Gebärmutterhalskrebs
(Humane Papillomviren, HPV)

Krankheitsbild

Gebärmutterhalskrebs kann sich über mehrere Jahre hinweg aus einer andauernden Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) entwickeln.

Zunächst kann diese Infektion zu Veränderungen in der Gebärmutterschleimhaut führen. Später kann dann Krebs entstehen.

Erkennung und Behandlung

Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können Schleimhaut-Veränderungen und Krebs-Vorstadien oder Krebs erkannt werden.
Verschiedenste Behandlungsmethoden (Bestrahlung, Chemotherapie, Operation) werden eingesetzt. Deren Erfolg hängt aber sehr davon ab, wie weit der Krebs fortgeschritten ist, wenn er erkannt wird.

Übertragung und Vorkommen

Humane Papillomviren werden hauptsächlich durch Sexualverkehr übertragen. Sie sind weltweit verbreitet.

Vorbeugung

Kondome verringern das Ansteckungsrisiko, aber sie schützen nicht sicher vor einer Infektion. Die Impfung bietet Schutz gegen die Virustypen, die am häufigsten Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen verursachen.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze).

 

Unser Rat für Sie:

Am meisten Vorteile bietet die Impfung für Mädchen vor dem ersten Sexualkontakt. Je nach den Umständen kommt die Impfung auch für ältere Frauen noch in Frage, sprechen Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin darüber.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Mehr als 120 Typen Humaner Papillomviren (HPV) sind bekannt. Besonders gefährlich sind aber nur einige - allen voran HPV 16 und 18, die für etwa 70 Prozent aller Gebärmutterhals-Karzinome (Zervixkarzinome) verantwortlich sind. Darüber hinaus gibt es noch andere krebserregende HPV-Typen, welche zusammen mit HPV 16 und18 bis zu 90 Prozent aller Zervixkarzinome hervorrufen. Wieder andere HPV-Typen verursachen verschiedene Formen von Warzen.

Eine Infektion mit HPV-Typen, die Krebs verursachen können, verläuft zunächst unbemerkt. Sie wird in den meisten Fällen (70 bis 90 Prozent) vom Körper ohne Folgen abgewehrt. Kritisch wird es, wenn diese Viren mehrere Monate bis Jahre in der Gebärmutterschleimhaut überleben. Bei etwa jeder zehnten infizierten Frau finden sich später krankhafte Zellveränderungen.

Je nachdem wie stark diese Veränderungen sind, sprechen Fachleute von den Stadien "CIN" 1, 2 oder 3, das entspricht leichten, mittelgradigen oder schweren Veränderungen. Bei etwa 10 Prozent der Frauen mit solchen Veränderungen entsteht schließlich Gebärmutterhalskrebs. Ausgehend vom Gebärmutterhals (Zervix) kann sich das Karzinom mehr oder weniger schnell auf angrenzende Organe ausbreiten. Unter anderem können die Harnleiter gestaut werden, das Karzinom kann in die Harnblase oder den Enddarm durchbrechen. Häufige Todesursachen sind eine Nierenbeckenentzündung und/oder eine Harnvergiftung.

Eine HPV-Infektion kann auch krankhafte Zellveränderungen in der Vagina (= Scheide), an der Vulva (= äußeres weibliches Genital) oder Karzinome am Anus verursachen.

Infektionen mit besonders aggressiven HPV-Typen wie 16 und 18 haben ein viel höheres Risiko, dass sie zu Zellveränderungen und Karzinomen fortschreiten als gutartige Infektionen mit weniger aggressiven HPV-Typen. Zum Beispiel rufen HPV 6 und 11 Genitalwarzen hervor, die in aller Regel harmlos sind.

Selten infiziert sich ein Neugeborenes unter der Geburt bei der Mutter. Im Kehlkopfbereich können dann Warzen wachsen, die sich weiter ausbreiten und unter Umständen die Atmung behindern.

Erkennung und Behandlung

Erst sehr spät im Krankheitsverlauf nimmt eine Frau selbst Krankheitszeichen wahr. Zervixkarzinome können Blutungen verursachen (insbesondere nach Geschlechtsverkehr) oder einen gelblich-bräunlichen Ausfluss.

Alle Frauen ab 20 Jahren haben deshalb einmal jährlich Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung.

Mit einem speziellen Wattestäbchen oder einer kleinen Bürste wird etwas Schleim von der Oberfläche des Gebärmutterhalses entnommen und später unter dem Mikroskop untersucht. Das ist der so genannte "Pap-Abstrich", nach George N. Papanicolaou. Außerdem sieht sich der Arzt oder die Ärztin den Muttermund und den Übergang zum Gebärmutterhals mit einer speziellen Lupe an. So können Veränderungen der Schleimhaut festgestellt werden.

