Rotavirus

Krankheitsbild

Rotaviren sind die häufigste Ursache für Durchfall im Kindesalter weltweit.

Es erkranken vorwiegend Säuglinge und Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren. Der meist plötzlich einsetzende, wässrige Durchfall wird anfangs oft von leicht erhöhter Temperatur und Erbrechen begleitet. In etwa der Hälfte der Fälle kommen Schnupfen oder Husten hinzu, sehr selten ist das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen (Enzephalitis).

Üblicherweise dauert der Durchfall fünf Tage an, begleitet von Erbrechen über zwei Tage hinweg. Etwa 20.000 Kinder werden in Deutschland pro Jahr deswegen in ein Krankenhaus eingewiesen.

Erkennung und Behandlung

Der Erreger wird üblicherweise im Stuhl nachgewiesen. Wichtigste Behandlung ist eine rechtzeitige und ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr.

Übertragung und Vorkommen

Rotaviren werden hauptsächlich durch fäkal-orale Schmierinfektion übertragen. Bis zum Alter von drei Jahren haben über 90 Prozent aller Kinder weltweit mindestens ein Mal eine Rotavirus-Infektion durchgemacht.

Vorbeugung

Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Desinfektion haben wenig Einfluss auf die Verbreitung des Rotavirus. Die einzige hoch-wirksame und praktikable Möglichkeit der aktiven Vorbeugung ist die Impfung.

Impfstoff

Es gibt verschiedene Schluckimpfstoffe.

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz (ab einem Alter von sechs Wochen, Abschluss der Impfserie möglichst frühzeitig, spätestens jedoch bis zum Alter von 24 oder 32 Wochen, je nach verwendetem Impfstoff). Wenn Sie noch mehr wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der akuten Krankheit liegen ein bis drei Tage.

Die Erkrankung kann fast unbemerkt verlaufen, nur mit leichtem Durchfall, aber auch als schwere behandlungsbedürftige Erkrankung. Der meist plötzlich einsetzende, wässrige Durchfall wird anfangs oft von leicht erhöhter Temperatur und Erbrechen begleitet. In etwa der Hälfte der Fälle kommen Schnupfen oder Husten hinzu, selten ist das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen (Enzephalitis). Üblicherweise dauert der Durchfall fünf Tage an, begleitet von Erbrechen über zwei Tage hinweg.

Weil bei einer Rotavirus-Infektion Erbrechen häufig zusammen mit Durchfall auftritt, ist es oft schwer, den Erkrankten rechtzeitig ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen.

Säuglinge und Kleinkinder erkranken deshalb an Rotaviren im Durchschnitt schwerer als an anderen Durchfallerkrankungen. Ist der Flüssigkeitsverlust zu groß, droht die Austrocknung und dem Patienten muss im Krankenhaus durch Infusionen Flüssigkeit zugeführt werden. In Industrieländern mit ihrer guter Ernährungslage und guten medizinischen Versorgung sind schwere Komplikationen oder gar Todesfälle sehr selten.

Nach einer Rotavirus-Erkrankung verfügen die Patienten nur über eine Teilimmunität gegen bestimmte Serotypen des Virus. Das bedeutet, dass Kinder − und Erwachsene − tatsächlich mehrfach an Rotavirus-Infektionen erkranken können. Die Folgeerkrankungen verlaufen in aller Regel nicht mehr so schwer wie die Ersterkrankung.

 

Erkennung und Behandlung

Der Erreger wird üblicherweise im Stuhl nachgewiesen durch einen so genannten "Antigennachweis".

Eine spezielle Therapie gegen das Virus ist nicht verfügbar. Antibiotika und Mittel, die die Darmbewegung hemmen, sind nicht sinnvoll. Wichtigste Behandlung ist eine rechtzeitige und ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr.

 

Übertragung und Vorkommen

Rotaviren werden von einem erkrankten Kind in der Regel nicht länger als acht Tage mit dem Stuhl ausgeschieden. Vor allem Neugeborene und Erwachsene können das Virus aber auch übertragen, ohne selbst sichtbar krank zu sein.

