Pocken (Variola)

Krankheitsbild

Eine Pocken-Erkrankung (Variola) beginnt mit unspezifischen Symptomen, die denen einer Grippe ähneln: Plötzlich einsetzendes Fieber sowie Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sind die ersten Symptome. Diesen folgt dann der typische Hautausschlag.
Erkennung und Behandlung Aufgrund des typischen Hautausschlags stellt die Diagnose der Pocken kaum ein Problem dar. Die Behandlung kann nur Symptome lindern.
Übertragung und Vorkommen

Die Übertragung des Virus erfolgt durch Tröpfcheninfektion direkt von Mensch zu Mensch oder durch direkten Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten. Auch die Übertragung durch infizierte Wäsche von Erkrankten oder durch gemeinsam benutzte Gegenstände ist beobachtet worden. 1980 erklärte die WHO die Pocken für ausgerottet.

Der letzte natürliche Pockenfall ereignete sich 1977 in Somalia, in Deutschland trat der letzte Fall 1972 auf.
Es existieren noch Pocken-Viren in zwei Hochsicherheitslaboratorien in den USA und in Russland. Ob eine Bedrohung durch Pocken als "biologische Waffe" besteht, können wir nicht beurteilen.

Vorbeugung

Vorbeugungsmaßnahmen sind Isolierung/Quarantäne für Erkrankte und die Impfung. Zurzeit besteht dafür jedoch keine Notwendigkeit.

Impfstoff

Der Impfstoff wird mit einer speziellen Nadel in die Haut des Oberarms gegeben.

Derzeit steht in Deutschland kein Pocken-Impfstoff zur allgemeinen Anwendung zur Verfügung. Es ist jedoch in vielen Ländern durch deren Regierungen, so auch in Deutschland, Impfstoff gekauft und gelagert worden, um z.B. im Falle eines bioterroristischen Angriffs gerüstet zu sein.

 

Unser Rat für Sie:

Derzeit ist es weder möglich noch sinnvoll, sich in Deutschland gegen Pocken impfen zu lassen. Wenn Sie noch mehr zu diesem Thema wissen möchten, wenden Sie sich an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Außerdem bieten die Internetseiten des Robert Koch-Instituts (RKI) weitere Informationen zum Thema Pocken.

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Pocken werden durch das Variola-Virus ausgelöst. Etwa zwölf bis 14 Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit) treten zuerst unspezifische Allgemeinsymptome auf: insbesondere plötzliches hohes Fieber sowie Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen. Nach zwei bis vier Tagen zeigt sich dann der typische Hautausschlag. Er beginnt zunächst mit kleinen roten Punkten auf der Zunge und im Rachen und breitet sich dann ausgehend vom Gesicht bis zu den Extremitäten aus, sogar bis zu den Innenflächen der Hände und den Fußsohlen. Es entstehen erhabene, flüssigkeitsgefüllte Flecken (Papeln) mit rötlichem Rand, aus denen sich schließlich eitergefüllte Bläschen (Pusteln) entwickeln. Diese trocknen in den folgenden Tagen ab, verkrusten und hinterlassen meist Narben. Etwa drei Wochen nach dem ersten Ausschlag sind alle Krusten abgefallen.

An den Echten Pocken (Variola major) verstarben früher rund 30 bis 50 Prozent der Erkrankten. Bei der leichteren Form, den Weißen Pocken (Variola minor), lag die Sterblichkeit bei 1 Prozent.

 

Erkennung und Behandlung

Der Hautausschlag ist typisch und legt bei den entsprechenden Umständen den Verdacht auf Pocken nahe.

Verwechslungsgefahr bei der Diagnose besteht vor allem mit schweren Windpocken, bei denen jedoch stets unterschiedliche Stadien des Hautausschlags (Papeln, Bläschen und Krusten) gleichzeitig zu beobachten sind. Außerdem bleiben die Handinnenflächen und Fußsohlen bei den Windpocken meist frei von Papeln.

Eine Untersuchung der Viren unter dem Elektronenmikroskop gibt schnell erste Hinweise. Zum sicheren Nachweis werden die Viren im Labor gezüchtet oder per genetischem Fingerabdruck (PCR) identifiziert. Die geschieht aber nur in speziellen Sicherheitslabors.

Im Krankheitsfall erfolgt die Behandlung in erster Linie symptomatisch, das heißt, der Hautausschlag und das Fieber werden mit entsprechenden Medikamenten behandelt. Eine etablierte Therapie gegen das Virus selbst steht nicht zur Verfügung. Gegebenenfalls könnte auch eine Therapie mit modernen Virustatika (Medikament zur Hemmung der Virenvermehrung) erfolgen. Deren Wirkung bei Pocken ist allerdings nicht bekannt, da seit über 20 Jahren nicht mehr mit den Pocken-Viren des Menschen experimentiert werden darf.

 

Übertragung und Vorkommen

Das Pocken-Virus wird hauptsächlich über Tröpfcheninfektion übertragen, aber ebenso durch infektiöse Körperflüssigkeiten oder durch kontaminierte Kleidung. In seltenen Fällen kann das Virus auch durch die Luft übertragen werden.

Die Ansteckungsfähigkeit beginnt manchmal mit Einsetzen des Fiebers, ist aber am höchsten, wenn der Hautausschlag auftritt und endet erst, wenn auch die letzten Krusten abgefallen sind. Außerhalb des Menschen kann das Virus maximal 24 Stunden überleben, in abgefallenen Krusten und Wäsche eines Erkrankten jedoch über Wochen bis Jahre. Auch Geimpfte können das Virus von Kranken auf andere Menschen übertragen.

