Medikamente für Kinder: zu wenig, zu viel, nicht zugelassen

Was der Arzt oder die Ärztin in der Sprechstunde vorgibt ist das eine was Eltern später zu Hause tun, offenbar eine ganz andere Sache. Fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen erhält falsch dosierte Medikamente, ergab die KiGGS-Studie. KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Mehr als 17.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie deren Eltern haben zwischen 2003 und 2006 für KiGGS Fragen beantwortet.  

Kleinkinder sind besonders häufig betroffen
Fast 9.000 Kinder und Jugendliche hatten in den sieben Tagen vor der Befragung eines oder mehrere Medikamente erhalten. Es handelte sich um rund 14.500 verschiedene Arzneimittel. 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen nahm die Wirkstoffe nicht entsprechend der Packungsbeilage ein. Am häufigsten berichteten Eltern von Kindern zwischen 3 und 6 Jahren, dass sie von der empfohlenen Dosierung abwichen. Fast die Hälfte der Kinder diesen Alters (49%) erhielt keine korrekte Dosierung.

Lieber zu wenig als zuviel?
Am häufigsten wurde zu gering dosiert (58%). An zweiter Stelle standen zu hohe Dosierungen (15%). Bei 14 Prozent war das Medikament nicht für die Krankheit gedacht, gegen die es eingesetzt wurde. In einem Achtel der Fälle (12,5%) war das Kind bzw. der Jugendliche zu alt oder zu jung, für sein Alter war das Medikament nicht zugelassen. Am häufigsten wurden Medikamente für das Herz-Kreislauf-System falsch eingesetzt (67%).

Was Sie tun können
Viele Eltern möchten Ihre Kinder schonen, wenn Sie von empfohlenen Dosierungen abweichen. Aber die Empfehlungen, wie oft wie wie viel eingenommen werden sollte, haben gute Gründe. Unsere Tipps:

  • Wenn Sie sich Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen machen, sprechen Sie mit dem Kinderarzt/der Kinderärztin darüber!
  • Bitte bedenken Sie auch: Geringere Mengen eines Medikamentes sind nicht automatisch unschädlicher. Werden z.B. Antibiotika abgesetzt, sobald die Krankheitszeichen verschwunden sind, entstehen resistente Bakterien.
  • Nehmen Sie zum Arzttermin einen Zettel mit, auf dem Ihre Fragen stehen und auf dem Sie den ärztlichen Rat notieren können. Oft ist man sehr aufgeregt und kann sich Einzelheiten nicht so gut merken.

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam: www.gesundes-kind.de/faq/expertenrat.jsp.
Empfehlen Sie uns weiter!

Lassen Sie sich von unserem Vergissmeinnicht-Service an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impftermine erinnern auch als iPhone App www.gesundes-kind.de/recall/anmeldung/default.jsp).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quelle: Knopf et al.: Off-label medicine use in children and adolescents: results of a population-based study in Germany. BMC Public Health 2013, 13:631  

Veröffentlichung: 03.12.2013 / HTR
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