Immunsystem „mit angezogener Handbremse“

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Sobald das Neugeborene den Mutterleib verlässt, kommt es schlagartig mit zahllosen unbekannten Bakterien, Viren, Pilzen und Fremdstoffen in Kontakt. Allerdings machen nicht alle neuen Mikroorganismen krank. Manche sollen sich sogar ansiedeln, wie z.B. die Darmflora. Würde die Körperabwehr des Neugeborenen normal auf diesen Ansturm des Unbekannten reagieren, wäre eine massive, lebensgefährliche Entzündungsreaktion die Folge (Sepsis/Blutvergiftung). Jetzt haben Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover sowie der Universitäten Bonn und Münster herausgefunden, warum das in der Regel nicht passiert.

Neue Hoffnung für Frühgeborene

Normalerweise lösen bestimmte Substanzen etwa in der Hülle von Bakterien Entzündungen aus, indem sie in Abwehrzellen ein bestimmtes genetisches Programm anschalten. Neugeborene produzieren jedoch Stoffe, die das verhindern – die so genannten S100-Alarmine. Diese werden ab dem Zeitpunkt der Geburt freigesetzt und halten wie eine Handbremse das Immunsystem weitgehend zurück. Im Laufe der ersten Lebenswochen werden immer weniger dieser S100-Alarmine produziert. Gleichzeitig werden andere Mechanismen aktiviert, die an Stelle der Alarmine das Immunsystem regulieren können. Bis etwa zum ersten Geburtstag ist die Umstellung abgeschlossen.

Kindern, die nach der Geburt zu wenig Alarmine bilden, fehlt diese „Handbremse“. Deshalb sind sie von schweren Infektionen bedroht. Das gilt besonders für Frühgeborene, die meist zur Welt kommen, bevor sie ausreichend Alarmine produziert haben. Diese Forschungsergebnisse eröffnen die Hoffnung, dass eines Tages zusätzlich verabreichte Alarmine bei Frühgeborenen das Risiko einer lebensgefährlichen Sepsis verringern könnten.

Unausgereift? Von wegen!

Bislang dachte man, die Immunzellen seien bei Säuglingen noch nicht ganz ausgereift und deshalb nicht besonders schlagkräftig. Jetzt vorliegende Erkenntnisse zeigen eindrücklich, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Damit wird auch bestätigt, was seit vielen Jahrzehnten aus der Praxis bekannt ist: Das Immunsystem eines Babys kann bereits ab Geburt problemlos mit Impfungen umgehen.

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Quelle:

Pressemitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover vom 2. Mai 2017:

Babys werden mit gedrosseltem Immunsystem geboren

Veröffentlichung: 21.06.2017 / HTR
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