Probiotika können Blutvergiftung bei Babys verhindern helfen

Die Ergebnisse spiegeln den Höhepunkt von 15 Jahren Forschungsarbeit wider und könnten weltweit sehr positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern haben.

Die spezielle Mischung bestand aus einem oralen synbiotischen Präparat, das von von Dr. Pinaki Panigrahi entwickelt wurde. Sie enthielt ein Probiotikum namens Lactobacillus plantarum ATCC-202195 kombiniert mit einem Fructo-Oligosaccharid (FOS).

Probiotika sind lebende Bakterien und Hefekulturen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken, besonders im Verdauungssystem. Synbiotika sind Kombinationen aus Probiotika und Präbiotika. Präbiotika, wie Fructo-Oligosaccharid (FOS), sind Substanzen, die den probiotischen Bakterien als Nahrung dienen. Kombinationen von Probiotika mit einer FOS-Zugabe fördern das Wachstum probiotischer Stämme und halten die Kolonisation des Darms mit probiotischen Stämmen aufrecht. FOS kommt natürlich in der Muttermilch vor und in Pflanzen wie Zwiebeln, Chicorée, Knoblauch, Spargel, Bananen, Artischocken.

Eine Blutvergiftung bzw. Sepsis ist eine schwere Komplikation bei einer bakteriellen Infektion, die jährlich für rund eine Million Todesfälle bei Kindern weltweit verantwortlich ist, vor allem in Entwicklungsländern. Bei einer Sepsis hört das Immunsystem auf, die Keime zu bekämpfen, und beginnt stattdessen den eigenen Körper anzugreifen, was zu Gewebeschäden, zu Organversagen und zum Tod führen kann.

Schätzungsweise 40% der Patienten in den Entwicklungsländern, die eine schwere Sepsis entwickeln, überleben nicht.

"Dies ist die größte klinische Studie zu Probiotika bei Neugeborenen, die von den National Institutes of Health finanziert wurde", sagte Dr. Panigrahi. Das Team nahm mehr als 4.500 Neugeborene aus 149 Dörfern in der indischen Provinz Odisha in ihr Studienprogramm mit auf und beobachtete sie die ersten 60 Tage - die kritischste Zeit, in der die Babys meist krank werden und sterben.
Während ihrer ersten Lebenstage wurde den Neugeborenen eine orale Gabe der Pro- und Präbiotikamischung (Synbiotika) sieben Tage lang verabreicht.

Überraschender Erfolg

Die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie zeigten, dass Sepsis und Todesfälle in den ersten beiden Lebensmonaten der Säuglinge um 40% reduziert wurden - mehr als das Doppelte des von den Experten erwarteten Rückgangs um 20%. Die synbiotische Behandlung senkte darüber hinaus auch der Rate der Atemwegsinfektionen.

Die Wirksamkeit, die die Studie von Dr. Panigrahi zeigte, war so erfolgreich, dass die Studie frühzeitig beendet wurde.

Die probiotische Formel könnte ein "sehr billiger oraler Sepsis-Impfstoff" sein, hoffte Dr. Panigrahi.

Wenige Versuche haben sich bisher auf den Einsatz von Probiotika zur Vermeidung von Sepsis bei Neugeborenen konzentriert, deren weitgehend naives Immunsystem und wenig ausgereifte Darmflora ein Probiotikum wachsen lassen würde.

"Wir waren besorgt, als die Datensicherheits- und Überwachungsbehörde die Studie vorzeitig stoppte. Wir hatten bisher nur etwa die Hälfte unserer angestrebten Patientenzahl eingeschrieben. In der Regel wird eine Studie gestoppt, wenn etwas missglückt.“

"Aber erlebten einen Moment der enormen Begeisterung und Aufregung, als wir erfuhren, dass sie wegen der frühzeitigen Wirksamkeit gestoppt wurde. Wir waren ein zweites Mal überrascht, als die komplette Datenanalyse zeigte, dass auch Atemwegsinfektionen durch die Gabe abnahmen – das hatten wir nicht vorhergesehen", so Dr. Panigrahi.

"Diese Studie muss in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Bedingungen wiederholt werden. Wir kontrollierten die Einnahme des Synbiotikums streng und führten genaue und engmaschige Nachbeobachtungen durch, die im wirklichen Leben nicht machbar sein werden", gab er zu bedenken.

"Wir müssen ebenso herausfinden, warum Atemwegsinfektionen zurückgehen. Wie wirkt sich diese Behandlung auf die Lunge aus?"

"Das Darm-System ist das größte Immunorgan im Körper", verdeutlichte Dr. Panigrahi. "Wenn Sie es auseinandernehmen und die Zotten ausbreiten - kleine, fingerartige Ausstülpungen, die sich bis in den Dünndarm erstrecken - würde es einen Tennisplatz bedecken. Und es ist voll mit Lymphozyten. Also, wenn man das Immunsystem anregen will, sollte man sich auf den Darm konzentrieren."

Quelle: Newswise, University of Nebraska, Nature

27.09.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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