Stillen wird langsam beliebter

In den vergangenen 20 Jahren ist der Anteil der Kinder, die jemals gestillt wurden, um vier Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Auswertung des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS, 1. Folgebefragung). Die Eltern von rund 4.500 Kindern im Alter zwischen 0 und 6 Jahren wurden zu ihren Stillgewohnheiten befragt und ihre Antworten mit Ergebnissen von vor sechs Jahren verglichen. Die Kinder der Geburtsjahrgänge 2002 bis 2012 wurden zu rund 82 Prozent zumindest kurz gestillt. Sechs Jahre früher waren es rund 78 Prozent.

Stillen: optimal für Mutter und Kind
Schon lange ist bekannt, dass Mutter und Kind davon profitieren, wenn ein Baby mehrere Monate voll gestillt wird: Das Risiko für zahlreiche Krankheiten ist für voll gestillte Kinder geringer: beispielsweise Mittelohrentzündung, Magen-Darm-Infektionen, Leukämie, Asthma, Allergien und späteres Übergewicht. Mütter profitieren unter anderem von einer schnellere Rückbildung der Gebärmutter und einem geringeren Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.

Die Nationale Stillkommission empfiehlt seit 2004, in den ersten sechs Monaten voll zu Stillen. Beikost sollte frühestens im 5. Monat eingeführt werden und spätestens im 7. Monat.

Was fördert, was hemmt?
Obwohl es seit vielen Jahren bekannt ist, wie gesund mehrmonatiges volles Stillen ist, hat sich seit 1996 die Dauer des Stillens nicht verändert. Schon in den ersten drei bis acht Wochen nach der Geburt beendeten viele Mütter das Stillen, ergab die KiGGS-Studie. Nur rund ein Fünftel der Kinder erhielt volle sechs Monate ausschließlich die Brust. Knapp die Hälfte (48 Prozent) wurde immerhin für vier Monate nur mit Muttermilch ernährt. Insgesamt wurde im Durchschnitt 7,5 Monate lang voll oder teilweise gestillt. Verschiedenste Faktoren beeinflussen die Stilldauer:

  • Alter der Mutter: Frauen, die bei der Geburt jünger als 25 Jahre alt waren, stillten im Durchschnitt für 5,6 Monate, Frauen über 35 Jahre für 8,7 Monate.
  • Bildung der Mutter: 69 Prozent der Mütter mit niedrigem Bildungsgrad stillten überhaupt, im Gegensatz zu 95 Prozent der hoch gebildeten Mütter. Frauen mit hohem Bildungsgrad gaben ihren Kindern zudem mehr als drei Monate länger die Brust.

Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass außerdem Stillprobleme, Rauchen während der Schwangerschaft, fehlende Unterstützung durch den Partner, eine Geburt per Kaiserschnitt oder die berufliche Situation der Mutter das Stillen beeinflussen.

Was Sie tun können
Holen Sie sich Unterstützung! Informieren Sie sich vor der Geburt nach "Babyfreundlichen Krankenhäusern", die von WHO und UNICEF zertifiziert wurden. Besuchen Sie eine Stillgruppe in der Nähe und lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beraten. Erkundigen Sie sich auch nach dem Arbeitsrecht, denn stillende Mütter sind vom Gesetzgeber besonders geschützt.

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam: www.gesundes-kind.de/faq/expertenrat.jsp.
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Lassen Sie sich von unserem Vergissmeinnicht-Service an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impftermine erinnern auch als iPhone App (www.gesundes-kind.de/recall/anmeldung/default.jsp).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quelle:
Einflussfaktoren auf Verbreitung und Dauer des Stillens in Deutschland Ergebnisse der KiGGS-Studie Erste Folgebefragung (KiGGS Welle 1) (http://alerts.springer.com/re?l=D0In5rg49I6gyaoh1I2a)

Veröffentlichung: 25.07.2014 / HTR
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