Pflicht oder Nicht - Was bedeutet das neue Präventionsgesetz für junge Eltern?

Nach mehreren Jahren Beratung hat der Deutsche Bundestag am 18. Juni 2015 das so genannte Präventionsgesetz verabschiedet. Bis seine Regelungen die Bürger in Deutschland konkret erreichen, werden noch einige Monate vergehen. Aber schon jetzt verunsichern Schlagzeilen wie "Ohne Impfung keine Schule" oder "Ungeimpfte müssen draussen bleiben" viele Eltern.

Gleich zu als erstes: Mit dem Präventionsgesetz wird keine Impfpflicht eingeführt auch nicht durch die Hintertür. Verpflichtend ist nur der Nachweis, dass eine ärztliche Impfberatung stattgefunden hat. Dieser Nachweis muss von Eltern vorgelegt werden, wenn ihr Kind im Vorschulalter in eine Betreuungseinrichtung aufgenommen wird. Jedes Bundesland wird in Zukunft für sich regeln, wie dieser Nachweis genau aussehen soll.

Wozu eine Beratungspflicht?
Hintergrund für diese Regelung ist die Ansteckungsgefahr. Häufig ist die Kita oder Krippe der erste Ort, an dem Kleinkinder mit vielen anderen Menschen in Kontakt kommen. Dadurch steigt auch ihre persönliche Ansteckungsgefahr. Junge Eltern können ein Lied davon singen: Während der ersten Monate nach Eintritt in die Kita scheinen Kinder unaufhörlich krank zu sein: Mal leiden sie an Schnupfen, dann an Durchfall, schließlich wieder an Husten. Ab und zu stecken sich die Eltern ebenfalls an und gibt es ein kleines Geschwister, ist das sofort mit betroffen.

Erkältungen und Magen-Darm-Infektionen verlaufen meist harmlos. Es gibt jedoch auch gefährliche Infektionskrankheiten. Beispielsweise musste rund ein Viertel der Patienten, die sich seit Herbst 2014 in Berlin mit Masern angesteckt hatten, im Krankenhaus behandelt werden. Ein Kind starb. Vor Masern und einer Reihe anderer gefährlicher Infektionskrankheiten können Impfungen schützen. Damit alle Eltern darüber Bescheid wissen, gibt es jetzt die Beratungspflicht.

Mehr Gesundheit für junge Familien
Das Präventionsgesetz bringt noch weitere Verbesserungen für junge Familien, unter anderem:

  • zwölf anstatt bisher acht Wochen Hebammenhilfe nach der Geburt
  • mehr vorbeugende Angebote in Kindergärten und Schulen, z.B. Bewegung in der Natur
  • U- und J-Untersuchungen können bis zum 18. Geburtstag angeboten werden
  • Krankenkassen dürfen Bonus-Leistungen für Impfungen anbieten

Wenn das Gesetz in Kraft tritt, werden Eltern noch einmal ausführlich informiert.

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam: www.gesundes-kind.de/faq/expertenrat.jsp.
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Lassen Sie sich von unserem Vergissmeinnicht-Service an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impftermine erinnern auch als iPhone App (www.gesundes-kind.de/recall/anmeldung/default.jsp).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quellen:
Der Gesetzentwurf im Original:
www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/P/Praeventionsgesetz/141217_Gesetzentwurf_Praeventionsgesetz.pdf
Information des Bundesgesundheitsinisterium zum Präventionsgesetz:
www.bmg.bund.de/ministerium/meldungen/2015/praeventionsgesetz.html



Veröffentlichung: 29.07.2015 / HTR
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