Tollwut

Krankheitsbild

Das Tollwutvirus schädigt das Nervensystem und das Gehirn des Infizierten. Es kommt zu Verhaltensstörungen, Lähmung der Atemmuskulatur und Krämpfen. Eine ausgebrochene Tollwuterkrankung verläuft tödlich.
Erkennung und Behandlung Die Krankheitszeichen und die Vorgeschichte (z.B. ein Tierbiss) geben Ärzten wichtige Hinweise. Laboruntersuchungen können nur bei toten Patienten den Verdacht bestätigen oder ausschließen. Tollwut kann nicht behandelt werden. Bereits bei Verdacht auf Ansteckung muss unverzüglich die Wunde gesäubert und sowohl aktiv als auch passiv immunisiert werden.
Übertragung und Vorkommen Infizierte Tiere sind bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend. Meist wird Tollwut durch Bisse oder Kratzer eines infizierten Tieres übertragen.

Hauptüberträger weltweit sind Hunde aber auch andere Haus- oder Wildtiere, einschließlich Fledermäusen. Das Tollwutvirus ist in hohen Konzentrationen im Speichel vorhanden. Daher kann es ausreichen, wenn dieser Speichel auf verletzte Haut gelangt oder auf Schleimhaut.

Die Tollwut kommt mit wenigen Ausnahmen weltweit vor. Auch in Ländern, die als "tollwutfrei" bezeichnet werden, ist nicht auszuschließen, dass Tollwut von Fledermäusen übertragen wird.
Vorbeugung Neben einem möglichst guten Schutz vor Kontakt zu infizierten Tieren bietet nur die passive oder aktive Immmunisierung einen Schutz vor der Krankheit.
Impfstoff Impfstoff zur Injektion (in der Spritze).

 

Unser Rat für Sie:

Lassen Sie sich vorbeugend impfen, das verschafft im Ernstfall Zeit. In einem Tollwutgebiet können alle Säugetiere, einschließlich Fledermäusen, Überträger sein. Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild
Symptome und Verlauf

Zwischen der Ansteckung − meist durch einen Tierbiss − und den ersten Krankheitszeichen vergehen durchschnittlich 20 bis 90 Tage, selten weniger als neun Tage. In Ausnahmefällen kann diese Zeit auch wesentlich kürzer sein oder mehrere Jahre betragen.

Große Bisswunden am Kopf sprechen für einen schnelleren Krankheitsbeginn, kleine Kratzer am Fuß für einen langsameren.
Ist das Tollwutvirus in den menschlichen Organismus gelangt, wandert es langsam entlang der Nervenbahnen bis in das Rückenmark und das Gehirn, wo es sich vermehrt und sich schließlich weiter im Körper ausbreitet. Der Speichel enthält besonders viele Viren.

Zunächst treten Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühle auf. Sie können von Allgemeinsymptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen begleitet sein.

In der Hauptphase der Krankheit kommt es zu weiteren Beschwerden wie körperlicher Unruhe, Lichtscheu, Reizbarkeit und Krampfanfällen am gesamten Körper.

Krämpfe der Rachen- und Schlundmuskulatur machen das Schlucken unmöglich. Der Speichelfluss ist stark erhöht. Es entsteht der Eindruck, die Betroffenen hätten eine Abneigung gegen Wasser oder sie hätten Angst, Wasser zu sich zu nehmen.
Bewusstlosigkeit und Koma stehen am Ende der Krankheit.

Eine andere Verlaufsform der Krankheit stellt die sogenannte "stille Wut" dar. Sie ist nicht durch Krämpfe gekennzeichnet, sondern durch Lähmungserscheinungen. Die erkrankten Tiere oder Patienten verhalten sich teilnahmslos.

Eine Tollwut verläuft immer tödlich. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Ersticken ein.

 

Erkennung und Behandlung

Der Verdacht auf eine Tollwuterkrankung ergibt sich zum einen aus der Vorgeschichte, z.B. aus einer im Vorfeld stattgefundenen Bissverletzung durch ein Tier und zum anderen aus dem typischen Krankheitsbild. Auch lediglich der Kontakt zu einem verdächtigen Tier kann einen entsprechenden Hinweis geben. Laboruntersuchungen können nur bei toten Patienten den Verdacht bestätigen oder ausschließen.

Wenn möglich, wird das verdächtigte Tier unter Quarantäne gestellt oder der Tierkadaver untersucht.

Die Krankheit verläuft immer tödlich. Erst in einem einzigen Fall weltweit gelang es, Tollwut zu behandeln. Leider konnte dies bislang nicht wiederholt werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Infizierte Tiere sind bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend. Das Tollwutvirus ist in hohen Konzentrationen im Speichel vorhanden. Daher kann es ausreichen, wenn dieser Speichel auf verletzte Haut gelangt oder auf Schleimhaut. Meist wird Tollwut jedoch durch Bisse oder Kratzer eines infizierten Tieres übertragen. Hauptüberträger weltweit sind Hunde aber auch andere Haus- oder Wildtiere, einschließlich Fledermäusen.

Die Tollwut kommt mit wenigen Ausnahmen weltweit vor (siehe Karte).

 

Vorbeugung

Den einzigen Schutz bietet die Immunisierung. Eine vorbeugende Impfung verschafft im Ernstfall etwas mehr Zeit bis ärztliche Hilfe erreichbar ist, macht nachfolgende Impfungen (postexpositionelle Impfung) aber nicht überflüssig. Etwas ganz anderes ist die passive Immunisierung. Hierfür werden Antikörper (Tollwut-Immunlobulin) gespritzt.

