Säugling später impfen?

8. Februar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich habe folgende Situation: meinem älteren Sohn (4 Jahre) wurde Diagnose frühkindlicher Autismus gestellt. Die Symptome und die ganze Störung wurden nach der Impfung mit 1 Jahr deutlich. Aus meinem näheren Verwandschafskreis und von Verwandten meines Mannes sind keine Fälle dieser Störung bekannt. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass die Impfung die Grundursache dafür ist, vermute aber stark dass es durchaus möglich ist, dass sie diese Krankheit die Impfung triggern konnte. Nun habe ich noch eine Tochter bekommen ( 6 Monate), bis heute nur gegen Rotavieren und Pneumakokken geimpft. Bald muss die Entdcheidung gefällt werden wie wir weiter in der Sache Impfen vorgehen. Ich habe überdimensionale Ängste , falls die Geschichte sich wiederholen sollte. Was würden sie empfehlen? Wie lange können Impfungen maximal hinausgezögert werden?

Für ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Wir orientieren uns bei unseren Informationen zum Impfen an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO. Den Impfkalender mit den empfohlenen Impfterminen finden Sie unter gesundes-kind.de/…/.

Demnach wären neben den von Ihnen genannten Impfungen gegen Rotaviren und Pneumokokken im ersten Lebenshalbjahr auch die ersten Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib, Kinderlähmung und Hepatitis B fällig gewesen, die meist mit Sechsfach-Kombinationsimpfstoff erfolgen. Die versäumten Impfungen sollten sobald wie möglich nachgeholt werden.

Grundsätzlich ist es möglich, die Impfungen gegen diese sechs Erkrankungen später als empfohlen durchzuführen. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass das Kind dann gegen schwere, teilweise lebensbedrohliche Infektionskrankheiten keinen Impfschutz hat. Hib-Infektionen und Keuchhusten beispielsweise können im Baby- und Kleinkindalter besonders schwer verlaufen.

Werden die für das Säuglingsalter empfohlenen Impfungen sehr lange hinausgezögert, ist außerdem zu beachten, dass die Sechsfach-Impfstoffe nur für Säuglinge und Kleinkinder zugelassen sind, bei einer noch späteren Impfung würden andere Impfstoffe verwendet. Gegen Hib würde ab dem Alter von fünf Jahren in der Regel nicht mehr geimpft . Die Nachholimpfung gegen Hepatitis B wird vor dem 18. Geburtstag empfohlen.

Zu Ihrer Sorge bezüglich Autismus: Ärztinnen und Ärzte müssen Nebenwirkungen von Impfungen bzw. den Verdacht auf Nebenwirkungen an das Gesundheitsamt bzw. das Paul-Ehrlich-Institut melden. Das gilt auch für den Verdacht, dass Impfungen bei Ihrem Sohn frühkindlichen Autismus getriggert haben könnten. Sie als Eltern können eine solche Meldung auch selbst vornehmen (nebenwirkungen.pei.de/…/home_node.html). Das Paul-Ehrlich-Institut bewertet diese Meldungen im Hinblick auf einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung.

Immer wieder haben Eltern die Befürchtung, dass Impfungen Autismus auslösen könnten. Dem Robert Koch-Institut zufolge gibt es dafür bis heute keinen Nachweis aus wissenschaftlichen Untersuchungen. Vielmehr sprechen die Ergebnisse zahlreicher Studien gegen einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus (rki.de/…/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html). Insbesondere die Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR-Impfung) wird gelegentlich verdächtigt, dass sie autistische Störungen hervorrufen könnte. Das Paul-Ehrlich-Institut führte hierzu ausführliche Literaturrecherchen und Metaanalysen durch und kam zu dem Schluss, dass keine der analysierten Studien Hinweise lieferte auf ein erhöhtes Risiko für Autismus bzw. Autismus-Spektrum-Störungen nach MMR-Impfung oder bei Verwendung von Kinderimpfstoffen, die Thiomersal als Konservierungsmittel enthalten hatten. Impfstoffe mit Thiomersal sind seit Jahren nicht mehr auf dem deutschen Markt (mit Literaturangaben nachzulesen im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 1/2017, pei.de/…/bulletin-arzneimittelsicherheit-node.html). Das Robert Koch-Institut hebt ebenfalls hervor, dass es zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge keinen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und autistischen Störungen gibt (Details und Literaturangaben unter rki.de/…/FAQ-Liste_Masern_Impfen.html).

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise, aber keine individuellen Impfempfehlungen geben können. Lassen Sie sich am besten bei Ihrem Kinderarzt / Ihrer Kinderärztin individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.