Spina bifida: Vorteile einer Operation am Embryo reichen anscheinend bis zum Schulalter

Kinder profitieren von einer fetalen Operation zur Schließung eines offenen Rückens, einer Spina bifida, bis zum Schulalter. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des National Institutes of Health (NIH), die in Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht wurde. Die fetale Chirurgie ist ein Verfahren, das 1997 am Vanderbilt University Medical Center (VUMC) eingeführt wurde.

Ein offener Rücken ist eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Kinder, die sich einer fetalen Operation zur Reparatur dieses häufigen Geburtsfehlers der Wirbelsäule unterzogen haben, können mit größerer Wahrscheinlichkeit später selbständig gehen und haben weniger Folgeoperationen als Kinder, die nach der Geburt eine traditionelle Korrekturoperation erhalten haben, so die Studie.

Die Längsschnittstudie mit 161 Kindern, die Eingriffe an ihrem offenen Rücken hatten, wurde in den drei Zentren durchgeführt, die in der ursprünglichen Studie zur Behandlung einer Myelomeningozele (Management of Myelomenigocele Study: MOMS) teilgenommen hatten - Vanderbilt University Medical Center (VUMC), Kinderkrankenhaus in Philadelphia und die Universität von Kalifornien, San Francisco.

Die Myelomeningozele, die schwerwiegendste Form der Spina bifida, ist eine komplexe angeborene Anomalie, bei der sich die Neuralröhre zu Beginn der Embryonalentwicklung unvollständig schließt. Dies führt dazu, dass ein Abschnitt des Rückenmarks und der Spinalnerven durch eine Öffnung im Rücken freigelegt wird.

Schon frühere Untersuchungen zeigten kurzfristig gute Erfolge

Vor 1997 wurde diese Öffnung nur nach der Geburt operativ soweit wie möglich geschlossen. Die Vanderbilt-Operation von 1997, durchgeführt von Dr. Noel Tulipan und Dr. Joseph Bruner, eröffnete die Möglichkeit, den Eingriff in der Gebärmutter durchzuführen.

An einer früheren MOMS-Studie, die von 2003 bis 2010 durchgeführt wurde, sollten 200 Patienten teilnehmen. Die National Institutes of Health beendeten die Studie jedoch frühzeitig nach 183 Operationen, da es eindeutige Beweisen dafür gab, dass die vorgeburtliche Operation effektiv war. Die frühere Studie ergab zudem, dass eine fetale Operation die Notwendigkeit eines Shunts um fast 30% reduzierte und die Chancen des Kindes, laufen zu können, signifikant verbesserte.

Auch langfristig positive Auswirkungen

In der aktuellen Studie, die als MOMS2 bezeichnet wird, wurden die langfristigen Auswirkungen einer vorgeburtlichen Operation im Vergleich zur normalen postnatalen Operation bei Kindern ab dem Schulalter untersucht. Von den 161 teilnehmenden Kindern wurden 79 vorgeburtlich und 82 traditionell operiert. Kinder in der Gruppe der vorgeburtlichen Chirurgie konnten häufiger selbstständig gehen als Kinder in der Gruppe, die sich traditionellen Chirurgie unterzogen hatten (93% gegenüber 80%).

Und bei der Gruppe der Kinder, die im Mutterleib operiert wurden, waren auch weniger Folgeoperationen erforderlich. Diese Gruppe schnitt auch in Bezug auf die motorischen Fähigkeiten besser ab, aber die beiden Gruppen unterschieden sich nicht deutlich in Bezug auf ihre Kommunikationsfähigkeit, ihre Fertigkeiten im Alltag täglichen Lebens und bei sozialen Interaktionen.

"Die pränatale Chirurgie bei Myelomeningozelen birgt Vorteile und Risiken im Vergleich zur traditionellen postnatalen Chirurgie", erklärte Dr. Menachem Miodovnik in einer Pressemitteilung. "Diese Studie liefert wichtige Informationen sowohl für Ärzte als auch Patienten, die eine vorgeburtliche Operation in Betracht ziehen."

Quellen: News Medical Life Science, Vanderbilt University, Pediatrics

21.02.2020 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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