Verstehen lernt man nicht vor dem Bildschirm

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Erfahrungen mit allen Sinnen sind ganz wichtig für die Entwicklung eines Säuglings. Was bedeuten Eigenschaften wie „hart“ oder „rund“, „glatt“ oder „warm“? Und was macht eigentlich eine „Kante“ aus oder einen „Stab“? All diese Eigenschaften seiner Umwelt muss das menschliche Gehirn erst kennen und unterscheiden lernen.

Rasante Entwicklung

In den ersten Wochen und Monaten seines Lebens lernt ein Neugeborenes zunächst seine Hände kennen. Die Finger werden in den Mund gesteckt, bewegt und eingehend betrachtet. Mit etwa drei Monaten gelingt es einem Säugling immer besser, einen Gegenstand festzuhalten und in den folgenden Wochen wird das gezielte Greifen geübt. Ab dem Moment ist keine Brille auf Mamas Nase mehr sicher. Etwa mit fünf Monaten, in der so genannten oralen Phase, werden alle Gegenstände zusätzlich zum Mund geführt.
Wahre Präzisionsarbeit wird etwa im Alter von einem Jahr möglich, wenn Säuglinge den so genannten Pinzettengriff mit den Spitzen von Daumen und Zeigefinger beherrschen lernen. Wohnzimmerteppiche mit kleinsten Fusseln und Krümeln werden dann hochinteressant. Erst gegen Ende dieser Entwicklung wird es für Babys auch leichter, etwas willentlich wieder loszulassen.

Schlauer als bisher gedacht

In aktuellen Studien konnte die Gießener Forschergruppe zeigen, dass sich Babys neue Gegenstände besonders gut merken und vorstellen können, wenn sie diese genau betrachten und dabei gleichzeitig befühlen. Wenn die Kanten und Oberflächen eines Gegenstandes mit den Fingern eingehend abgetastet wurden, formt sich sogar schon bei Babys ein Bild davon im Kopf. Das heißt, sie haben eine Vorstellung z.B. von einer „Tasse“, auch wenn sie diese nicht mehr sehen können. In aufwändigen Studien konnten die Gießener Entwicklungspsychologinnen sogar nachweisen, dass Babys schon dazu in der Lage sind, dieses Bild einer Tasse nur in der inneren Vorstellung zu drehen. Lange Zeit ging man davon aus, dass nur ältere Kinder und Erwachsene zu solchen Denkleistungen fähig seien.

Guter Umgang mit Smartphone, Tablet und TV

Das Forschungsteam weist in diesem Zusammenhang darauf hin, wie wichtig eigene Aktivität und reale Erfahrungen mit Gegenständen auch jenseits des Säuglingsalters sind. Erst für ältere Kinder sind Fernseher, Smartphone oder Tablet für erfolgreiches Lernen und Verstehen geeignet. Viele hilfreiche Tipps zum Umgang mit Medien im Kindesalter bietet die Website: www.schau-hin.info

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam. Empfehlen Sie uns weiter!

Lassen Sie sich von unserem Erinnerungsservice an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impfungen für Ihr Kind erinnern.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quellen:
Pressemeldung: „Wie Babys die Welt begreifen: Verstehen lernt man nicht vor dem Bildschirm“
https://idw-online.de/de/news714730; zuletzt abgerufen am 26.06.2019

Die Greifentwicklung des Babys
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/greifentwicklung/; zuletzt abgerufen am 26.06.2019

Veröffentlichung: 04.07.2019 / HTR
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