Impfen - Mythen und Fakten

Es gibt eine Reihe hartnäckiger Gerüchte über Impfungen und Impfstoffe. Speziell im Internet werden einige längst widerlegte Mythen immer wieder aufgebracht. Wir sagen Ihnen, was stimmt und was nicht.

Impfstoffe vergiften Kinder mit Quecksilber
Stimmt nicht. Keine der heutzutage in Deutschland routinemäßig ausgeführten Kinderimpfungen enthält noch Quecksilber-Verbindungen. Das früher eingesetzte Thiomersal war in viel geringeren Mengen und chemisch in einer ganz andere Form vorhanden als die Quecksilber-Verbindungen, die als sehr giftig gelten. Man könnte das vielleicht mit Chlor vergleichen: Im Kochsalz ist es praktisch harmlos, im Rohreiniger jedoch viel aggressiver.

Impfstoffe verursachen Allergien
Stimmt so nicht. Richtig ist, dass etwa innerhalb von einer Stunde nach einer Impfung ein sehr selten ein allergischer Schock auftreten kann. Man geht von einem Fall auf 300.000 oder auf eine Million Geimpfte aus. Impfende Arztpraxen sind immer darauf vorbereitet und können den Kreislauf schnell wieder stabilisieren.
Ebenso kann es selten zu einer allergischen Reaktion an der Impfstelle kommen, wenn jemand an einer noch unbekannten Allergie gegen einen Inhaltsstoff leidet. Dafür muss die Allergie jedoch schon vorhanden sein. Schwellung, Schmerzen und Hautausschlag sind typische Folgen. Von einer erneuten Impfung wird dann meist abgeraten.
Ebenso falsch ist die Ansicht, dass Allergien bei geimpften Kindern häufiger vorkommen. Das stimmt nicht. Dazu gibt es inzwischen eine Reihe von Studien (siehe z.B. Schmitz et al. 2011).

Impfstoffe verursachen Autismus

Stimmt nicht. Die Studie, die angeblich Beweise dafür geliefert hatte, wurde als Fälschung entlarvt. Darüber hinaus wurden in aufwändigen Gerichtsprozessen in den USA weitere Studien geprüft. Es fand sich kein Zusammenhang.

Impfungen werden zu früh gegeben

Stimmt so nicht. Später geimpfte Kinder sind nicht gesünder als laut Impfkalender geimpfte Kinder. Außerdem ist das Immunsystem eines Neugeborenen zwar funktionstüchtig, aber gegen manche Erreger quasi blind. In den ersten zwei Lebensjahren drohen schwere Krankheitsverläufe, wenn es z.B. zu einer Infektion mit bekapselte Bakterien wie Hib oder Pneumokokken kommt. Impfungen bauen gleich in den ersten Monaten einen Schutz dagegen auf.
Bei anderen Erregern kommt es auf das aktuelle Ansteckungsrisiko in einem Land an, wie früh oder spät eine Impfung sinnvoll ist. In Deutschland prüft dies die Ständige Impfkommission.

Ausführliche Informationen zu diesen Fragen erhalten Sie auch bei Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin oder auf www.gesundes-kind.de unter "Impfberatung".

Lassen Sie sich von unserem Vergissmeinnicht-Service an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impftermine erinnern auch als iPhone App (www.gesundes-kind.de/recall/anmeldung/default.jsp).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quellen:
Schmitz et al.: Dtsch Arztebl Int 2011; 108(7): 99104 (http://edoc.rki.de/oa/articles/remeSNoN76cQg/PDF/27quOANlOWnQ.pdf)
US Court for Federal Claims, Autism Decisions
(www.uscfc.uscourts.gov/autism-decisions-and-background-information)
Interview in der ZEIT, 15. Februar 2010 (www.zeit.de/2010/07/M-Medizinlegenden)
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2897%2911096-0/fulltext

Hinweis aus aktuellem Anlass: Väter in Elternzeit/Karenz gesucht
Für ein Forschungsprojekt sucht die Universität RWTH Aachen Väter, die in den Monaten September, Oktober, November und/oder Dezember 2014 in Elternzeit sind oder sein werden. Mehr Informationen: https://www.soscisurvey.de/PLDS_Registrierung/

Veröffentlichung: 21.10.2014 / HTR
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