Kinder gegen Meningokokken B impfen?

29. November 2019

Hallo,

mein Kinderarzt hat empfohlen, die Kinder gegen Meningokokken B zu impfen, ich bin mir unsicher! Schützt die Impfung gegen alle Meningokokken B Bakterien? Meine Kinder sind 4 und 7 Jahre alt! Was würden Sie an meiner Stelle machen? Ist die Impfung gut verträglich?

Vielen Dank

Wir orientieren uns bei unseren Informationen an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO am Robert Koch-Institut, die in Deutschland als medizinischer Standard gelten.

Unter den Meningokokken (Neissera-meningitidis-Bakterien) sind verschiedene Untergruppen (Serogruppen) für den Menschen besonders relevant, und zwar die Serogruppen C, B, A, W und Y, die in unterschiedlichen Regionen der Welt verschieden häufig sind. Die verfügbaren Impfstoffe richten sich jeweils gegen bestimmte dieser Meningokokken-Serogruppen. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken C als Standardimpfung für alle Kinder ab dem Alter von 12 Monaten. Die Impfung mit Impfstoff, der sich gegen Meningokokken B richtet, wird von der STIKO gesundheitlich gefährdeten Personen mit bestimmten Beeinträchtigungen des Immunsystems zusätzlich zur Impfung mit Meningokokken-ACWY-Impfstoff empfohlen. Auch bei regional gehäuftem Auftreten oder Ausbrüchen kann die Impfung von den Gesundheitsbehörden empfohlen werden. Nach engem Kontakt mit Personen, die an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, sollte eine postexpositionelle Impfung gegen die ursächliche Serogruppe erfolgen. Auch eine Reiseimpfung gegen Meningokokken B und/oder ACWY kann sinnvoll sein. Gefährdetes Laborpersonal sollte ebenfalls geimpft sein.

Nach Angaben der STIKO ist davon auszugehen, dass eine Meningokokken-B-Impfung vor invasiven Erkrankungen durch einen Großteil der in Deutschland zirkulierenden Meningokokken-B-Stämme schützen kann. Für eine Empfehlung als Standardimpfung fehlen der STIKO zufolge jedoch noch wichtige Daten, insbesondere zur klinischen Impfeffektivität nach vollständiger Grundimmunisierung und zur längerfristigen Impfwirksamkeit. Außerdem ist noch nicht bekannt, ob die Impfung auch vor einer Besiedlung mit Meningokokken B schützt; dies wäre für den Gemeinschaftsschutz wichtig. Angesichts der niedrigen und rückläufigen Erkrankungszahlen an invasiven Meningokokken-B-Infektionen in Deutschland wird die STIKO die Entscheidung, ob eine Meningokokken-B-Impfung nicht nur Risikogruppen, sondern darüber hinaus als Standardimpfung empfohlen werden sollte, erst fällen, wenn weitere robuste Daten zu diesen Aspekten vorliegen.

Eine fehlende STIKO-Empfehlung hindert den Arzt / die Ärztin im individuellen Fall aber nicht an einer begründeten Impfung gegen Meningokokken B auch von Personen, die nicht zu den oben genannten Risikogruppen zählen.

Die Sicherheit der Meningokokken-B-Impfstoffe wurde – wie bei allen in Deutschland verfügbaren Impfstoffen – vor der Zulassung streng überprüft und auch nach der Markteinführung wird diese kontinuierlich überwacht. Wie bei allen Impfstoffen kann es zu Nebenwirkungen kommen. Diese klingen in der Regel nach wenigen Tagen von selbst wieder ab. Sehr häufige (das heißt bei mehr als 1 von 10 Patienten beobachtete) Nebenwirkungen des Meningokokken-B-Impfstoffs, der bereits ab dem Alter von zwei Monaten und damit für die Altersgruppe Ihrer Kinder zugelassen ist, sind laut EPAR (European Public Assessment Report) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA bei Kindern bis 10 Jahren Essstörungen, Schläfrigkeit, ungewöhnliches Weinen, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Ausschlag, Arthralgie (Gelenkschmerzen), Fieber und Reizbarkeit sowie Schmerzempfindlichkeit, Schwellung, Verhärtung und Rötung der Haut an der Injektionsstelle.

Weitere (Fach-)Informationen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken können Sie auf den Seiten des Robert Koch-Instituts nachlesen unter rki.de/…/Meningokokken.html.
Antworten auf häufige Fragen zur Schutzimpfung gegen Meningokokken finden Sie unter rki.de/…/faq_ges.html?nn=2375548.
Die Informationen der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zum Meningokokken-B-Impfstoff, der bereits für die Altersgruppe Ihrer Kinder zugelassen ist, mit einer detaillierten Auflistung der Nebenwirkungen stehen unter ema.europa.eu/…/bexsero.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus der Ferne keine individuelle Impfempfehlung geben können. Am besten lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt individuell beraten und die Gründe erläutern, die für eine Meningokokken-B-Impfung bei Ihren Kindern sprechen. Ihr Kinderarzt wird Sie auch ausführlich über mögliche Nebenwirkungen aufklären.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.