Erzieher*innen und Kinder – zwei Seiten einer Medaille

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Impfstoffe werden entwickelt, um Menschen vor schweren ansteckenden Krankheiten zu schützen. Welch enormer Fortschritt das ist, wird wieder bewusst, wenn wie gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 und damit zum Schutz vor der Erkrankung COVID-19 (noch) kein Impfstoff vorhanden ist.

Gegen Masernviren stehen bereits seit den 1960er Jahren Impfstoffe zur breiten Anwendung zur Verfügung. Später wurden sie kombiniert mit den Impfungen gegen Mumps, Röteln und ggf. auch Windpocken zu MMR- bzw. MMRV-Impfstoffen. Seit den 70er Jahren wurden Masernimpfstoffe auch in der ehemaligen DDR (Pflichtimpfung) bzw. in der Bundesrepublik (Impfempfehlung) eingesetzt. Da je nach Impfsystem jedoch unterschiedlich große Bevölkerungsteile erreicht wurden, fiel der Erfolg je nach Zeitpunkt und Region sehr unterschiedlich aus.

Wie wird gegen Masern geimpft?

Seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission für einen vollständigen Impfschutz gegen Masern zwei Impfdosen. Trotzdem ist es bis jetzt nicht gelungen, das Masernvirus dauerhaft aus Deutschland zu verdrängen. Anlässlich einer aktuellen Analyse der Impfzahlen vom Juli 2020 stellte Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts fest: „Die Ergebnisse zeigen, dass immer noch wichtige Impfziele verfehlt werden. […] Zudem werden Impfserien zu oft später begonnen, als von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, und nicht zeitgerecht abgeschlossen. Dadurch bleiben Kinder unnötig lange ungeschützt und es werden wichtige internationale Impfziele zur Ausrottung von Polio oder Masern verfehlt.“

Je früher, desto besser: Masernschutz für alle Kindergärtner*innen und Kinder

Seit dem 1. März 2020 gilt in Deutschland das Masernschutzgesetz. Es bedeutet unter anderem, dass ab diesem Datum alle nach 1970 geborenen Personen, die in einer Gemeinschaftseinrichtung betreut werden oder dort arbeiten, einen vollständigen Impfschutz gegen Masern nachweisen müssen. Das gilt u.a. Kindergärten, Schulen oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen sowie die Tagespflege.

  • Kinder ab einem Jahr müssen eine Masernimpfung nachweisen.
  • Kinder ab zwei Jahren und Erwachsene, die nach 1970 geboren sind, müssen zwei Masernimpfungen nachweisen.

Alternativ kann ein ärztliches Zeugnis über eine ausreichende Immunität gegen Masern vorgelegt werden. Die Kosten dafür sind jedoch in der Regel selbst zu tragen. Für alle, die am 1. März 2020 bereits in den betroffenen Einrichtungen betreut wurden oder tätig waren, gilt noch eine Übergangsfrist bis zum 31. Juli 2021. Aber es ist nicht sinnvoll, diese abzuwarten. Denn Kinder und Kindergärtner*innen sind zwei Seiten derselben Medaille. Nur wenn in beiden Personengruppen mindestens 95 Prozent vollständig geimpft sind, greift der Gemeinschaftsschutz. Nur dann werden schwere Krankheitsfälle durch Masern zuverlässig verhindert. Nur dann sind auch Personen geschützt, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.


Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam. Empfehlen Sie uns weiter!

Lassen Sie sich von unserem Erinnerungsservice an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impfungen für Ihr Kind erinnern.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team


Quellen:
https://www.masernschutz.de; zuletzt abgerufen am 31.7.2020

RKI Ratgeber Masern
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html; zuletzt abgerufen am 31.7.2020

Epidemiologisches Bulletin 32/33 2020
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/32-33_20.pdf; zuletzt abgerufen am 31.7.2020

The basic reproduction number (R 0) of measles: a systematic review
https://doi.org/10.1016/s1473-3099(17)30307-9; zuletzt abgerufen am 31.7.2020

Die Einführung der Masernimpfung in der BRD 1960-1980 im Spiegel medizinischer Fachjournale und der Laienpresse
https://repository.publisso.de/resource/frl:6401861/data; zuletzt abgerufen am 31.7.2020

Veröffentlichung: 05.08.2020 / HTR
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