Eine einzelne Vorsorgeuntersuchung dieser Art für sich ist relativ unsicher im Ergebnis. Erst wenn sie jedes Jahr wiederholt wird, bietet sie eine gute Form der Überwachung. Aber nur wenige Frauen nutzen diese kostenlose Vorsorge konsequent.

Fällt im Pap-Abstrich etwas auf, wird in der Regel eine Gewebeprobe entnommen, um genauer zu bestimmen, warum Zellen der Schleimhaut verändert sind. Dafür wird entweder von der Hautoberfläche etwas abgeraspelt oder aus dem Muttermund ein Stück herausgestanzt und dann im Labor untersucht. Manchmal wird parallel dazu auf besonders gefährliche HPV-Typen direkt getestet.

Je früher Zellveränderungen oder ein Zervixkarzinom gefunden werden, umso besser die Heilungschancen. Je älter die Frau und je weiter ausgebreitet der Krebs, umso geringer sind die Chancen.

Eine Konisation kann als Behandlung schon ausreichen, wenn das gesamte Tumorgewebe damit erfasst wurde. Dabei wird ein kegelförmiges Stück des Gebärmutterhalses, das die veränderten Zellen enthält, entfernt. Ansonsten werden verschiedene Behandlungsformen angewendet. Welche wann die beste ist, ist unter Fachleuten noch nicht abschließend geklärt. Es wird operiert, bestrahlt, eine Chemotherapie durchgeführt oder verschiedenes miteinander kombiniert.

Konisationen können mit Komplikationen wie Blutungen einhergehen und erhöhen bei einer späteren Schwangerschaft die Frühgeburtenrate.

Übertragung und Vorkommen

Humane Papillomviren sind weltweit verbreitet.

In Deutschland erkranken jedes Jahr schätzungsweise rund 4.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs und etwa 1.600 sterben jährlich daran. Die Ansteckung erfolgt meist im sexuell aktiven Alter. Sieben von zehn Frauen in diesem Alter sind mit mindestens einem HPV-Typ infiziert.

In fast allen Gebärmutterhals-Tumoren lassen sich Humane Papillomviren nachweisen. Allein die beiden HPV-Typen 16 und 18 haben daran einen Anteil von etwa 70 Prozent. Eine Infektion mit einem HPV-Typ schützt nicht vor Infektionen mit anderen HPV-Typen. Es ist auch nicht ganz ausgeschlossen, dass später erneut eine Infektion mit demselben HPV-Typ stattfindet.

 

Vorbeugung

Ein Kondom verringert das Ansteckungsrisiko, aber es schützt nicht sicher vor einer Infektion, weil auch andere Hautpartien Humane Papillomviren übertragen können. Zum längerfristigen Schutz stehen Impfungen zur Verfügung.

Es ist ganz wichtig, dass auch geimpfte Frauen die Vorsorgeuntersuchungen weiterhin wahrnehmen. Denn kein Impfstoff ist zu 100 Prozent wirksam. Der Schutz richtet sich nicht gegen alle HPV-Typen und schützt bei bereits bestehenden HPV-Infektionen nicht vor Gebärmutterhalskrebs.

Impfung
Impfstoff

Es gibt drei Impfstoffe gegen Humane Papillomviren: Ein Zweifach-Impfstoff schützt gegen die HPV-Typen 16 und 18. Ein Vierfach-Impfstoff richtet sich gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18. Die Typen 6 und 11 verursachen Genitalwarzen. Ein Neunfach-Impfstoff schützt außer gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 auch gegen die HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58, die für weitere 15 bis 20 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich gemacht werden.

Die Impfstoffe enthalten Virus-ähnliche Partikel, die aus einem wichtigen Baustein der Virushülle bestehen: dem Protein "L1". Virus-ähnliche Partikel binden an Zellen des menschlichen Körpers und führen auch zur Bildung von Abwehrstoffen (Antikörpern). Innen sind sie jedoch leer, sie enthalten keine Erbinformation. Deshalb können diese Impfstoffe keine Infektion hervorrufen, sie sind nicht aktiv.

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird in den Muskel gespritzt.

Eine HPV-Impfung wird allen Mädchen im Alter zwischen neun und 17 Jahren empfohlen. Es sind drei Impfstoffe ab einem Alter von neun Jahren zugelassen:

Mit dem Zweifach-Impfstoff gegen die HPV-Typen 16 und 18 erfolgt die Grundimmunisierung im Alter von neun bis 14 Jahren mit zwei Impfdosen im Abstand von fünf bis 13 Monaten. Ab 15 Jahren sind drei Impfdosen (Monat 0, 1, 6) vorgesehen.

