Stress- bzw. emotionales Essen kann seinen Anfang schon in der frühen Kindheit nehmen

Die Verbindung zwischen Gefühlen und Essen ist lange bekannt, aber eine neuere Studie der University of Michigan zeigt, dass Kinder schon ab vier Jahren bei Stress essen, ohne dass sie Hunger haben. So beginnt eine Entwicklung, die im Laufe der Zeit möglicherweise für zusätzliche Pfunde sorgt.

"Wir wissen aus früheren Studien, dass Menschen mit extrem negativen Lebenserfahrungen und Stress in der Kindheit zu Übergewicht und Fettleibigkeit neigen. Weniger ist darüber bekannt, wie es dazu kommt", sagte Professor Alison Miller von der School of Public Health an der University of Michigan.

"Es sind kleine Gewichtszunahmen, die sich im Laufe der Zeit durch das Essverhalten im Zusammenhang mit Stress während der Kindheit im Alter von 4 bis 7 Jahren anhäufen. Was auffällig ist, dass Kinder, die sehr früh in der Kindheit damit beginnen, als Reaktion auf Stress in sich hineinzustopfen, ein höheres Risiko haben, dass diese kleinen Veränderungen zu größeren Gewichtszunahmen im Laufe der Zeit führen und so ihr Gesundheitsrisiko erhöhen." So erklärt Professor Miller, warum Menschen mit schlimmen Erlebnissen und Stress in der Kindheit zu Übergewicht und Fettleibigkeit tendieren.

In ihrer Studie fanden Miller und Kollegen heraus, dass mit steigender Stressbelastung das Essen ohne Hunger und das emotionale Überessen zunimmt.

Im Gegensatz zu früheren Querschnittstudien dokumentierte diese Studie das Verhalten über eine längere Zeitspanne. Die Forscher verfolgten 207 Kinder aus einkommensschwachen Familien von 2009 bis 2015, zeichneten Stressbelastungen auf und beobachteten ihr Essverhalten.

Die Forscher definieren frühen Lebensstress als chaotische häusliche Umgebung und andere negative Lebensereignisse, denen Kinder ausgesetzt sind bzw. die sie miterleben mussten, wie Erfahrungen mit Gewalt oder Trauma oder materielle Entbehrungen. Kinder, die in Armut leben, haben ein hohes Risiko von Gewalt im Umfeld oder unter Nahrungsmittelknappheit zu leiden. Diese Belastungen können Einfluss auf die neurobiologische, kognitive, sozial-emotionale Entwicklung sowie auf das Verhalten und die Gesundheit haben.
"Kinder, die unter mehr Stress litten, aßen auch mehr, ohne Hunger zu haben, wenn sie starke Gefühle hatten, wie ihre Eltern berichteten", so Miller. "Es ist wichtig, zu erkennen, ob kleine Kinder essen, um Stress zu bewältigen."
Miller sagte, dass diese Risiken möglichst früh bei Vorsorgeuntersuchungen aufgespürt werden sollten, Probleme wie Nahrungsmittelknappheit müssen angesprochen werden, körperliche Aktivität sollte gefördert werden, Eltern sollten Unterstützung erhalten, um für einen gesunden Lebensstil in der Familie sorgen zu können und Kinder, sollten bereits früh lernen, wie sie besser mit Stress umgehen können.

"Das Vermitteln von Bewältigungsstrategien und Achtsamkeit (Selbstberuhigung) ist eine Möglichkeit, um stressreiche Erfahrungen und schlechtes Gesundheitsverhalten zu entkoppeln", erklärte sie.

Quelle: MedicalXpress, University of Michigan, Academic Pediatrics




06.04.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
| |