Tetanus (Wundstarrkrampf)

Krankheitsbild

Tetanus oder Wundstarrkrampf äußert sich durch anhaltende, starke Verkrampfung der Kiefer- und Zungenmuskulatur sowie Krämpfe der Skelettmuskulatur. Auch die Atem- und Schluckmuskulatur ist betroffen. Die Erkrankung verläuft trotz intensivmedizinischer Behandlung oft tödlich.

Erkennung und Behandlung

Eine Infektion mit Tetanus-Bakterien wird anhand der typischen Krämpfe und Lähmungserscheinungen erkannt. Besteht der Verdacht auf eine Tetanus-Infektion, ist eine umgehende Behandlung erforderlich. Man kann jedoch nur die Symptome lindern.

Übertragung und Vorkommen

Die Sporen des Tetanus-Bakteriums können schon über kleine Wunden in den Körper gelangen. Sie kommen weltweit vor allem in Erdreich, im Kot von Pferden und anderen Tieren vor und sind sehr umweltresistent, d.h. sie können lange Zeit überleben.

Vorbeugung

Den besten Schutz bietet die vorbeugende Impfung. Bei risikoreichen Verletzungen können zusätzliche Antikörper (Immunglobuline) und weitere Impfdosen den Ausbruch der Krankheit verhindern.

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrer gesamten Familie vom Säugling bis zu den Großeltern auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in die Impfpässe!
Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Etwa drei Tage bis drei Wochen, nachdem der Erreger durch eine Verletzung in den Körper gelangt ist, treten die ersten Krankheitszeichen auf. Tetanus-Bakterien setzen Giftstoffe (Toxine) frei, die über die Nervenbahnen in das zentrale Nervensystem (Rückenmark und Gehirn) gelangen. Es kommt zu Krämpfen, manche Muskeln bleiben dauerhaft angespannt.

Die Krankheit beginnt meist mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Unruhe. Charakteristisch sind schmerzhafte Krämpfe der Zungen-, Kiefer- und Gesichtsmuskulatur. Die Krämpfe verzerren die Gesichtszüge und lassen die Betroffenen scheinbar grimassenhaft grinsen. Schluckbeschwerden können hinzu kommen. Der Körper des Kranken verkrümmt sich, weil sich die Bauch- und Rückenmuskulatur ebenfalls verkrampft. Sind auch die Atemwege betroffen, kann es zu Atemnot kommen und es besteht Lebensgefahr durch Ersticken. In zehn bis 20 Prozent der Fälle tritt trotz moderner intensivmedizinischer Behandlung der Tod ein.

 

Erkennung und Behandlung

Ärzte erkennen eine Tetanus-Erkrankung aufgrund des typischen Krankheitsbildes, wichtiger Hinweis ist auch eine im Vorfeld erlittene Verletzung.

Tetanus-Kranke müssen intensivmedizinisch betreut werden. Mit Immunserum (Immunglobulinen) kann versucht werden, das vom Bakterium produzierte Gift (Toxin) zu neutralisieren. Zudem werden spezielle Antibiotika gegen den Erreger eingesetzt, um Bakterien abzutöten, damit sie nicht noch mehr Gift produzieren.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Sporen von Clostridium tetani kommen weltweit vor allem in Erdreich, im Kot von Pferden und anderen Tieren vor und sind sehr umweltresistent; d.h. sie können lange Zeit überleben.

Der Erreger kann auch über kleinste Wunden in den menschlichen Körper gelangen.

Im Jahr 2006 starben weltweit ca. 290.000 Menschen an Tetanus, überwiegend Neugeborene und Säuglinge. 2008 starben noch schätzungsweise 61.000 Kinder unter fünf Jahren weltweit an Wundstarrkrampf. Besonders häufig sind Todesfälle bei Neugeborenen in Entwicklungsländern, die durch eine Infektion des Nabelstumpfes erkranken - sofern sie von der Mutter vor der Geburt keine Impfantikörper übertragen bekommen haben.

In Deutschland traten in den letzten Jahren weniger als etwa 15 Fälle pro Jahr auf. Betroffen sind meist ältere Menschen, die häufig über keinen ausreichenden Impfschutz mehr verfügen.

 

Vorbeugung

Schutz vor Wundstarrkrampf bietet die Impfung. Auch unmittelbar nach einer Verletzung kann bei mangelndem Impfschutz eine Impfung durchgeführt und bei risikoreichen Verletzungen zudem ein Immunserum verabreicht werden. Die fachgerechte Versorgung der Wunde durch einen Arzt/eine Ärztin vermindert zusätzlich das Risiko einer Infektion.

Impfung

Impfstoff

Es gibt einen Einzelimpfstoff und eine Reihe von Kombinationsimpfstoffen. Sie alle enthalten unschädlich gemachtes (inaktiviertes und gereinigtes) Gift von Clostridium tetani, so genanntes Toxoid. Für Kinder wird heute bevorzugt ein Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem auch gleichzeitig gegen Diphtherie, Keuchhusten, das Hib-Bakterium, Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft werden kann. Auch für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden in der Regel Kombinationsimpfstoffe eingesetzt, so können auch weitere jeweils anstehende Impfungen z.B. gegen Diphtherie, Kinderlähmung und Keuchhusten in einer Spritze gegeben werden.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Einzel- oder Kombinationsimpfstoffe werden in der Regel in den Muskel gespritzt. Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Kombinationsimpfstoffe:
Zur Grundimmunisierung im Kindesalter mit Kombinationsimpfstoffen werden vier Teilimpfungen empfohlen: Die erste Impfung erfolgt mit vollendetem zweiten Lebensmonat, die zweite mit vollendetem dritten Lebensmonat und die dritte mit vollendeten vierten Lebensmonat. Die letzte Teilimpfung wird am Ende des ersten Lebensjahres gegeben (11. bis 14. Lebensmonat).

