Warum hat Deutschland die Masern?

Aktuell sorgt ein Masernausbruch in Berlin für Schlagzeilen. Allein in diesem Jahr sind bis zum 4. Februar 291 Fälle in der Bundeshauptstadt aufgetreten. Seit Beginn des Ausbruchs in der zweiten Oktoberwoche 2014 sind 412 Masernfälle gemeldet worden.
Der Ausbruch begann zwar unter Asylbewerbern, mittlerweile ist jedoch überwiegend die deutsche Bevölkerung betroffen. Rund 90% der Erkrankten sind ungeimpft.

Masern sind weder harmlos noch eine Kinderkrankheit
Was der Ausbruch erneut deutlich macht: Masern sind nicht harmlos. Fast ein Drittel der Erkrankten musste im Krankenhaus behandelt werden. Zum Glück kam es noch nicht zu einem Todesfall, der etwa bei einem von tausend bis zweitausend Masernkranken zu erwarten ist.

Der Ausbruch begann im Oktober unter Asylbewerbern aus Bosnien, Herzegowina und Serbien, dort gibt es seit dem Bürgerkrieg in den 1990er Jahren große Impflücken vor allem bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland sind hingegen hauptsächlich Erwachsene betroffen, die nach 1970 geboren wurden.

Jeder Ungeschützte ist gefährdet vor allem junge Erwachsene
Die Masern sind hoch ansteckend. Zudem können infizierte Personen bereits fünf Tage vor Ausbruch der sichtbaren Krankheit das Virus weitergeben. Nur wenn 95% einer Bevölkerung zwei Mal geimpft sind, kann das Virus ausgesperrt werden und nur dann sind junge Säuglinge und andere Personen, die selbst nicht geimpft werden können, indirekt geschützt ("Herdenimmunität").

Die größten Impflücken bestehen in den alten Bundesländern. Dort ist es erst in jüngster Zeit gelungen, mindestens 95% aller Kinder zwei Mal mit Masern-(MMR-)Impfstoff zu impfen. Das heißt, weil die optimale Impfstrategie um viele Jahre verzögert umgesetzt wurde, sind seit 1970 viele Generationen unzureichend Geschützter herangewachsen. So kommt es immer wieder aus verschiedenen Anlässen zu Ausbrüchen, beispielsweise 2008 in Südbayern, 2009 in Hamburg, 2010 in Essen, 2011 in München, 2013 in Erftstadt, u.v.m. Deshalb gelingt es in Deutschland nicht, die Masern zu besiegen, wie es die Weltgesundheitsorganisation schon viele Jahre weltweit plant. Übrigens gelten die Masern seit 2002 in den Ländern Nord- und Südamerikas als eliminiert.

Wie Sie Ihre Familie und sich schützen können
Lassen Sie bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt anhand Ihres Impfpasses den Impfschutz überprüfen
  • wenn Sie nach 1970 geboren wurden,
  • bei Ihren Kindern unsicher sind, ob sie bereits zwei Masernimpfungen erhalten haben.
Wer selber schauen möchte, kann auch vorab den Impfcheck machen: www.impfen-info.de/impfcheck/
Und ganz wichtig: Sprechen Sie den Masernschutz bei Familie und Freunden an. Nur so kann es gelingen, auch in Ihrem Umfeld Herdenimmunität für junge Säuglinge und andere besonders durch Masern Gefährdete aufzubauen.

Wenn Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder direkt an das Gesundes-Kind-Ärzteteam: www.gesundes-kind.de/faq/expertenrat.jsp.
Empfehlen Sie uns weiter!

Lassen Sie sich von unserem Vergissmeinnicht-Service an alle wichtigen U-Untersuchungen und Impftermine erinnern auch als iPhone App (www.gesundes-kind.de/recall/anmeldung/default.jsp).

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

Quellen:
Epidemiologischer Wochenbericht der Kassenärztlichen Vereinigung und des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Berichtswoche 05/2015
(https://www.kvberlin.de/20praxis/80service/87lageso_infos/ewb2015_05.pdf)
Bericht in der Ärztezeitung vom 5. Februar 2015 (www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/878635/ziel-verfehlt-grosser-masern-ausbruch-statt-ausrottung.html)
Ratgeber für Ärzte des RKI
(http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html#doc2374536bodyText7)

Veröffentlichung: 12.02.2015 / HTR
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