Röteln

Krankheitsbild

Die Röteln äußern sich in Form von leichtem Fieber, Hautausschlag und geschwollenen Lymphknoten. Die meisten Infektionen verlaufen aber unbemerkt. Gefürchtet werden Fehlbildungen des Ungeborenen, wenn ungeschützte Schwangere erkranken.

Erkennung und Behandlung

Da Röteln oft ohne Symptome verlaufen und auch der Hautausschlag ähnlich ist wie bei anderen fieberhaften Erkrankungen, ist die Diagnose schwierig.

Eine ursächlich gegen das Rubella-Virus - den Erreger der Röteln - gerichtete Therapie ist nicht bekannt.

Übertragung und Vorkommen

Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen, Niesen und Husten übertragen. Röteln kommen auf der ganzen Welt vor.

Vorbeugung

Nur die Impfung schützt.

Impfstoff

Lebendimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze) stehen als Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.
Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz mit zwei Impfungen bis zum zweiten Geburtstag. Am besten schauen Sie gleich mal in seinen Impfpass!

Sind Sie selbst eine Frau in gebärfähigem Alter, dann sollten in Ihrem Impfpass zwei Impfungen gegen Röteln dokumentiert sein. Falls dies nicht der Fall ist, lassen Sie Ihren Impfschutz vervollständigen!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung beginnt die Krankheit oft mit grippeähnlichen Symptomen. Bei Kindern fehlt dieses Vorstadium häufig. Später folgen kleinfleckige Hautveränderungen, die im Gesicht beginnen und sich über Rumpf und Gliedmaßen ausbreiten. Gleichzeitig treten vor allem im Nacken- und Hinterohrbereich Lymphknotenschwellungen auf.

In vielen Fällen bemerkt der Erkrankte jedoch nichts von der Röteln-Infektion (asymptomatische Infektion), im Kindesalter verläuft rund die Hälfte der Infektionen asymptomatisch.

Als Komplikationen einer Röteln-Erkrankung treten vor allem bei Frauen relativ häufig Gelenkbeschwerden auf. Des Weiteren kann es in sehr seltenen Fällen zu Blutgerinnungsstörungen oder einer Entzündung des Gehirns kommen. Im Erwachsenenalter sind schwerere Krankheitsverläufe häufiger.

Extrem gefürchtet ist eine Rötelninfektion (auch eine unbemerkte) der Mutter in der Schwangerschaft, vor allem während des ersten Drittels: Hierbei ist das Risiko extrem hoch, dass das Ungeborene schwere Schäden und Fehlbildungen zurück behält oder es zur Fehlgeburt kommt. Je früher sich die Mutter während der Schwangerschaft infiziert, desto höher ist dieses Risiko. Erkrankt die Mutter in den ersten acht Schwangerschaftswochen, treten bei 90 Prozent Fehlbildungen des Ungeborenen auf.

Folgen der im Mutterleib erworbenen Röteln können Augenschäden (z. B. Linsentrübung), Taubheit, Herzfehler, zu kleiner Kopf (Mikrozephalie) und viele andere Organschäden sein. Auch in späteren Jahren nach der Infektion im Mutterleib können noch Komplikationen, wie z. B. Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenfunktionsstörungen auftreten. Auch Gehörschäden sind häufig.

 

Erkennung und Behandlung

Da Röteln oft ohne Symptome verlaufen, wird die Infektion häufig nicht erkannt. Auch eine Diagnose aufgrund der Krankheitszeichen ist schwierig, denn ein ähnlicher Hautausschlag kann auch bei anderen fieberhaften Erkrankungen auftreten. Um eine sichere Diagnose zu stellen, wird daher meist eine Blutuntersuchung durchgeführt. Im Blut kann der Erreger der Röteln direkt mittels spezieller Kultur- oder gentechnologischer Verfahren nachgewiesen werden oder aber indirekt über die gegen das Virus gebildeten Antikörper (spezielle Abwehrstoffe im Körper des Menschen). Wird vermutet, dass ein Ungeborenes sich bei seiner Mutter angesteckt hat, ist es während der Schwangerschaft auch möglich, das Rubella-Virus beispielsweise direkt im Fruchtwasser nachzuweisen.

Eine ursächlich gegen das Rubella-Virus gerichtete Therapie ist nicht bekannt.

 

Übertragung und Vorkommen

Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen. Röteln-Infizierte sind bereits eine Woche vor Auftreten des Hautausschlags ansteckend und bleiben dies bis zu einer Woche danach. Auch mit Röteln-Viren Infizierte, die selbst keine Krankheitszeichen entwickeln, sind ansteckend.

Das Rubella-Virus kommt auf der ganzen Welt vor. Dank intensiver Impfprogramme sank die Zahl der Infektionen in den vergangenen Jahren in vielen Ländern. Weltweit werden jährlich jedoch rund 100.000 Kinder geboren, die Schäden bedingt durch eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft aufweisen. Die höchsten Raten finden sich in afrikanischen und südostasiatischen Regionen, in denen die Impfraten gegen Röteln am niedrigsten sind.

Nord- und Südamerika wurden im Jahr 2015 für frei von Röteln erklärt und auch in vielen anderen Industrieländern und in einigen Entwicklungsländern sind die Röteln so gut wie eliminiert.

In Deutschland treten noch Röteln-Fälle auf. In den vergangenen Jahren waren auch vereinzelt Säuglinge von einer Röteln-Infektion in der Schwangerschaft betroffen.

 

Vorbeugung

Die Impfung kann Schutz vor der Krankheit und ihren Folgen bieten.