Der Mensch stellt das einzig mögliche Reservoir für das Pocken-Virus dar. Die Pocken-Bekämpfung gehört mittlerweile zu den großen medizinischen Erfolgsgeschichten der Menschheit: Seit 1980 gelten die Pocken als ausgerottet - ein Verdienst der weltweiten Impfkampagne. Soweit bekannt, ist das Pocken-Virus nur noch in zwei Hochsicherheitslaboratorien in den USA und in Russland vorhanden.

 

Vorbeugung

Vorbeugungsmaßnahmen sind Isolierung/Quarantäne von Erkrankten und die Impfung. Zurzeit besteht dafür jedoch keine Notwendigkeit.

Impfung
Impfstoff

Derzeit steht in Deutschland kein Pocken-Impfstoff zur allgemeinen Anwendung zur Verfügung. Für den Fall eines bioterroristischen Angriffs hat die Bundesregierung jedoch eine ausreichende Menge Pocken-Impfstoff eingelagert. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff, der jedoch nicht das Variola-Virus enthält. Geimpft wird mit einem nah verwandten Virus, dem so genannten Vaccinia-Virus. Es gehört ebenfalls zur Gruppe der Orthopox-Viren, kann aber nicht die typischen Pocken hervorrufen. Die Verwandtschaft beider Erreger ist so groß, dass eine Impfung mit Vaccinia-Viren auch gegen Variola-Viren und damit gegen die Pocken schützt.

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird mit einer speziellen Nadel in die Haut des Oberarms gegeben. Dazu wird die Nadel mit einem Tropfen Impfstoff benetzt und dann etwa 15 Mal innerhalb von Sekunden oberflächlich in die Haut gestochen. Nach erfolgreicher Impfung erscheint nach einigen Tagen eine rote, juckende Papel an der Impfstelle. Diese entwickelt sich zu einer flüssigkeitsgefüllten Blase, welche nach etwa ein bis zwei Wochen abtrocknet und verkrustet. Schließlich bleibt eine kleine Narbe zurück. Bei vielen Menschen, die früher gegen Pocken geimpft wurden, ist diese noch heute sichtbar.

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Wirksamkeit lässt sich aus den Erfahrungen der früheren Jahre ableiten. Demnach schützt die Impfung etwa drei bis fünf Jahre. Danach geht die Schutzwirkung zurück. Nach einer erneuten Impfung hat man dann einen länger anhaltenden Schutz. Allerdings waren die früheren Testverfahren nicht annähernd so präzise wie heute, so dass noch Wissenslücken bestehen.

Die Impfung kann auch nach Erregerkontakt gegeben werden und sollte möglichst innerhalb von drei Tagen erfolgen. Die Erkrankung kann nicht verhindert werden, aber eine Abschwächung des Krankheitsverlaufs ist möglich, ebenso ist die Virusausscheidung bei Geimpften vermindert.

Wer geimpft sein sollte

Zurzeit wird die Impfung nicht empfohlen. Der Impfstoff ist auch nicht käuflich zu erwerben. Die Nebenwirkungen des in früheren Zeiten verwendeten Pocken-Impfstoffs sind gravierend und die Wirksamkeit der heute zur Verfügung stehenden Impfstoffe ist nicht mit Zahlen anzugeben. Es bedarf hier weiterer Untersuchungen und gegebenenfalls einer alternativen Impfstoffentwicklung. Auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden ist die Impfung im Ernstfall jedoch unbedingt angeraten, da die Pocken sehr viel schlimmer verlaufen als eventuelle Impfnebenwirkungen.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Zurzeit wird die Impfung nicht empfohlen.

Für Personen mit bestimmten Hautkrankheiten (zum Beispiel Neurodermitis oder Ekzem) oder mit Immunschwäche bzw. für solche, die an Krebs leiden, ist die Impfung nicht angeraten, solange es nicht zu einem Kontakt mit der Erkrankung gekommen ist. Die Nebenwirkungen können hier besonders stark sein. Bei einer Allergie gegen einen Bestandteil des Impfstoffs sollte ebenfalls nicht geimpft werden. Außerdem sollten auch schwangere und stillende Frauen sowie Säuglinge unter 12 Monaten die Impfung nicht bekommen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu erwarten sind Schmerz, Schwellung und Rötung an der Impfstelle sowie Fieber und Muskelschmerzen. Teilweise und insbesondere bei erstmals geimpften Personen können auch ernsthafte Nebenwirkungen auftreten (z.B. eine Entzündung des Gehirns, starke Reaktionen der Haut). In der Vergangenheit waren es bis zu 50 Personen pro eine Million erstmals Geimpfter, die mit lebensbedrohlichen Nebenwirkungen zu kämpfen hatten. Pro einer Million Geimpfter musste mit ein bis zwei Todesfällen gerechnet werden.

Darüber hinaus kann der Impfstoff auch bei Kontaktpersonen von Geimpften zu "Impfpocken" führen, besonders wenn eine Hautkrankheit vorliegt (s. o.). Nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit treten diese Art "Kontakt-Pocken" zwei bis sechs Mal pro 100.000 Impfungen auf. Geimpfte mussten deshalb sehr genau darauf achten, dass niemand in Kontakt mit der Impfstelle kam.

08.02.2017 / MK
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