Das Rotavirus wird hauptsächlich durch Schmierinfektion übertragen sowie durch Tröpfcheninfektion, da in der akuten Krankheitsphase die Sekrete der Atemwege (z.B. Speichel) ebenfalls infektiös sind. In Einzelfällen (z.B. Frühgeborene, Patienten mit gestörtem Immunsystem) können die Patienten über Wochen das Virus ausscheiden, d.h. ansteckend bleiben.

Die Erreger sind außerordentlich ansteckend, bereits zehn Viren reichen für eine Infektion aus. Zudem überleben Rotaviren sehr lange außerhalb des Körpers.

Alle diese Eigenschaften zusammen genommen führen dazu, dass Händewaschen und selbst modernste Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern die Übertragung des Rotavirus kaum verhindern können.

Rotaviren sind die häufigste Ursache für Durchfallerkrankungen in den ersten fünf Lebensjahren weltweit. Es erkranken vorwiegend Säuglinge und Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren.

Die jährliche Anzahl der Todesfälle durch Rotavirus-Infektionen wird bei Kindern in Afrika, Asien und Lateinamerika bis zu einem Alter von fünf Jahren auf etwa 350.000 bis 600.000 (je nach Ausgangsdaten) geschätzt. Besonders betroffen sind Säuglinge in Afrika südlich der Sahara sowie auf dem indischen Subkontinent. Es werden mehrere Gruppen (A-E) von Rotaviren unterschieden.

Ein Mensch kann deshalb mehrfach an Rotaviren erkranken.

Nach dem Durchmachen von zwei zumeist schwerer verlaufenden Infektionen verlaufen nachfolgende Infektionen in der Regel leichter, da ein Schutz auch gegen andere Serotypen durch Kreuz-Immunität entsteht.

In Deutschland treten die meisten Erkrankungen in den Monaten Februar bis April auf. Bis zum dritten Lebensjahr haben bereits mehr als 90 Prozent aller Kinder mindestens eine Rotavirus-Infektion durchgemacht. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 20.000 Kinder unter fünf Jahren wegen Rotaviren im Krankenhaus behandelt, davon etwa 50 in der Intensivmedizin.

In den Jahren 2001 bis 2011 wurden jährlich rund 37.000 bis 76.000 Rotavirus-Erkrankungen an das Robert Koch-Institut gemeldet. Während in den ersten Jahren zu drei Vierteln Kinder bis zu fünf Jahren betroffen waren, sank dieser Anteil nach Zulassung der Impfstoffe gegen Rotaviren (2006) auf etwas mehr als die Hälfte (57%). Aber auch Senioren erkranken an Rotaviren. Beispielsweise handelte es sich bei rund 8.500 Fällen aus dem Jahr 2011 um Patienten im Alter von 70 Jahren und älter. Trotz Meldepflicht für Rotavirus-Erkrankungen in Deutschland spiegelt dies jedoch nicht die Gesamtzahl der tatsächlichen Krankheitsfälle wider. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

 

Vorbeugung

Nur eine Impfung schützt. Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Desinfektion haben wenig Einfluss auf die Verbreitung des Rotavirus. Deshalb sind Rotavirus-Infektionen weltweit in Industrie- und Entwicklungsländern nahezu gleich häufig. Gute Ernährung und gute medizinische Versorgung schützen Kinder in den Industrienationen jedoch weitgehend vor schwersten Krankheitsverläufen.

Impfung
Impfstoff

Es gibt zwei Lebendimpfstoffe, die beide als Schluckimpfung verabreicht werden. Sie sind seit 2006 in Europa zugelassen.

Ein Impfstoff enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus, menschlichen Ursprungs, der andere Impfstoff enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus, das menschlich-bovinen (vom Rind stammend) Ursprungs ist (WC3-Stamm).


