Studie: Eppstein-Barr-Virus kann das Risiko für Multiple Sklerose erhöhen

Während sich eine Infektion mit Epstein-Barr-Virus, dem Auslöser der Mononukleose, in sich jungen Jahren, wenn überhaupt, nur durch wenige Symptome bemerkbar macht, kann ein späterer Kontakt mit dem Virus im Jugendalter oder als Erwachsener zu schweren Symptomen führen.
Annette Langer-Gould vom Kaiser Permanente in Südkalifornien in Pasadena kommentierte in einer Pressemeldung der American Academy of Neurology, dass bisherige Studien sich in erster Linie mit einem Zusammenhang zwischen Mononukleose und MS bei weißen Bevölkerungsgruppen befasst hätten. Die aktuelle Studie hätte untersucht, ob es auch für andere Bevölkerungsgruppen eine ähnliche Verbindung gibt. "In der Tat haben wir für alle drei Bevölkerungsgruppen eine starke biologische Verbindung gefunden."

Für die Studie rekrutierten Forscher 1.090 Afro-Amerikaner, Hispanoamerikaner und Menschen mit weißer Hautfarbe, die sie über einen Zeitraum von drei Jahren beobachteten. Jede Bevölkerungsgruppe hatte etwa gleich viele gesunde Menschen sowie Menschen mit MS oder deren Vorläufer als Teilnehmer. Die Probanden ließen ihr Blut untersuchen, um zu überprüfen, ob es Antikörper gegen das Epstein-Barr-Virus enthielt, und wurden gefragt, ob sie jemals Mononukleose gehabt hätten.

Forscher fanden heraus, dass unabhängig von anderen Faktoren, die das MS-Risiko beeinflussen können, wie Geschlecht, Alter, Rauchen und genetische Abstammung, das Risiko von MS für diejenigen, die an Mononukleose erkrankt waren, höher war als für diejenigen, die es nicht gehabt hatten. Afro-Amerikaner, die sich in der Vergangenheit mit Mononukleose infiziert hatten, hatten ein mehr als viermal höheres Risikos, MS zu entwickeln, im Vergleich zu denjenigen, die sich nicht infiziert hatten, Hispanoamerikaner hatten ein fast viermal so hohes Risiko und Weiße hatten ein doppelt so hohes Risiko, an MS zu erkranken, wenn sie bereits eine Mononukleoseinfektion durchgemacht hatten.
Unter den Afro-Amerikaner, waren 12 von 111 der MS-Patienten bzw. 11%, in der Vergangenheit an MS erkrankt, im Vergleich zu vier von 128 Menschen, die nicht davon betroffen waren bzw. 3%. Unter den Hispanoamerikanern hatten 13 von 173 MS-Patienten oder 8% eine Mononukleose in der Vergangenheit durchgemacht, im Vergleich zu drei von 187 Menschen, die keine MS hatten bzw. 3%. Unter den Weißen hatten 48 der 235 Menschen mit MS bzw. 20% die „Kuss-Krankheit“ in der Vergangenheit überstanden, im Vergleich zu 30 der 256 Menschen bzw. 12% derjenigen ohne die Krankheit.

"Während viele Menschen Epstein-Barr-Virus-Antikörper in ihrem Blut hatten, zeigte sich für allen drei Gruppen, dass Patienten, die das Pfeiffersche Drüsenfieber in ihren Teenager-Jahren oder später erlebt hatten, ein höheres Risiko für MS zeigten", sagte Langer-Gould. "Das bedeutet, dass eine verzögerte Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus in den Jugendjahren oder im Erwachsenenalter ein kritischer Risikofaktor für MS sein kann."

Langer-Gould fuhr fort, dass Studien wie ihre, deren Teilnehmer sich aus mehreren Bevölkerungsgruppen zusammensetzen, sehr bedeutsam sein können, wenn biologische Risikofaktoren getestet werden sollen, vor allem, wenn die Häufigkeit der Exposition gegenüber biologischen Faktoren wie dem Epstein-Barr-Virus und Mononukleose zwischen den Gruppen unterschiedlich ist. Ließen sich die Befunde nicht über alle Gruppen hinweg nachweisen, wäre es weniger wahrscheinlich, dass ein biologischer Zusammenhang bestünde.
Eine mögliche Einschränkung der Studie sei es, dass die Kontrollgruppe nicht die Gesamtbevölkerung repräsentieren kann, so die Autoren.

Quelle: ScienceDaily, American Academy of Neurology, Neurology

05.10.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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