Die Grundimmunisierung mit dem Vierfach-Impfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 umfasst im Alter von neun bis 13 Jahren zwei Impfdosen im Abstand von sechs Monaten, ab 14 Jahren drei Impfdosen (Monat 0, 2, 6).

Die Grundimmunisierung mit dem Neunfach-Impfstoff gegen die HPV-Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58 wird im Alter von neun bis 14 Jahren mit zwei Impfdosen im Abstand von fünf bis 13 Monaten durchgeführt. In höherem Alter wird nach einem Drei-Dosen-Schema (Monat 0, 2, 6) geimpft.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt, die Impfserie gegen HPV mit dem gleichen Impfstoff zu vervollständigen, mit dem sie begonnen wurde.

HPV-Impfstoffe können gleichzeitig mit verschiedenen Einzel- oder Kombinations-Impfstoffen verabreicht werden. Untersucht wurde dies bislang für Hepatitis-B-, Hepatitis-A-, Diphtherie-, Tetanus-, Kinderlähmung- (inaktiviert), Keuchhusten-Impfstoff (azellulär) - einzeln oder in Kombination gegeben - sowie für Meningokokken-Konjugatimpfstoffe.


Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Impfung schützt zu mehr als 95 Prozent vor fortgeschrittenen Zellveränderungen der Zervixschleimhaut (Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses) durch die HPV-Typen, gegen die der jeweilige Impfstoff gerichtet ist. Es gibt Hinweise darauf, dass die Impfstoffe, die vor den HPV-Typen 16 und 18 schützen, auch Zellveränderungen durch weitere HPV-Typen verhindern.

Zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs selbst gibt es aus den Studien keine Daten, weil die Teilnehmer der Studien sehr häufig untersucht werden. Aus diesem Grund werden bereits Krebsvorstufen erkannt und wenn notwendig auch behandelt, so dass der Gebärmutterhalskrebs selbst so gut wie nie entstehen kann.

Die Impfstoffe schützen außerdem vor HPV-bedingten Krebsvorstufen im äußeren Genitalbereich (Vagina, Vulva). Der Vierfach- und der Neunfach-Impfstoff, für die auch Studiendaten bei Jungen und Männern vorliegen, sind zusätzlich zur Prävention von HPV-bedingten Karzinomen im Analbereich und deren Vorstufen zugelassen und beugen äußeren Genitalwarzen ausgelöst durch die HPV-Typen 6 und 11 vor.

Werden Mädchen oder Frauen geimpft, die noch keinen Sexualpartner hatten, ist die Schutzwirkung vor Gebärmutterhalskrebs am größten.

Die Dauer der Schutzwirkung ist noch nicht vollständig bekannt. Bisher ist eine Immunität bereits für einen Zeitraum von rund zehn Jahren nachgewiesen worden. Ob eines Tages Auffrischimpfungen empfohlen werden, ist noch nicht abzusehen.


Wer geimpft sein sollte

Die HPV-Impfung ist eine allgemein, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Mädchen und jungen Frauen in einem Alter von 9 bis 14 Jahren. Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Mädchen und junge Frauen bis zum Alter von 17 Jahren sollten die Impfung baldmöglichst nachholen lassen.

Für Frauen ab einem Alter von 18 Jahren kann die Impfung ebenfalls noch Vorteile bringen. Dies kann am besten durch ein Gespräch mit einem Arzt/einer Ärztin geklärt werden.


Wer nicht geimpft werden sollte

Bei einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden. Grundsätzlich sollten während einer Schwangerschaft unnötige Impfungen vermieden werden. Versehentlich in der Schwangerschaft geimpfte Frauen hatten hier keine Nachteile durch die Impfung. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".


Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufig kommt es zu Reaktionen an der Impfstelle wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen, auch Blutung und Juckreiz sind dort möglich. Allgemeinsymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Schwindel ebenso wie Magen-Darm-Beschwerden können auftreten. Hautausschlag und Nesselsucht sind ebenfalls möglich.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

In Einzelfällen wurde eine allergische Reaktion (z.B. Anaphylaxie) beobachtet.

Anmerkung:
Besonders Jugendliche können nach oder sogar vor einer Impfung in Ohnmacht fallen. Dieses "Umkippen" hat nichts mit dem Impfstoff zu tun, sondern z.B. mit großer Angst vor der Injektion oder langem Warten im Stehen.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

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