Wie extreme Temperaturen das Geburtsgewicht beeinflussen können

Amerikanische Forscher um Dr. Pauline Mendola vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) in Bethesda, USA, fanden heraus, dass Frauen, die während ungewöhnlich heißem oder kaltem Wetter schwanger waren, ein erhöhtes Risiko hatten, Babys mit einem niedrigen Geburtsgewicht zur Welt zu bringen, auch wenn das Baby keine Frühgeburt war.

„Angesichts der Tatsache, dass im Zuge des globalen Klimawandels mit einer Zunahme der extremen Wetterereignisse zu rechnen ist - wozu auch ungewöhnlich heißes oder kaltes Wetter gehört -, zeigen diese Ergebnisse, dass mehr Forschung auf diesem Gebiet erforderlich ist und dass das Bewusstsein der Öffentlichkeit auf die möglichen nachteiligen Auswirkungen extremer Temperaturen auf das Ungeborene während der Schwangerschaft geschärft wird", schrieben die Wissenschaftler in ihrem Bericht, die in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Environmental Research“ veröffentlicht wird.
Für die Studie analysierten die Forscher Daten von mehr als 220.000 Babys, die zwischen 2002 und 2008 in 19 US-Krankenhäusern geboren wurden. Sie benutzten Wetterdaten, um die täglichen Temperaturen in den Regionen jedes Krankenhauses zu bestimmen. Dann berechneten sie die Durchschnittstemperaturen für jedes Trimester der Schwangerschaft sowie die durchschnittliche Temperatur während der gesamten Schwangerschaft.
Die Experten wollten wissen, ob die Umgebungstemperaturen das Risiko von niedrigem Geburtsgewicht bei zeitgerecht geborenen Kindern beeinflussen könnte (weniger als 2.500 Gramm Geburtsgewicht).

In der Studie wurde ungewöhnlich kaltes Wetter als Temperaturen unterhalb des 5. Perzentils der Durchschnittstemperaturen für eine bestimmte Region definiert (95% der für die Region üblichen Temperaturwerte liegen darüber). Ungewöhnlich heißes Wetter wurde als Temperaturen über dem 95. Perzentil der Durchschnittstemperaturen für eine Region definiert (95% der für die Region üblichen Temperaturwerte liegen darunter). Dies bedeutet, dass das, was die Experten als heißes oder kaltes Wetter betrachteten, abhängig davon war, wo die Frauen lebten.

Das Ergebnis: Frauen, die im zweiten und dritten Trimester ungewöhnlich kaltem Wetter ausgesetzt waren oder im dritten Trimester ungewöhnlich heißem Wetter, hatten ein 18 bis 31% erhöhtes Risiko ein Kind mit niedrigem Geburtsgewicht zu gebären, verglichen mit denen, die im zweiten und dritten Trimester eher milderes Wetter hatten.

Darüber hinaus bekamen Frauen, die mit extrem heißem oder kaltem Wetter während der gesamte Schwangerschaft zu kämpfen hatten, etwa 2,5-mal häufiger Babys mit einem niedrigen Geburtsgewicht, im Vergleich zu den Schwangeren, die mildere Temperaturen erlebten.

Bis mehr Erkenntnisse dazu gäbe, sei es sinnvoll, dass Schwangere bei besonders heißem oder kaltem Wetter möglichst wenig Zeit draußen bzw. in nicht klimatisierten/geheizten Räumen verbrächten, empfahl Dr. Pauline Mendola.

Zeitgerecht geborene Babys können aus genetischen Gründen, wegen einer Krankheit, Infektion, Wachstumsproblemen, infolge Plazenta-Insuffizienz, Nikotin- und/oder Alkohol-Konsum der Mutter während der Schwangerschaft usw. ebenso mit einem niedrigen Geburtsgewicht auf die Welt kommen. Das Team weiß nicht, warum die Exposition gegenüber ungewöhnlich kalten oder heißen Temperaturen in der Schwangerschaft das Geburtsgewicht beeinflussen kann. Eine Möglichkeit ist, dass extreme Temperaturen den Blutfluss im Uterus reduzieren könnten, was das fetale Wachstum beeinträchtigen könnte.
Die Wissenschaftler räumen ein, dass sie nicht ermitteln konnten, wie viel Zeit die Frauen in der Studie draußen verbracht hatten oder wie oft sie Klimaanlagen oder Heizungen verwendet hatten, und diese Informationen könnten die Ergebnisse verändern. Ihre Erkenntnisse ergänzen die eine ihrer früheren Studie (unter der gleichen Forschergruppe), in der sie festgestellt haben, dass die Exposition gegenüber ungewöhnlich kalten oder heißen Temperaturen in der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt verbunden ist.

Quelle: Fox News, Environmental Research

20.04.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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