Eine Immunisierung (passiv und/oder aktiv) nach möglicher Ansteckung ist immer durchzuführen, wenn der Tollwutverdacht nicht ausgeräumt werden kann. Wenn möglich, sollte das verdächtige Tier eingefangen und beobachtet bzw. getötet und untersucht werden.

Um das Risiko einer Tollwutinfektion möglichst gering zu halten, sollte jede verdächtige Biss- oder Kratzverletzung schnellstmöglich versorgt und gereinigt werden - zunächst soweit möglich vor Ort, dann durch einen Arzt/eine Ärztin.

Wildtiere, die die Scheu vorm Menschen verloren haben, oder Kadaver sollten nicht berührt werden.

In Ländern mit erhöhtem Tollwutrisiko wie z.B. in Asien und Afrika ist Kontakt insbesondere zu streunenden Hunden (und anderen Säugetieren) ebenfalls möglichst ganz zu vermeiden. Haustiere, vor allem Hunde und Katzen, sollten auch in Deutschland gegen Tollwut geimpft sein, damit sie nicht zum Überträger werden. Fledermäuse, die tot aufgefunden werden oder sich anfassen lassen, gelten ebenfalls als tollwutverdächtig.

Importieren Sie keine lebenden Tiere (z.B. streunende Hunde oder Katzen) illegal nach Deutschland!

Berühren Sie keine Tollwutimpfköder, die im Wald für Füchse ausgelegt wurden. Diese enthalten lebende Impfviren. Es ist unbekannt, wie Menschen auf die Impfviren reagieren.

Impfung
Impfstoff

Die Impfstoffe enthalten abgetötete Tollwutviren. Zur Herstellung werden die Impfviren in speziellen Zellkulturen vermehrt − auf Basis menschlicher Zellen oder Hühnerzellen.

 

Anwendung des Impfstoffs

Vorbeugende Impfung (präexpositionelle Impfung)
Der Impfstoff wird in die Muskulatur gespritzt.

Die Grundimmunisierung umfasst drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 oder 28; je nach Hersteller eventuell noch eine weitere Dosis nach einem Jahr. Auffrischimpfungen sind abhängig vom Infektionsrisiko alle zwei bis fünf Jahre vorgesehen oder wenn vor dieser Zeit ein Bluttest anzeigt, dass zu wenig Antikörper im Blut vorhanden sind.

Impfung nach möglichem Tollwut-Kontakt (postexpositionelle Impfung)
Ob geimpft wird, wie viele Impfdosen empfohlen werden sowie ob gleichzeitig Tollwut-Immunglobulin gegeben wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Üblicherweise werden nach einer möglichen Ansteckung insgesamt fünf Impfungen an den Tagen 0, 3, 7, 14, 28 durchgeführt. Nach Bissverletzungen, Kratzern oder wenn der Speichel des verdächtigen Tieres auf verletzte Hautstellen oder Schleimhäute gelangte, wird zusätzlich eine Dosis Immunglobulin gegeben.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Nahezu 100% der Geimpften bilden Antikörper in ausreichender Menge. Wird nach einem Biss oder ähnlichem Kontakt zu einem tollwutinfizierten Tier schnellstmöglich die Wunde gesäubert und fachgerecht geimpft, schützt die Impfung ebenfalls zuverlässig. Es ist sehr wichtig, dass die Termine der postexpositionellen Impfung genau eingehalten werden.

Besonders kritisch wird es bei großen Wunden (z. B. Bissen), wenn die Wunde sich am Kopf befindet und wenn die Impfserie erst mit einigen Tagen Verzögerung begonnen werden kann.

 

Wer geimpft sein sollte

Vorbeugende Impfung (präexpositionelle Impfung)
Die Tollwutimpfung wird aufgrund des erhöhten Ansteckungsrisikos bei verschiedenen Personengruppen empfohlen. Zu ihnen gehören Tierärzte, Jäger, Forstpersonal in Gebieten mit Tollwutrisiko und Laborpersonal mit Tollwutrisiko. Auch Reisende in Regionen mit hohem Tollwutrisiko, insbesondere Abenteuer- und Langzeitreisende wie z.B. Entwicklungshelfer, die sich in ländliche, tollwutgefährdete Gebiete (z.B. in Indien, Afrika) begeben, sollten sich vorbeugend gegen Tollwut impfen lassen.

Impfung nach möglichem Tollwut-Kontakt (postexpositionelle Impfung)
Auch wer vorbeugend geimpft wurde, benötigt nach einer möglichen Tollwutinfektion die postexpositionellen Impfungen.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Da Tollwut immer tödlich verläuft, gibt es keine Gegenanzeigen gegen die postexpositionelle Impfung. Es handelt sich um eine lebensrettende Maßnahme.

Bei einer bekannten schweren Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin oder Hühnereiweiß darf nicht rein vorbeugend (präexpositionell) geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Bei einem bis zehn von hundert Geimpften rötet sich die Impfstelle, schwillt an und schmerzt. Gelegentlich sind die Lymphknoten in der Nähe mit beteiligt. Außerdem kann es zu grippeähnlichen Allgemeinsymptomen wie leichtem bis mäßigem Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Kreislaufbeschwerden kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), Gelenkschmerzen oder -entzündungen können auftreten

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Selten, eher nach Auffrischimpfungen, kann eine Überempfindlichkeitsreaktion auftreten. Sie ähnelt der Reaktion auf artfremdes Serum.
Sehr selten kann es zu allergischen Reaktionen auf im Impfstoff enthaltene Stoffe (z.B. Neomycin, Gelatine) kommen.
Wie bei vielen Impfstoffen ist in sehr seltenen Einzelfällen eine allergische Sofortreaktion möglich.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

 

08.02.2017 / MK
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