FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Krankheitsbild

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz FSME genannt) ist eine Krankheit, die mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen beginnt.

Im weiteren Verlauf kann es zu einer Hirnhautentzündung kommen, die auch auf das Gehirn übergreifen kann. Spätschäden und sehr selten sogar Todesfälle sind möglich.

Erkennung und Behandlung

Aufgrund der Vorgeschichte und den Krankheitszeichen wird der Arzt/die Ärztin eine FSME vermuten. Laboruntersuchungen können den Verdacht bestätigen.

Übertragung und Vorkommen

Die Viren werden durch den Stich einer infizierten Zecke übertragen. FSME-Virus übertragende Zecken kommen in vielen europäischen Ländern, in Russland und in Asien vor.

Vorbeugung

Neben einem möglichst guten Schutz vor Zeckenstichen bietet nur die Impfung einen Schutz vor der Krankheit.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze).

 

Unser Rat für Sie:

Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder Gesundheitsamt berät Sie, ob Sie selbst in einem Risikogebiet leben oder in ein solches reisen oder zu einer Risikogruppe gehören, die geimpft sein sollte. Vor Reisen nach Osteuropa oder Skandinavien erkundigen Sie sich, ob eine FSME-Impfung ratsam ist.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Nach der Ansteckung vergehen ein bis zwei Wochen bis zu den ersten Krankheitserscheinungen.

Im Vorläuferstadium ähneln die Symptome denen einer "Grippe". Es kommt zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, die ein bis acht Tage anhalten.

Nach einer fieberfreien Zeit kann bis zu drei Wochen später plötzlich hohes Fieber einsetzen. Es kommt zu einer Entzündung der Hirnhaut, die auch auf das Gehirn übertreten kann. Bewusstseinstrübungen und Lähmungen sind die Folge.

Der Verlauf der Krankheit ist sehr unterschiedlich. Mehr als 70 Prozent der Infektionen verlaufen ohne erkennbare Symptome. In bis zu 30 Prozent der Fälle kommt es zu den grippeartigen Erscheinungen des Vorläuferstadiums. Jeder zehnte Infizierte entwickelt danach das Vollbild der Krankheit mit den Symptomen der Hirnhautentzündung, gelegentlich auch der Hirn- oder der Nervenentzündung. Krampfanfälle, Lähmungen und Störungen der Hirnfunktion sind die Folge. Vor allem bei Erwachsenen kann es zu schweren Verläufen mit teilweise bleibenden Schäden kommen. Etwa 0,5-2 Prozent der Erkrankungen verlaufen tödlich. Bei Kindern sind solche schweren Verlaufsformen aus unbekannten Gründen die seltene Ausnahme.

 

Erkennung und Behandlung

Zur Diagnose der FSME fragt der Arzt/die Ärztin, ob ein Zeckenstich bemerkt wurde. Bei Aufenthalt in einem Gebiet, in dem Zecken mit FSME-Virus infiziert sind, ist eine Ansteckung möglich. Der Arzt/die Ärztin kann die Infektion nachweisen lassen, in dem er Proben des Blutes und/oder der Hirnflüssigkeit (Liquor) an ein Labor gibt, das darin nach den entsprechenden Antikörpern sucht.

Eine ursächliche Behandlung der FSME ist nicht möglich.

 

Übertragung und Vorkommen

Der Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis ist das FSME-Virus. Dieses wird in Mitteleuropa durch eine Zeckengattung übertragen, die unter dem Namen "Gemeiner Holzbock" bekannt ist. In seltenen Fällen können sich Menschen auch über Milch von infizierten Weidetieren (z.B. Ziegen, Schafe, sehr selten auch Kühen) anstecken. Da das Virus sofort mit dem Zeckenstich übertragen wird, schützt es nicht, die Zecke schnell zu entfernen. Hauptübertragungszeiten sind das Frühjahr und der Sommer, aber auch noch der Herbst, in Ausnahmefällen auch warme Winter.

Zecken − und damit auch das FSME-Virus − kommen nur in Höhenlagen vor, deren mittlere Jahrestemperatur über 8 °C liegt, d. h. durch den Klimawandel inzwischen vereinzelt auch im Bergland oberhalb von circa 1.500 müNN. In den meisten FSME-Endemiegebieten beherbergen nur etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das Virus. In einzelnen Gebieten ist das Infektionsrisiko jedoch höher.

