USA: Die meisten minderjährigen Grippetoten waren nicht geimpft

Forscher fanden heraus, dass etwa drei Viertel der US-Kinder, die an Grippe-Komplikationen zwischen 2010 und 2014 starben, nicht geimpft waren, bevor sie krank wurden. Wenn alle Kinder ihre jährliche Grippeimpfung erhielten, könnten 65% dieser Todesfälle verhindert werden, schätzten Forscher. Experten kommentierten, dass diese in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlichten Ergebnisse die in Amerika geltenden Empfehlungen bestätigen und bestärken: Erwachsene und Kinder ab einem Alter von 6 Monaten sollten vor jeder Grippe-Saison geimpft werden.

Die Studie hebt auch eine Tatsache hervor, die vielen Eltern vielleicht nicht bewusst ist: "Auch gesunde Kinder können an der Grippe sterben", warnte Dr. Paul Offit, Chef der Abteilung für Infektionskrankheiten am Kinderkrankenhaus von Philadelphia., der nicht an der Studie beteiligt war.

Glücklicherweise ist das selten. Aber wenn es passiert, " ist es eine Tragödie", so Dr. Brendan Flannery, Studienleiter und Wissenschaftler des Centers for Disease Control and Prevention (CDC). "Die Leute nehmen die Grippe oft nicht sehr ernst", sagte Flannery.

Kinder, die vollkommen gesund sind, können nicht nur sterben, sondern auch schwer erkranken und Komplikationen wie eine Lungenentzündung entwickeln. Das Risiko ist für Kindern mit bestimmten Vorerkrankungen besonders hoch, wie bei Asthma, Herzerkrankungen, Diabetes, zystischer Fibrose und Sichelzellenanämie.

Gesunde und Risikokinder profitieren von einer Grippeimpfung

Das Team um Dr. Flannery stellten fest, dass eine Grippeimpfung das Sterberisiko sowohl bei gesunden Kindern als auch bei Risikokindern deutlich senken kann.

Die Ergebnisse basieren auf den Daten von 358 Kindern und Jugendlichen, die im Verlauf von vier Grippesaisons an einer Grippe-Infektion starben. Nur ein Viertel war geimpft worden - obwohl die Impfrate bei Kindern mit Vorerkrankungen höher war. Von 153 Kindern mit hohem Risiko hatten 31% eine Grippeimpfung bekommen.

Die Forscher verglichen diese Kinder mit drei großen Gruppen von U.S.-Kindern, deren Durchimpfungsraten bekannt waren. Insgesamt waren 48% dieser Kinder gegen Grippe geimpft worden. Im Durchschnitt  - so kalkulierte das CDC-Team - könnten 65% der Grippe-Todesfälle verhindert werden, wenn alle U.S.-Kinder ihre jährliche Grippeimpfung erhielten. Unter Kindern mit hohem Risiko könnte der Impfstoff das Sterberisiko halbieren.

Mangelndes Wissen und Bequemlichkeit sind oft Gründe für Verzicht auf Impfung

Der Grippeimpfstoff ist nicht immer perfekt, schränkten Flannery und Offit ein. Jedes Jahr muss der Impfstoff neu zusammengestellt werden, basierend auf Expertenvorhersagen, die bestimmen, welche Grippe-Stämme in der kommenden Saison vorherrschen werden. Eine Impfung garantiert deshalb nicht, dass jemand nicht an Grippe erkrankt. "Mit einem Impfstoff, der die kursierenden Grippeviren nicht optimal abdeckt, sind immer noch Todesfälle möglich", erklärte Flannery. "Aber die Impfung reduziert das Risiko." Trotzdem erhalten viele U.S.-Kinder - auch Hochrisikopatienten – keine Impfung. Ein möglicher Grund kann laut Offit sein, dass die Impfung jährlich erfolgen muss. Das macht es unpraktisch, bemerkte er - aber manche Leute "schließen daraus auch, dass der Impfstoff nicht sehr gut ist."

Flannery stimmte zu, dass einige glauben, dass die Grippeimpfung nicht funktioniere. Teilweise liege das an fehlendem Wissen darüber, was die Grippe ist: Manche Menschen verwechseln sie mit der Erkältung oder sogar einer Magen-Infektion. Wenn sie mit diesen Infektionen krank werden, nachdem sie eine Grippeimpfung bekommen haben, denken sie, dass der Impfstoff unwirksam war.

Darüber hinaus sorgen sich etliche Eltern wegen der Sicherheit des Impfstoffs, besonders wenn ihr Kind eine chronische Krankheit hat. Flannery betonte: "Der Impfstoff wird gerade deshalb für Risikokinder empfohlen, weil er sicher ist."
Glücklicherweise habe jedes Kind ein sehr geringes Risiko, an einer Grippe zu sterben, so Offit. Flannery bestätigte dies, aber fügte hinzu, dass der Grippeimpfstoff auch verhindern könne, dass Kinder ins Krankenhaus und leiden müssten. Auch Eltern hätten längere Fehlzeiten in der Arbeit, wenn sie ihre Kinder pflegen.

Quelle: HealthDay, Pediatrics, CDC

10.05.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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