Verringern Antiinfektiva den Impfschutz?

Kleinkind mit Vater

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Während der ersten beiden Lebensjahre erhalten Kinder eine Reihe Impfungen, um einen Immunschutz gegen verschiedene Infektionskrankheiten aufzubauen. Werden Kleinkinder mit Antiinfektiva wie Antibiotika behandelt, könnte dies jedoch die Entwicklung des Impfschutzes beeinträchtigen. Darauf weisen aktuelle Studienergebnisse des US-amerikanischen Rochester General Hospital Research Institute hin.  

Niedrigere Antikörperspiegel nach Gabe von Antibiotika

In die Studie einbezogen waren 560 Kinder, die im Alter von sechs bis 24 Lebensmonaten regelmäßig untersucht wurden. Zu verschiedenen Zeitpunkten wurden die Antikörperspiegel im Blut bestimmt, die nach Routineimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Pneumokokken gebildet wurden. Zudem wurden Daten aus den Krankenakten der Kinder sowie Angaben der Eltern zu Erkrankungen und Antibiotikaverordnungen analysiert.

Von den untersuchten Kindern waren 342 innerhalb der ersten 24 Lebensmonate mit Antibiotika behandelt worden, 218 hatten keine Antibiotika erhalten. Es zeigte sich, dass Kinder, bei denen Antibiotika eingesetzt worden waren, im Schnitt signifikant niedrigere Antikörperspiegel aufwiesen als Kinder ohne Antibiotikatherapie. Besonders ungünstig waren die Effekte, wenn die Gabe von Antibiotika im Alter zwischen neun und zwölf Lebensmonaten und/oder wiederholt erfolgte.

Die Forschenden erklären die Befunde dadurch, dass Antibiotika das natürliche Darmmikrobiom beeinträchtigen und so zu einer schwächeren Immunantwort auf Impfungen führen könnten.

Die Bildung von Antikörpern ist allerdings nur einer der immunologischen Mechanismen, die für den Impfschutz eine Rolle spielen. Zudem ist die Entwicklung von Gedächtniszellen wesentlich, die jedoch im Rahmen der Studie nicht erfasst wurde. Zu den Auswirkungen von Antiinfektiva auf den Aufbau eines Impfschutzes wären weitere Studien wünschenswert.

Antiinfektiva stets sachgerecht anwenden

Antiinfektiva, die je nach Wirkstoff Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze bekämpfen, sind bei vielen Infektionskrankheiten unverzichtbar. Doch diese Studienergebnisse sind ein Grund mehr, Antiinfektiva nur gezielt einzusetzen. Antibiotika gegen Bakterien beispielsweise sollten nur verordnet werden, wenn sie bei einer bakteriellen Infektion tatsächlich nötig sind, so das Fazit der Forschenden.

Wenn ein Antiinfektivum verordnet wird, sollten Eltern das Medikament ihrem Kind unbedingt wie ärztlich empfohlen verabreichen und es keinesfalls eigenständig absetzen. Denn der unsachgemäße Einsatz kann nicht nur die Genesung beeinträchtigen, sondern ist auch eine der Ursachen für die weltweit beobachtete Zunahme von Resistenzen. Werden beispielsweise Bakterien resistent, sind sie unempfindlich gegenüber Antibiotika, so dass manche gefährliche Infektionskrankheiten nur noch schwierig zu behandeln sind.   

Steht eine Impfung an, stellt eine Antibiotikatherapie gemäß Robert Koch-Institut (RKI) keine Kontraindikation dar, bei der nicht geimpft werden dürfte. Bei Fieber und einer akuten Erkrankung, die behandelt werden muss, sollten Impfungen allerdings in der Regel verschoben werden. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin wird Ihr Kind vor der Impfung gründlich untersuchen und Sie beraten, ob die Impfung durchgeführt werden kann oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden sollte.

Lassen Sie sich von unserem Erinnerungsservice an die U-Untersuchungen und Impftermine für Ihr Kind erinnern. Bei allgemeinen Fragen rund ums Impfen können Sie sich auch an das Expertenteam von www.gesundes-kind.de wenden.

Quellen:

Timothy J. Chapman et al.: Antibiotic Use and Vaccine Antibody Levels. Pediatrics, 2022; 149 (5): e2021052061. https://doi.org/10.1542/peds.2021-052061

Antibiotika verringern Impfschutz bei Kleinkindern. Deutsches Ärzteblatt, 28. April 2022

Kontraindikationen zur Durchführung von Impfungen: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Robert Koch-Institut (RKI) (zuletzt abgerufen am 01.08.2022)

Veröffentlichung: 02.08.2022 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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