Warum gibt es
Sechsfach-Impfstoffe?

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Der deutsche Impfkalender sieht im ersten Lebenshalbjahr Impfungen gegen insgesamt acht Krankheiten vor: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae b, Kinderlähmung (Polio), Hepatitis B, außerdem Pneumokokken und Rotaviren. Die Impfung gegen Rotaviren ist eine Schluckimpfung, und auch gegen Pneumokokken wird separat geimpft, gegen alle anderen Krankheiten kann mit einer einzigen Spritze geschützt werden („Sechsfach-Impfstoff“). Fünffach-Impfstoff – der Vorläufer des Sechsfach-Impfstoffs – enthält dieselben Komponenten, nur ohne Hepatitis B.

Alle diese Impfungen werden gegeben, um vor schweren Krankheiten zu schützen, wie etwa Gehirn- oder Hirnhautentzündung, Kehlkopf-, Leber- oder Lungenentzündung, bleibende Lähmung oder Ersticken. Die meisten dieser Krankheiten sind für Säuglinge im ersten Lebensjahr besonders gefährlich.

Auch Neugeborene haben viele Ansteckungsquellen

Ein Säugling hat in den ersten zehn Lebenswochen jeden Tag im Mittel Kontakt zu etwa sechs Personen. Darunter befinden sich durchschnittlich zwei Personen, die nicht dem Haushalt angehören und die länger als 15 Minuten engen Kontakt zum Säugling haben. Das sind zum Beispiel die Oma, die Tante oder der Onkel, die zu Besuch kommen, Freunde des Vaters, die das Baby begrüßen möchten oder auch die nette Nachbarin. Jeder Kontakt bedeutet eine mögliche Ansteckung. Der Schutz durch Impfungen wirkt nur, wenn er aufgebaut wird bevor es zur Ansteckung kommt. Deshalb ist es so wichtig, dass die Impfserie früh begonnen und zeitgerecht abgeschlossen wird.

Tatkräftiges Immunsystem

Irrtümlicherweise wird manchmal vermutet, dass Kombinationsimpfstoffe das Immunsystem überfordern könnten. Jedoch ist der Organismus im Alltag viel mehr Erregern gleichzeitig ausgesetzt. Schon innerhalb der ersten Stunden und Tage ihres Lebens müssen sich Babys mit Milliarden Bakterien verschiedenster Arten auseinandersetzen. Trotzdem bewältigt das Immunsystem des Neugeborenen diesen gleichzeitigen Ansturm spielend.

Weniger Inhaltsstoffe – mehr Schutz

Moderne Kombinationsimpfstoffe enthalten viel weniger Bestandteile des Erregers oder Antigene als ältere Impfstoffe oder die Erreger selbst. Sie sparen außerdem Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel und Stabilisatoren ein, da diese in Einzelimpfstoffen in gleicher Menge wie in einer Kombinationsimpfung vorhanden sind. Durch die Zusammenfassung mehrerer Impfungen lässt sich außerdem die Zahl der Spritzen deutlich verringern. Wenn nur die Hepatitis-B-Impfung separat verabreicht wird, bedeutet das bereits drei Spritzen mehr.

Fazit: Sechsfach-Impfstoffe geben Babys auf schonende Art den besten Rundumschutz, der derzeit möglich ist.

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Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Fragen?Antworten! „Kombinationsimpfstoffe: Müssen wirklich so viele Impfungen auf einmal sein?" (www.impfen-info.de)

A. van Hoek et al.: The Social Life of Infants in the Context of Infectious Disease Transmission; Social Contacts and Mixing Patterns of the Very Young (PLoS One. 2013; 8(10): e76180)

Veröffentlichung: 13.03.2017 / HTR
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