Anwendung des Impfstoffs

Säuglinge können ab einem Alter von sechs Wochen geimpft werden. Die Impfung kann gleichzeitig mit anderen Kinderimpfstoffen verabreicht werden. Je nach verwendetem Rotavirus-Impfstoff wird entweder zwei oder drei Mal im Abstand von jeweils mindestens vier Wochen eine Dosis Schluckimpfstoff verabreicht. Die Impfserie soll möglichst früh bis zur bis zum Alter von 16 Wochen (bei Impfstoff mit zwei-Dosen-Schema) bzw. 22. Lebenswoche (bei Impfstoff mit drei-Dosen-Schema) beendet werden. Spätestens bis zum Alter von 24 Wochen (bei Impfstoff mit zwei-Dosen-Schema) bzw. bis zum Alter von 32 Wochen (bei Impfstoff mit drei-Dosen-Schema) muss sie abgeschlossen sein.

Zum Ausspucken kurz nach der Impfung durch das Baby sowie zum Stillen innerhalb einer Stunde vor und nach einem Impftermin berät die Kinderarztpraxis.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Impfung schützt vor neun von zehn schweren Magen-Darm-Infektionen, die durch Rotaviren ausgelöst werden und im Krankenhaus behandelt werden müssen. Andere Durchfallerkrankungen (die durch andere Erreger als Rotaviren verursacht werden) können allerdings bei geimpften Kindern weiterhin vorkommen.

Die bisher vorliegenden Daten zeigen eine Schutzdauer von mindestens zwei Jahren und damit Schutz für die am meisten gefährdete Altersgruppe.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Rotaviren ist eine allgemein, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von sechs Wochen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit Juni 2009, die Rotavirus-Impfung ohne Einschränkung weltweit in alle nationalen Impfprogramme aufzunehmen.

Einzelne Bundesländer in Deutschland (Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein) empfehlen die Impfung bereits seit längerem.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Nicht geimpft werden sollte bei

  • Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile
  • Darmeinstülpung in der Krankengeschichte oder Neigung dazu
  • bekannter oder vermuteter Immunschwäche
  • akuten behandlungsbedürftigen Erkrankungen wie z.B. Durchfall und Erbrechen

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen
  • Häufig bis sehr häufig: Durchfall, Erbrechen und Reizbarkeit;
  • Gelegentlich: Bauchschmerzen, Blähungen, eine Atemwegsinfektion.
Mögliche Komplikationen

Sehr unreife Frühgeborene könnten unter Atempausen leiden und sollten deshalb eventuell unter Überwachung geimpft werden, denn für sie ist der Impfschutz besonders wichtig.

Wird die erste Impfung gegen Rotaviren erst mit drei bis fünf Monaten gegeben, erhöht sich das Risiko für eine Darmeinstülpung (Invagination) in der Woche nach der Impfung um das Vierfache. Das sind etwa ein bis zwei zusätzliche Darmeinstülpungen pro 100.000 Kindern. Wird die Impfserie im Alter von sechs bis zwölf Wochen begonnen, erhöht sich das Risiko nicht. Auch bei der zweiten und ggf. dritten Impfdosis steigt das Risiko nicht.

Aufgrund dieses möglichen Risikos sollte jedes Kind, das innerhalb einer Woche nach der ersten Rotavirus-Schluckimpfung Symptome entwickelt, die auf eine Invagination hindeuten könnten (wie z.B. starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, blutige Stühle), umgehend einem Arzt vorgestellt werden.

Anmerkung: Es ist grundsätzlich wichtig, dass die Impfserie möglichst frühzeitig beendet wird. Der eng begrenzte Zeitraum, in dem die heutigen Impfstoffe verabreicht werden müssen, soll das Risiko einer Invagination minimieren, da das typische Alter, in dem natürlicherweise am häufigsten mit dem Auftreten von Invaginationen zu rechnen ist, zwischen dem fünften und neunten Lebensmonat liegt.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

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