Auffrischimpfungen werden im Alter von fünf bis sechs Jahren sowie im Alter von neun bis 17 Jahren, danach alle zehn Jahre durchgeführt. Auch wenn seit der letzten Impfung mehr als zehn Jahre vergangen sind, reicht eine einzige Impfung zur Wiederherstellung des Impfschutzes aus. Bei Kindern, Jugendlichen und auch bei Erwachsenen kann eine solche Auffrischimpfung mit einem Kombinationsimpfstoff erfolgen. Es gibt Kombinationsimpfstoffe, die speziell zur Auffrischung zugelassen sind.

Einzelimpfstoff:
Zur Grundimmunisierung sind zwei Impfungen im Abstand von vier bis acht Wochen und eine dritte Impfung sechs bis zwölf Monate später erforderlich.

 

Schutz nach Verletzungen bei Ungeimpften und Geimpften

Wenn kein ausreichender Impfschutz gegen Tetanus besteht, ist eine vorbeugende Impfung nicht nur bei tiefen oder verschmutzten Wunden sowie bei schweren Verbrennungen und Erfrierungen, sondern auch bei sauberen, geringfügigen Wunden notwendig. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Tetanus-Schutz unklar ist, noch nie oder nur unvollständig gegen Tetanus geimpft wurde oder wenn die letzte Impfung mehr als fünf Jahre zurückliegt. Falls notwendig, sollte ein ausreichender Impfschutz durch weitere Impfungen nachträglich aufgebaut werden.

Ist der Impschutz unklar oder nicht ausreichend oder sind seit der letzten Impfung mehr als zehn Jahre vergangen, wird bei risikoreichen Verletzungen zusätzlich zur aktiven Impfung Immunserum (Immunglobulin) gegeben.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Der Impfstoff gegen Wundstarrkrampf ist hochwirksam. Säuglinge bilden nahezu ausnahmslos schützende Antikörper.

Nach einer vollständig durchgeführten Impfserie beträgt die Schutzdauer mindestens zehn Jahre.

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Wundstarrkrampf ist öffentlich empfohlen für alle Kinder ab dem Alter von zwei Monaten. Die Grundimmunisierung umfasst vier Impfungen (siehe oben). Auffrischimpfungen sind im Alter von fünf bis sechs Jahren, für Jugendliche (mit neun bis 17 Jahren) sowie alle zehn Jahre im Erwachsenenalter empfohlen.

Bislang Ungeimpfte oder unvollständig Geimpfte sollten die Impfung baldmöglichst nachholen. Vor jeder Auffrischimpfung sollte zudem der Impfschutz gegen Diphtherie, Keuchhusten und Poliomyelitis geprüft werden. Stehen mehrere Impfungen bzw. Auffrischimpfungen an, wird meist einen Kombinationsimpfstoff eingesetzt, der alle erforderlichen Komponenten enthält.

Weitere Informationen siehe: "Impfungen nach möglicher Ansteckung"

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Impfstoffes darf nicht geimpft werden. Bei akuten behandlungsbedürftigen Erkrankungen muss die Impfung, die nicht im Verletzungsfall gegeben wird, verschoben werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Bei bis zu einem Fünftel der Geimpften können Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle auftreten, gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an. Sehr selten bildet sich ein kleines Knötchen an der Injektionsstelle, im Einzelfall wird daraus ein steriler Abszess, der sich normalerweise von selbst zurückbildet. Gelegentlich kann es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, oder Durchfall können auftreten.

Wird ein Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente verwendet, kann selten, vor allem nach der Auffrischimpfung, die gesamte Gliedmaße anschwellen, in die geimpft wurde, und bei sehr jungen Kindern wurde nach der Impfung länger anhaltendes schrilles Schreien beobachtet. Selten tritt hohes Fieber auf (39,5 °C und mehr).

Alle diese Erscheinungen sind normalerweise nur vorübergehend und klingen rasch und folgenlos ab.

Mögliche Komplikationen

Selten treten allergische Reaktionen an der Haut oder an den Atemwegen auf. Wie bei vielen Impfstoffen ist in sehr seltenen Einzelfällen eine allergische Sofortreaktion möglich. Ebenfalls nur sehr vereinzelt sind Erkrankungen des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark beschrieben worden. Dies äußerte sich z.B. durch Lähmungen, Missempfindungen, Erschöpfungszustände, Übererregbarkeit oder fortschreitende Ausfälle.


Wird Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente verwendet, kann es in einzelnen Fällen im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind zu einem Fieberkrampf kommen. Er bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kommt es nach der Impfung zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE). Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht auf Ansprache. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück und spricht nicht gegen weitere Impfungen. Auch diese Kinder sollten vollständig geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

08.02.2017 / MK
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