Nach der Geburt macht das Immunsystem eine rasante Entwicklung durch

Sobald ein Baby geboren wird, beginnt sich sein Immunsystem als Reaktion auf die Krankheitserreger in seiner neuen Umgebung dramatisch zu verändern - ein Phänomen, das allen Säuglingen gemeinsam ist, schreiben Forscher vom Karolinska Institut in Schweden in einem in der Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlichten Artikel.

Die Untersuchung von Veränderungen des neonatalen Immunsystems sei schwierig gewesen, da die Analysen aus Proben stammten, die unmittelbar nach der Entbindung der Nabelschnur entnommen wurden, so die Experten des Karolinska Instituts, eine der größten und angesehensten medizinischen Universitäten Europas. Die schwedischen Forscher haben dabei eine neue Technik der Immunzellanalyse genutzt, um zu verfolgen, wie sich Babys in den ersten Lebenswochen außerhalb der Gebärmutter entwickeln.

"Dies ist das erste Mal, dass wir festhalten, wie sich das menschliche Immunsystem an die Geburt und die neue Umgebung anpasst", beschreibt Dr. Petter Brodin, Forscher am Science for Life Labor (SciLifeLab) und dem Department of Women’s and Children’s Helath vom Karolinska Institut. "Wir konnten zwischen den einzelnen Proben drastische Veränderungen im Immunsystem des Babys nachweisen, was zeigt, dass die Immunabwehr in jungen Jahren sehr dynamisch ist."

Die Studie verglich Blutproben von 100 Frühgeborenen und zeitgerecht Geborenen, die während der ersten, vierten und zwölften Woche entnommen wurden. Der Vergleich wurde mit einer fortschrittlichen Technik der Immunzellanalyse - Massenzytometrie in Kombination mit umfangreichen Plasmaproteinanalysen - durchgeführt.

Nur ein paar Tropfen Blut von jedem Baby werden hierbei benötigt, um alle weißen Blutkörperchen und Hunderte von Proteinen zu analysieren, die im Blut zirkulieren. Die Forscher konnten auch zeigen, dass die Babys mit anormaler Entwicklung der Darmflora in den ersten Wochen auch eine Störung des Immunsystems aufwiesen.

"Unsere Ergebnisse sind wichtig, um die Infektanfälligkeit von Neugeborenen und die Risiken von Frühgeborenen besser zu verstehen", erklärt Dr. Brodin. "Wenn wir die Entwicklung des Immunsystems überwachen und in verschiedene Richtungen steuern können, können wir Autoimmunkrankheiten und Allergien, die teilweise mit der Entwicklung des Immunsystems zusammenhängen, verhindern und bessere, auf das Immunsystem von Neugeborenen zugeschnittene Impfstoffe entwickeln."

Es wird angenommen, dass die Anpassung des Immunsystems durch die Mikroben, Bakterien, Pilze und so weiter ausgelöst wird, auf die das Baby außerhalb der Gebärmutter trifft. Der Prozess beginnt vor allem in den Lungen, im Darm, in der Haut und in den Schleimhäuten, die Kontaktpunkte des Körpers mit der Außenwelt darstellen.

Abfolge der Entwicklung folgt bei allen Babys einem bestimmten Muster

"Was uns überrascht hat, war, wie ähnlich die Veränderungen bei allen Babys waren", so Dr. Brodin. "Es scheint, als ob alle Babys ein- und demselbe Muster folgen und ihr Immunsystem in der gleichen Reihenfolge dramatische Entwicklungsschritte durchläuft. Es ist fast wie ein gut choreographierter Tanz, eine geübte Routine."

Die Forscher werden nun die Studie auf weitere Babys ausweiten, die alle bis in die Kindheit überwacht werden. Dies ermöglicht dem Team zu sehen, welche Babys als Kinder Diabetes, Allergien, Asthma und entzündliche Darmerkrankungen entwickeln. "Viele dieser Krankheiten sind eindeutig darauf zurückzuführen, wie ein Baby geboren wird und wie sich sein Immunsystem an die Umwelt anpasst", erklärt Dr. Brodin. "Wir zeigen die spezifischen Veränderungen im Immunsystem, die dieser Entwicklung zugrunde liegen. Es ist ein Teil des Puzzles, das früher fehlte."

Die Studie wurde durch die enge Zusammenarbeit mit dem Karolinska Universitätskrankenhauses möglich. "Aus ethischen, praktischen und logischen Gründen ist es schwierig, eine solche Studie zusammenzustellen", verdeutlicht Dr. Brodin.

Quelle: medicalXpress, Karolinska Institut, Cell

11.10.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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