US-Studie: Auch in der Sportmedizin kann Telemedizin Familien helfen, Zeit und Geld zu sparen

Welche Vorteile die Nutzung der Telemedizin in der Sportmedizin für Kinder bietet, darüber berichtete Dr. Alfred Atanda Jr., ein orthopädischer Chirurg am Nemours Kinderkrankenhaus und Autor der Studie, auf der American Academy of Pediatrics National Conference & Exhibition im September 2017.

In der Kohortenstudie waren 120 Patienten eingeschrieben, die alle jünger als 18 Jahre waren und die mindestens an einem telemedizinischen Besuch zwischen September 2015 und August 2016 teilgenommen hatten. Die Forscher verglichen die Gesamtzeit der Klinikbesuche, wie viel Zeit mit dem anwesenden Chirurgen verbracht wurde und die Wartezeit mit Daten von persönlichen Patientenbesuchen in der Abteilung. Die Wissenschaftler sammelten Informationen zu Nachbesprechungen/-behandlungen von Operationen, Besprechungen von chirurgischen und bildgebenden Verfahren und Kontroll-Terminen. Auch demographische Daten und Diagnose-Angaben wurden aufgenommen.

Mehr Zeit für Patienten; Eltern und Krankenhaus profitieren

Die Ergebnisse bestätigen, dass Telemedizin sowohl dem Patienten als auch dem Krankenhaus helfen, Kosten zu sparen, während gleichzeitig eine hohe Patientenzufriedenheit erreicht werden kann. Nach jedem Besuch wurden die Eltern gebeten, an einer Fünf-Punkte-Zufriedenheitsumfrage teilzunehmen. 91% der Eltern fanden die Anwendung einfach, 98% würden an zukünftigen Telemedizinterminen interessiert sein, und 99% würden anderen Familien Telemedizin empfehlen.

Die Studie, die in einer pädiatrischen Praxis für Sportmedizin durchgeführt wurde, stellte auch fest, dass der Prozentsatz der Zeit, die dem Patienten gewidmet wurde, bei Telemedizin-Terminen signifikant größer war als bei Personenbesuchen (88% vs. 15% der Besuchszeit). Familien ersparten sich auch erhebliche Reisezeit und  Kosten. Sie hätten durchschnittlich 85 Meilen (ca. 137 km) fahren müssen, um die Praxis zu erreichen, was etwa $ 50 (ca. 42€) Reisekosten pro telemedizinischen Besuch entsprechen würde, so die Berechnung.

Die Forscher sagten, dass die Studie zeige, dass Telemedizin erfolgreich in pädiatrischen Subspezialitäten verwendet werden könne, um die Ressourcen im Gesundheitswesen zu maximieren und die Verfügbarkeit und das Fachwissen der wenigen pädiatrischen Subspezialisten mehr Patienten zugänglich zu machen.

"Wir wissen, dass die Telemedizin oft für häufige Erkrankungen in der Kindheit genutzt wird, wie Erkältungen und Grippe oder Hautausschläge, aber wir wollten uns anschauen, wie Telemedizin Patienten in einem bestimmten Fachgebiet wie Sportmedizin zugutekommen könnte", verdeutlichte Atanda. "Die Gesundheitslandschaft entwickelt sich weiter, und es wird immer mehr auf Qualität und Zufriedenheit geachtet. Hier bietet die Telemedizin Möglichkeiten, um die Kosten und die Ressourcenauslastung niedrig zu halten und gleichzeitig alle Qualitätsanforderungen zu erfüllen."

Nemours, eine gemeinnützige Kindergesundheitsorganisation mit mehreren Kinderkrankenhäusern in den USA, nutzt Telemedizin mit einem direkten Zugang für Patienten mit akuten sowie chronischen Krankheiten und zu OP-Nachbesprechungen. Auch Partnerkrankenhäuser, Schulen und sogar Kreuzfahrtschiffe können darauf zugreifen. Nemours CareConnect ist ein 24/7-on-demand pädiatrisches Telehealth-Programm, das Familien über ein Smartphone, Tablet oder Computer Zugang zu Nemours Kinder- und Jugendärzten bietet - egal ob von zu Hause, von der Schule aus oder sogar vom Sportplatz aus. Wenn nötig, kann der Arzt ein Rezept ausstellen und es mit einem Geo-Location-Service auf dem Smartphone oder Tablet an die nächste Apotheke senden. Der Service kostet $ 49 (ca. 41 €) pro virtuellem Besuch, wenn diese Leistung nicht von der Versicherung abgedeckt ist.

Auch in Deutschland bieten Kinder- und Jugendärzte Telemedizin an

In Deutschland wurde im April 2017 die so genannten Online-Video-Sprechstunde (OVS) eingeführt. In der Kinder- und Jugendarztsuche bei www.kinderaerzte-im-netz.de können Eltern und Patienten nach Ärztinnen und Ärzten suchen, die auch Telemedizin in ihren Praxen oder eine direkte Kommunikation mit den Patienten mit der PraxisApp „Mein Kinder- und Jugendarzt“ anbieten. Einige Versicherungen erstatten OVS bereits (Barmer GEK und AOK Bayern).

Quelle: News Medical, Nemours

19.10.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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