Die FSME ist vor allem im Süden und Osten Europas verbreitet, breitet sich aber langsam Richtung Nordwesten aus. In Österreich sind Infektionen beim Menschen aufgrund hoher Durchimpfungsraten deutlich zurückgegangen.

Zu den FSME-Risikogebieten in Deutschland veröffentlicht das Robert Koch-Institut jährlich eine aktualisierte Karte.

 

Vorbeugung

Den sichersten Schutz vor FSME gibt eine Impfung.

Zecken können auch andere schwere Erkrankungen übertragen (z.B. Borreliose). Daher ist ein Schutz vor Zeckenstichen immer sinnvoll.

Impfung
Impfstoff

Gegen FSME gibt es Impfstoffe mit abgetöteten FSME-Viren sowohl für Kinder ab dem ersten Geburtstag als auch für Jugendliche und Erwachsene (je nach Impfstoff ab dem 12. oder 16. Geburtstag). Zur Impfstoffherstellung werden FSME-Viren in Zellkulturen (Hühnerfibroblasten) vermehrt. Die Impfstoffe für Kinder enthalten eine geringere Menge der abgetöteten FSME-Viren.

 

Anwendung des Impfstoffs

In der Regel wird der FSME-Impfstoff in den Muskel gespritzt. Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Zur Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich:
Je nach Impfstoff folgt die zweite Impfdosis im Abstand von mindestens zwei bzw. vier Wochen und höchstens drei Monaten. Die dritte Impfdosis wird dann je nach Impfstoff frühestens nach weiteren fünf bzw. neun Monaten oder spätestens nach zwölf Monaten verabreicht.

Falls notwendig, kann ein Schutz schneller aufgebaut werden: je nach Impfstoff mit zwei Impfungen an den Tagen 0 und 14 oder drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 gefolgt von einer weiteren Dosis frühestens nach fünf bzw. zwölf Monaten.

Auffrischimpfungen werden alle drei bis fünf Jahre fällig. Je nach Impfstoff wird ab einem Alter von 50 Jahren oder ab 60 Jahren grundsätzlich alle drei Jahre aufgefrischt.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Der frühestmögliche Schutz setzt zwei Wochen nach der zweiten FSME-Impfung ein.

Nach vollständiger Grundimmunisierung (drei Impfungen) bilden etwa 99 Prozent der Geimpften schützende Antikörper. Der Schutz hält mindestens drei bis fünf Jahre an.

Der Impfstoff schützt auch vor Virusstämmen, die in Russland und im Fernen Osten vorkommen.

Ältere Personen ab 50 bzw. 60 Jahren und alle Patienten mit gestörtem Immunsystem sollten ein bis zwei Monate nach der letzten Impfdosis der Serie den Impferfolg prüfen lassen.

 

Wer geimpft sein sollte

Die FSME-Impfung ist eine Impfung für bestimmte Risikogruppen (Indikationsimpfung) und eine Reiseimpfung.

Sie sollte bei Personen durchgeführt werden, die sich in FSME-Gebieten aufhalten oder dort leben und mit Zecken in Berührung kommen können. Dies gilt vor allem für die Wald- und Forstarbeiter, Jäger, Angler, Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Camper.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei einer ärztlich bestätigten schweren Hühnereiweiß-Allergie sind Nutzen (Vermeidung einer schweren Krankheit) und Risiko (allergie/Schock) gegeneinander abzuwägen. Auch bei bekannter Überempfindlichkeit gegen andere Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Die Impfstelle kann rot werden, anschwellen und schmerzen; gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an. In den ersten vier Tagen nach einer Impfdosis kommt es außerdem häufig zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden. Fieber über 38°C wird bei 15 Prozent der Kinder im Alter von ein bis zwei Jahren beobachtet, zu fünf Prozent bei den Drei- bis Elfjährigen. Missempfindungen wie Taubheitsgefühl und Kribbeln können vorkommen. Gelenk- und Muskelschmerzen werden ebenfalls häufig beobachtet. Treten sie im Nackenbereich auf, können sie mit einer Reizung der Hirnhäute verwechselt werden. Diese Symptome treten vor allem nach der ersten Impfung auf, nach weiteren Impfungen werden sie seltener.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

In Einzelfällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Ebenfalls in Einzelfällen sind Erkrankungen des Nervensystems beschrieben worden. Dies äußerte sich z.B. durch Lähmungen, Missempfindungen, Erschöpfungszustände, Übererregbarkeit, Hirnentzündung oder fortschreitende Ausfälle.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

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