutz unbedingt überprüfen

In den ersten Lebensmonaten kann eine Ansteckung mit Masern fatale Folgen haben. Je jünger die Kinder bei der Erstinfektion sind, desto höher ist das Risiko, an der immer tödlich verlaufenden Spätfolge der Masern zu versterben. „Im Säuglingsalter verlaufen die Masern meist harmlos. Wenn allerdings die Masernviren unbemerkt ins Gehirn gelangen, können die Folgen dramatisch sein. Denn durch die Vermehrung der Viren im Gehirn einige Jahre später wird dieses nach und nach zerstört. Diesen fortschreitenden Prozess können wir nicht aufhalten. Am Ende ist das Gehirn regelrecht durchlöchert. Der Krankheitsverlauf ist grausam, da die betroffenen Kinder alles verlernen, was sie bereits gekonnt haben. Insofern sollte jede Frau mit Kinderwunsch ihren Impfschutz überprüfen – egal, ob beim Frauenarzt oder beim Hausarzt. Bei einem unklaren Impfstatus raten wir in jedem Fall zur Impfung. Auch alle anderen Menschen sollten ihren Impfschutz gegen Masern überprüfen und gegebenenfalls die Impfung nachholen, damit Säuglinge in der schutzlosen Zeit zwischen Nestschutz und Impfung nicht angesteckt werden“, appelliert Dr. Martin Terhardt, der auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin ist. Nach den Empfehlungen der STIKO sollen generell alle Kinder - möglichst bis zum abgeschlossenen zweiten Lebensjahr - zweimal eine Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken erhalten. Bei Menschen, die nach 1970 geboren wurden und einen unklaren Impfstatus haben, empfiehlt die STIKO eine einmalige Impfung gegen Masern (in Kombination mit Mumps und Röteln).

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29.11.2016 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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