USA: Influenza B trifft Kinder und junge Erwachsene besonders stark

Laut den amerikanischen Grippedaten der CDC (Centers for Disease Control and Prevention), dem wöchentlichen Influenza-Überwachungsbericht der Agentur, ist der Influenza-B/Victoria-Stamm derzeit der häufigste Influenza-Stamm in den USA.

Influenza-B-Viren hatte das letzte Mal in den USA in der Grippesaison 1992-1993 dominiert. Amerikanischen Experten berichten, dass Viren des Influenzastammes B in diesem Jahr 60% der zirkulierenden Grippe-Viren in den USA ausmachen, während dieser Stamm in den letzten drei Jahren weniger als einen Anteil von 10% erreichte. Influenza-B-Viren zirkulieren jedes Jahr, aber sie treten in der Regel am Ende der Grippesaison zum Frühjahr hin häufiger auf.
"Dieses Jahr hat [das Influenza-B-Virus] nicht nur überwogen, sondern es ist auch früh erschienen. Das ist einzigartig, aber jedes Jahr gibt es in Bezug auf die Grippe etwas Unkalkulierbares", erklärte der Virologe Dr. Pedro Piedra vom Baylor College of Medicine in Houston gegenüber MedPage Today.

Er führte mehrere epidemiologische Gründe an, um zu erklären, warum Influenza B in diesem Jahr vorherrsche. "Die Verbreitung hängt von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und dem Anteil der nicht immunen, anfälligen Personen ab. Aus irgendeinem Grund begünstigten die Umwelt und die Bevölkerung in diesem Jahr die Verbreitung des B-Stamms [B/Victoria]", erklärte Piedra. Eine große pädiatrische Einrichtung in New Orleans meldete beispielsweise 1.268 im Labor bestätigte Influenza-B-Virus-Infektionen, darunter 23 Krankenhauseinweisungen vom 31. Juli bis 21. November 2019. Das ist eine Zeit, in der die Influenza-Aktivität eigentlich normalerweise gering ist und auch kaum jemand schon geimpft ist. In dieser Zeit berichtete Louisiana auch über einen Todesfall bei einem Kind im Zusammenhang mit einer Influenza-B-Virus-Infektion.

Die Grippesaison 2019-2020 hat nur wenig Ähnlichkeiten mit der letzten schweren Grippesaison 2017-2018, in der es eine Rekordzahl an Krankenhauseinweisungen und Todesfällen infolge der Grippe gab. Für ältere Erwachsene führe i.d.R. das [Influenza A] H3N2- Virus vermehrt zu Krankenhausaufenthalten und Todesfällen. Das sei dieses Jahr nicht so zu beobachten, so Piedra. "Es sind [in diesem Jahr] mehr Kinder als im gleichen Zeitraum der vorangegangenen Jahre gestorben.“ Viele Todesfälle stehen im Zusammenhang mit Influenza-B-Viren und nur wenige mit Influenza-A-Viren. A/H1N1 (pdm09) ist der andere Stamm, der überwiegend zirkuliert. Gegen diesen seien ältere Leute meist immun, da viele Menschen in dieser Altersgruppe bereits früher mit dem Virus Kontakt hatten.

Über die Hälfte der Todesfälle bis zum 18. Januar betrafen in dieser Saison Kinder und junge Erwachsene (<25 Jahre), während nur bei 12% der Erwachsenen ab 65 Jahren Grippe nachgewiesen wurde. Der Anteil der ambulant behandelten Fälle war insgesamt relativ groß und wenige Patienten mussten ins Krankenhaus. Die Gesamtzahl der Todesfälle bei Kindern aufgrund einer Grippe stieg bis zum 18. Januar auf 54 junge Patienten. 37 der 54 gemeldeten grippebedingten Todesfälle bei Kindern in dieser Saison sind auf Influenza-B-Viren zurückzuführen.

Quelle: MedpageTopday, Morbidity and Mortality Weekly, FluView, Weekly U.S. Influenza Surveillance Report

   

06.02.2020 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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