Möglicher Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und späterem Krebsrisiko bei Kindern

Kanadische Forscher untersuchten den Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und Krebs im frühen und im späten Kindesalter. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in „Diabetes Care“.

„Die wenigen früheren Studien zum Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und Krebs bei Kindern waren nicht schlüssig“, erklärten Dr. Nathalie Auger und Kollegen. Ihre Studie kommt nun zu dem Schluss, dass Kinder, die im Mutterleib unter dem Einfluss von Schwangerschaftsdiabetes standen, möglicherweise später ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Ein weiteres Argument dafür, Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig zu behandeln, so die Autoren.

Um ihre Hypothese zu bestätigen, führten die kanadischen Wissenschaftler eine retrospektive Kohortenstudie mit mehr als 1 Million Kindern durch, die zwischen 2006 und 2019 in Quebec geboren wurden. Sie verwendeten eine zentrale Datenbank, um alle Kinder zu identifizieren, die vor dem 14. Lebensjahr ins Krankenhaus eingeliefert wurden. „Kinder sind mit der Gesundheitsakte ihrer Mutter verknüpft. So konnten wir ermitteln, welche Kinder im Mutterleib Schwangerschaftsdiabetes ausgesetzt waren“, erläuterte Dr. Auger. „Dann haben wir unsere Analysen nach dem Alter sortiert, in dem der Krebs aufgetreten ist, um zu überprüfen, ob ein Zusammenhang mit Schwangerschaftsdiabetes besteht, und mögliche Störfaktoren kontrolliert.“
Dr. Auger und Kollegen fanden heraus, dass 8,2 % der Kinder in der Studienkohorte Schwangerschaftsdiabetes exponiert waren. Während der Nachbeobachtungszeit von 7,6 Millionen Personenjahren erkrankten 1.702 Kinder an Krebs. „Wir haben festgestellt, dass bei allen Krebsarten Kinder, die Schwangerschaftsdiabetes ausgesetzt waren, ein um etwa 20% höheres Risiko haben, vor dem 14. Lebensjahr an Krebs zu erkranken“, fügte Dr. Auger hinzu. „Für Leukämie, die häufigste Krebsart bei Kindern, kann das Risiko je nach Leukämie-Subtyp auf 38 bis 90% ansteigen. Die Ergebnisse waren für solide Tumore statisch nicht signifikant, aber unsere Forschung legt dennoch nahe, dass Kinder, die Schwangerschaftsdiabetes ausgesetzt sind, ein höheres Risiko haben könnten.“

Schwangerschaftsdiabetes stand laut dem Studienteam im jüngsten Alter am stärksten mit Krebs in Zusammenhang und nahm mit zunehmendem Alter der Kinder ab. Bei Kindern unter 2 Jahren war Schwangerschaftsdiabetes im Vergleich zu keinem Schwangerschaftsdiabetes mit einem 1,47-mal höheren Risiko für irgendeine Art von Krebs, einem 1,61-mal höheren Risiko für Blutkrebs und einem 1,44-mal höheren Risiko für soliden Krebs verbunden. Es wurde jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdiabetes und Blut- oder soliden Krebserkrankungen über das 2. Lebensjahr hinaus beobachtet, wobei bei Teilnehmern über 6 Jahren keine Assoziationen festgestellt wurden.

Das Screening auf und die Kontrolle von Schwangerschaftsdiabetes ist von entscheidender Bedeutung

Allgemeinmediziner, Endokrinologen und Geburtshelfer/Gynäkologen sollten diese Studie als einen entscheidenden Grund für das Screening und die Kontrolle von Schwangerschaftsdiabetes bei schwangeren Frauen betrachten, bemerkt Dr. Auger. „Die Kontrolle von Hyperglykämie in der Schwangerschaft wird nicht nur das fötale Wachstum optimieren, sondern kann auch das Risiko für Krebs im Kindesalter verringern“, betonte sie. „Obwohl eine Studie nicht ausreicht, um die Praxis zu ändern, sollten sich Ärzte darüber im Klaren sein, dass Schwangerschaftsdiabetes ein Risikofaktor für Krebs im Kindesalter sein kann. Ärzte sollten erwägen, ihre Patientinnen zu motivieren, ihren Blutzucker während der Schwangerschaft richtig zu kontrollieren.“

Quellen: Physician’s Weekly, Diabetes Care

16.05.2022 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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