Impfung
Impfstoff

Die Impfstoffe enthalten abgeschwächte, lebende Röteln-Viren. Röteln-Impfstoff wird heute in Kombination mit anderen Impfstoffen verabreicht: Zusammen mit den Impfungen gegen Mumps und Masern (MMR-Impfstoff) und im Kindesalter gegebenenfalls zusätzlich mit der Impfung gegen Windpocken (Varizellen) (MMRV-Impfstoff). Zur Herstellung werden die Impfviren in speziellen Zellkulturen vermehrt.

Ein Einzelimpfstoff steht in Deutschland nicht zur Verfügung.

 

Anwendung des Impfstoffs

Je nach verwendetem Impfstoff wird unter die Haut gespritzt bzw. in den Muskel.

Die erste Impfung wird ab einem Alter von elf bis 14 Monaten empfohlen. Für Kinder werden bevorzugt die Kombinationsimpfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) und für die zweite Impfdosis auch gegen Windpocken (MMRV) verwendet. MMR-Impfstoffe sind ab einem Alter von zehn bzw. zwölf Monaten zugelassen; der MMRV-Impfstoff ist ab einem Alter von elf Monaten bis zum 13. Geburtstag zugelassen. Bei erhöhtem Ansteckungsrisiko können MMR(V)-Impfstoffe auch ab einem Alter von neun Monaten verwendet werden.

Die zweite empfohlene Röteln-Impfung ist frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung möglich, sollte aber spätestens vor dem zweiten Geburtstag gegeben worden sein. Die Impfstoffe können gleichzeitig mit den meisten anderen Kinderimpfstoffen verabreicht werden.

Jugendliche und Erwachsene erhalten zum Schutz vor Röteln MMR-Impfstoff.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Nach der Impfung bilden nahezu 100 Prozent der Geimpften gegen Röteln schützende Antikörper. Der Impfschutz hält wahrscheinlich lebenslang.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Röteln ist eine von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung, die für alle Kinder ab einem Alter von elf Monaten empfohlen wird. Bislang ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei und 17 Jahren sollten die Impfung baldmöglichst nachholen lassen.

Grundsätzlich sollten alle Frauen im gebärfähigen Alter zweimalig gegen Röteln geimpft sein. Auch Personal in Einrichtungen der Kinderheilkunde, der Geburtshilfe sowie der Schwangerenbetreuung sollte gegen Röteln geimpft sein, ebenso Personal in Gemeinschaftseinrichtungen.

Ungeimpfte oder in der Kindheit nur einmal Geimpfte bzw. Personen mit unklarem Impfstatus können innerhalb der ersten drei Tage nach einer möglichen Ansteckung noch geimpft werden, um eine Erkrankung eventuell zu verhindern. Weitere Informationen siehe: "Impfung nach einer möglichen Ansteckung".

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei schweren angeborenen Krankheiten des Immunsystems (siehe "Impfungen bei Immunschwäche"), während einer Schwangerschaft oder einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin, darf nicht geimpft werden. Bei einer Neomycin-Kontaktallergie muss jedoch nicht unbedingt auf die Impfung verzichtet werden.

Bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß darf heutzutage geimpft werden, da der Impfstoff nur geringste Spuren von Hühnereiweiß enthält. Eine Ausnahme besteht jedoch, wenn nach Genuss von Hühnereiweiß schwerste allergische Reaktionen aufgetreten sind. Kinder mit klinisch sehr schwerer Hühnereiweißallergie (z.B. anaphylaktischer Schock nach Genuss von geringsten Mengen von Hühnereiweiß) sollten unter besonderen Schutzmaßnahmen und anschließender Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) geimpft werden.

Nach Impfung mit MMR- oder MMRV-Impfstoff soll eine Schwangerschaft für einen Monat verhütet werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Nach MMR- oder MMRV-Impfung kann die Impfstelle schmerzen, anschwellen und sich röten. Gelegentlich schwellen die Lymphknoten in der Nähe mit an. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie leichtem bis mäßigem Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Hautausschlag kann auftreten In wenigen Fällen wurde nach der MMR- bzw. MMRV-Impfung eine leichte "Impfkrankheit" beobachtet, die einer Masern- oder Mumps-Erkrankung ähnelt. Von Jugendlichen und Erwachsenen (kaum bei Kindern) sind vorübergehende Gelenkbeschwerden berichtet worden.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Im Zusammenhang mit Fieber kann es gelegentlich beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Dieser bleibt in der Regel ohne Folgen. MMRV-Impfstoff sollte bei Kindern mit Hirnschäden oder mit Veranlagung zu Krampfanfällen nur mit Vorsicht angewandt werden.

Sehr selten kommt es zu allergischen Reaktionen auf den Impfstoff, dann meist auf darin enthaltene Begleitstoffe. In sehr seltenen Einzelfällen ist eine allergische Sofortreaktion möglich.

Ebenfalls sehr selten werden bei Jugendlichen und Erwachsenen länger anhaltende Gelenkentzündungen beobachtet. Diese sind nach Röteln-Infektion jedoch weitaus häufiger.

In einzelnen Fällen wurde nach der Impfung eine verringerte Anzahl von Blutplättchen beschrieben, die in aller Regel rasch und folgenlos wieder abklingt. Patienten mit einer verringerten Anzahl von Blutplättchen oder bei denen es nach vorheriger MMR-Impfung dazu kam sollten mit besonderer Vorsicht bzw. unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung geimpft werden.

Um Verletzungen zu vermeiden, sollte besonders bei der Impfung von Jugendlichen daran gedacht werden, dass es wie auch bei anderen Impfungen aufgrund des Nadelstichs nach oder sogar vor der Impfung zu einer Ohnmacht kommen kann.

Die Nebenwirkungen des MMRV-Impfstoffs entsprechen im Wesentlichen den Nebenwirkungen nach Windpocken-Einzelimpfung und nach MMR-Impfung.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

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