USA: Zunahme der Überdosierungen von ADHS-Medikamenten

Amerikanische Experten machen darauf aufmerksam, dass es zu einer Zunahme von Vergiftungsunfällen mit ADHS-Medikamenten gekommen ist. Absichtliche Falscheinnahmen wurde dabei am häufigsten bei Jugendlichen beobachtet. Etwa die Hälfte der Vergiftungsfälle bei dieser Altersgruppe im Zusammenhang mit ADHS-Arzneien waren willentlich herbeigeführt.

In den Jahren 2000 bis 2011 gab es eine Zunahme der pädiatrischen Vergiftungsunfälle mit ADHS-Medikamenten um mehr als 71%, die zwischen 2011 und 2014 wieder abnahm (um 6,2%). Dreiviertel der Fälle betrafen Kinder bis zu 12 Jahren. Der häufigste Grund für die Exposition war ein Einnahmefehler (41,6%). Eine vorsätzliche Überdosierung (einschließlich Suizidversuch und/oder Medikamentenmissbrauch) wurde am häufigsten bei Jugendlichen (13-19 Jahre alt) dokumentiert – dies machte etwa die Hälfte der Fälle in dieser Altersgruppe aus. Insgesamt erhielt die Mehrheit der betroffenen Personen (60,4%) keine medizinische Behandlung. Jedoch mussten 6,2% der Vergiftungsfälle bei Minderjährigen im Krankenhaus behandelt werden, und es gab 3 Todesfälle. Die zunehmende Anzahl und Häufigkeit der gemeldeten ADHS-Medikationsexpositionen während des Studienzeitraums steht im Einklang mit zunehmendem Trend bei der ADHS-Diagnose und der Verschreibung dieser Medikamentengruppe.

Expositionen im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Suizid und/oder Medikamentenmissbrauch bei Jugendlichen seien besonders besorgniserregend. Dies geben Forscher um Samantha A. King vom Forschungsinstitut am Nationwide Children's Hospital in Columbus, Ohio, in einer Veröffentlichung in „Pediatrics“ zu bedenken. Sie führten eine retrospektive Analyse der Daten aus dem National Poison Data System durch. Demnach wurden in den Jahren 2000 bis 2014 156.365 Fälle von Fehleinnahmen im Zusammenhang mit ADHS-Medikamenten bei US-Giftkontrollzentren gemeldet. Insgesamt entfielen 46,2 und 44,5% der Expositionen auf Methylphenidat- bzw. Amphetamin-Medikamente.
"Unbeabsichtigte und absichtliche falsche Einnahmen von ADHS-Medikamenten bei Kindern und Jugendlichen sind ein zunehmendes Problem in den Vereinigten Staaten und betreffen Kinder jeden Alters", fassen die Autoren zusammen.

Quelle: HealthDay, Pediatrics





29.06.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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