Nach Nuklearkatastrophe von Fukushima haben bei Neugeborenen Herzfehler zugenommen

Die Zahl der Säuglinge in Japan, die nach dem nuklearen Unfall in Fukushima wegen komplexer angeborener Herzfehler operiert werden mussten, stieg deutlich an, so eine aktuelle japanische Studie, die im „Journal of the American Heart Association“ veröffentlicht wurde.

Die Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in Japan ereignete sich im März 2011 nach einem einem Erdbeben und Tsunami. Dabei kam es zur Freisetzung radioaktiver Stoffe.

Die Forscher analysierten Daten zu komplexen angeborenen Herzfehlern bei Kindern zwischen 2007 und 2014. In den vier Jahren nach dem Unfall in Fukushima stieg die Zahl der Operationen bei Säuglingen aufgrund von angeborenen Herzfehlern in ganz Japan um gut 14%. Es gab keinen signifikanten Anstieg bei Kindern zwischen 1 und 17 Jahren.

Die signifikanten Zunahmen wurden bei komplexen angeborenen Herzkrankheiten beobachtet, die sich in bestimmten Entwicklungsstadien des Herzens bilden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schäden zu verschiedenen Zeitpunkten in den frühen Stadien der Herzentwicklung entstanden, und nicht das Ergebnis eines Schadens an einem einzelnen Gen zu einem bestimmten Zeitpunkt waren, so die Autoren der Studie.

Die Forscher räumten ein, dass die Studie keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen dem nuklearen Unfall und der Inzidenz komplexer angeborener Herzfehler zeigen könne.

"Obwohl sich diese Forschung auf Ereignisse konzentriert, die in Japan stattgefunden haben, ist das Potenzial für Atomunfälle in der ganzen Welt ein globales Gesundheitsproblem", sagte Kaori Murase, außerordentlicher Professor an der Graduate School of Natural Sciences der japanischen Nagoya City University.
"Unsere Studie legt nahe, dass ein Atomunfall das Risiko für einen komplexen angeborenen Herzfehler erhöhen könnte", erklärte sie in einer Pressemitteilung.

Komplexe angeborene Herzfehler treten in den frühen Stadien der fötalen Entwicklung auf, was zu komplizierten und schweren Fehlbildungen führen kann. In vielen Fällen können die daraus resultierenden Herzanomalien lebenslange Gesundheitsprobleme verursachen.

Stress bei schwangeren Frauen - wie Arbeitsplatzverlust, Scheidung, Trennung in der Ehe oder Tod einer geliebten Person - ist ein bekannter Risikofaktor für einen komplexen angeborenen Herzfehler. Da werdende Mütter wahrscheinlich auch während des Atomunfalls in Fukushima gestresst waren, könnte dies nach Ansicht der Forscher eine indirekte Rolle beim Anstieg der komplexen angeborenen Herzfehler gespielt haben.

"Ein Atomunfall ist ein Ereignis, das das Leben eines jeden von uns direkt betrifft", verdeutlichte Murase. "Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, damit die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Art von Unfällen nicht minimiert werden."

Nach dem Atomunfall von 1986 in Tschernobyl (Ukraine) stieg die Rate der angeborenen Herzfehler in den Nachbarländern ähnlich an, ergänzten die Forscher als Hintergrundinformation.

Quelle: HealthDay, AHA News Release, Journal of the American Heart Association







02.05.2019 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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