Physiker im Windelalter

Nach der Sapir-Whorf-Theorie bestimmt unsere Sprache, wie wir die Welt um uns herum wahrnehmen. Neue Forschung mit Säuglingen im Alter von fünf bis sieben Monaten beweist jedoch, dass sie auch ohne Worte eine Idee von den physikalische Eigenschaften ihrer Umwelt haben: Sie können unterscheiden, ob etwas fest oder flüssig, blau oder grün ist.

Kenner von Farbe...
Japanische Forscher haben mit Hilfe von kurzwelligem Infrarotlicht die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen von Säuglingen untersucht. Die so genannte Nahinfrarotspektroskopie kann Auskunft über den Blutfluss und den Sauerstoffgehalt einer Hirnregion geben, ohne einem Patienten weh zu tun oder zu schaden.

Säuglingen im Alter von fünf bis sieben Monaten wurden geometrische Figuren gezeigt (z.B. Kreis, Viereck, Dreieck). Präsentierte man diese abwechselnd in Blau oder Grün, war die Hirnaktivität der Säuglinge höher als wenn nur verschiedene Grüntöne gewählt wurden. Das bedeutet, dass sie bereits eine Vorstellung davon haben, was eine Farbe ist, bevor sie überhaupt ein Wort dafür kennen.

...und Form
Noch verblüffender erscheint im wahrsten Sinne des Wortes, was italienische und US-amerikanische Forscher herausgefunden haben. Wenn wir einen Ball loslassen, aber der Ball fällt nicht, sondern bleibt einfach in der Luft stehen, sind wir überrascht. Genau diese Art von Überraschung haben sie bei Säuglingen im Alter von fünf Monaten beobachtet, wenn Wasser nicht wie erwartet flüssig ist.

Die Forscher zeigten Babys zunächst ein Glas mit echtem Wasser und bewegten es etwas. Dann tauschten sie das Glas gegen ein andere Glas um, in dem ein fester Kunststoff nur so aussah wie Wasser. Dann ließen sie dieses Wasser auf ein Sieb fallen oder umgekehrt das Sieb auf das vermeintliche Wasser. Jedes Mal waren die kleinen Physiker überrascht, wenn die vermeintliche Flüssigkeit sich nicht so verhielt wie erwartet. Säuglinge müssen also schon im Alter von fünf Monaten eine Vorstellung von fest und flüssig haben.

Übrigens werden in den Vorsorgeuntersuchungen zwar nicht die Physikkenntnisse Ihres Kindes abgefragt, aber neben der körperlichen auch die geistige Entwicklung ständig begleitet. Hier finden Sie alle U-Untersuchungen im Überblick:

www.gesundes-kind.de/u-untersuchungen/vorsorgeuntersuchungen.jsp

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam: www.gesundes-kind.de/faq/expertenrat.jsp.

Empfehlen Sie uns weiter!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

 

Quellen

Pressemeldung der International School for Advanced Studies (SISSA), Triest, Italien, vom 10. Februar 2016

(www.sissa.it/sites/default/files/images/documents/form_e_documenti_linkati/2016-02-10-bayphysics-ferry/Fisica%20bambina-eng_AF.pdf)

Pressemitteilung der Tohoku-Universität , Japan 10. Februar 2016

(http://alphagalileo.org/ViewItem.aspx?ItemId=160885&CultureCode=en)

Yang et al.: Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Feb 8. pii: 201512044. [Epub ahead of print] 

(http://www.pnas.org/content/early/2016/02/04/1512044113.long)

Veröffentlichung: 18.03.2016 / HTR
| |