Plötzliche Geistesabwesenheit kann auf eine Absence-Epilepsie hinweisen

Eine plötzliche Geistesabwesenheit und Reaktionslosigkeit für mehrere Sekunden kann Hinweis auf eine Absence-Epilepsie sein.

„Lehrer können diesen abrupten Aufmerksamkeitsverlust bei Schülern auch als Tagträumerei missdeuten. Bei genauerer Beobachtung fällt auf, dass das Gesicht ausdruckslos und starr wirkt. Bei manchen Kindern sind die Augen nach oben gerichtet, der Kopf leicht nach hinten geneigt und/oder sie blinzeln leicht. Kinder reagieren während einer Absence nicht, wenn der Lehrer ihren Namen ruft“, beschreibt Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) mit jahrelanger Klinikerfahrung, die Anzeichen. Absence-Epilepsie ist die häufigste Form von Anfallsleiden bei Kindern. Eine Absence dauert einige Sekunden. Die Anfälle können bis zu 100-mal am Tag auftreten.

Betroffene Schüler scheinen Schwierigkeiten zu haben, im Unterricht aufmerksam zu sein. Amerikanische Forscher weisen in einer aktuellen Studie darauf hin, dass bei etwa 80% der Kinder mit Absence-Anfällen die Episoden normalerweise in der Pubertät aufhören. Bei den anderen 20% der Patienten dauern sie bis ins Erwachsenenalter an. Viele der betroffenen Kinder leiden zugleich unter ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung), so die Wissenschaftler. Sie vergleichen die Gehirnaktivitäten während einer Absence mit einem Orchester, das ohne Dirigenten spielt. Die Laute sind leiser als in einem Konzert und die Musiker spielen ihr Instrument, ohne sich mit anderen abzustimmen. „Für die Beurteilung, ob Absencen vorliegen könnten, kann die Auskunft der Eltern, Lehrer und Geschwister hilfreich sein. Bestätigen Untersuchungen wie ein EEG (Elektroenzephalographie) den Verdacht auf eine Absence-Epilepsie, kann diese meist erfolgreich medikamentös behandelt werden, ohne dass schwerwiegende Nebenwirkungen zu erwarten sind. Dies wirkt sich dann auch positiv auf die Teilnahme am Schulunterricht aus“, ergänzt Prof. Nentwich.

Quellen: Monatsschrift Kinderheilkunde, ScienceDaily, NATURE COMMUNICATIONS
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08.08.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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