Warum Säuglinge und Kleinkinder gegen Hepatitis B impfen?

6. Dezember 2017

Hallo,
ich verstehe nicht ganz, warum Säuglinge und Kleinkinder gegen Hepatitis B geimpft werden. Die Ansteckungsgefahr besteht doch nur über Blut oder Geschlechtsverkehr?
Desweiteren würde mich interessieren, wieso man 4-mal die 6-Fachimpfung impft? Warum besteht kein Schutz nach einer Impfung?
Vielen Dank.

Eine Hepatitis-B-Infektion ist bereits Wochen vor Ausbruch der Erkrankung ansteckend und kann unbemerkt an andere weitergegeben werden. Auch chronisch Infizierte, die kaum oder keine Symptome zeigen, können das Hepatitis-B-Virus übertragen. Schon kleinste Mengen infektiösen Blutes, die in Hautverletzungen oder an die Schleimhaut gelangen, reichen für eine Ansteckung aus. Das Hepatitis-B-Virus kann außerdem über Tränenflüssigkeit, Speichel, Sperma, Vaginalsekret, Menstrualblut und Kolostrum (Vormilch) übertragen werden. Auch außerhalb des Körpers kann das Hepatitis-B-Virus mindestens 7 Tage überleben und eine Infektion hervorrufen, wenn es in verletzte Haut oder an die Schleimhäute einer ungeschützten Person gelangt, zum Beispiel bei der gemeinsamen Benutzung von Nagelscheren oder Zahnbürsten.

Eine Übertragung ist daher nicht nur durch Sexualkontakt möglich. In der Familie oder in Kindertagesstätten kann es durch den Kontakt infizierter Körperflüssigkeiten mit Schleimhäuten oder über Bagatellverletzungen bzw. anderweitig geschädigte Haut zu einer Ansteckung kommen. Eine Übertragung ist auch bei unzureichender Hygiene in Gesundheitseinrichtungen oder zum Beispiel beim Stechen von Ohrlöchern denkbar.

Im Säuglingsalter ist eine Hepatitis B zwar selten. Säuglinge und Kleinkinder tragen jedoch ein besonders hohes Risiko für chronische Verlaufsformen, das bis zu 90 Prozent beträgt. Infolge einer chronischen Hepatitis B kann sich eine Leberzirrhose oder Leberkrebs entwickeln.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt daher die Impfung gegen Hepatitis B allen Säuglingen und Kleinkindern. Für Kinder von Müttern mit einer chronischen Hepatitis B bzw. mit unbekannten Hepatitis-B-Status wird sogar eine Impfung direkt nach der Geburt dringend angeraten (rki.de/…/FAQ-Liste_HepB_Impfen.html).

Bei Verwendung von Sechsfach-Impfstoff empfiehlt die STIKO je eine Impfung im Alter von 2, 3 und 4 Monaten sowie eine weitere Impfung im Alter zwischen 11 und 14 Monaten, um einen möglichst frühzeitigen Schutz gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hib (Haemophilus influenzae Typ b) und Hepatitis B aufzubauen. Bei Anwendung eines Hepatitis-B-Einzelimpfstoffs kann die Dosis im Alter von 3 Monaten entfallen, d.h. es reichen 3 Impfstoffdosen aus.

Impfungen „trainieren“ das Immunsystem (weitere Infos unter gesundes-kind.de/…/). Ein Teil der Geimpften bildet bereits nach der ersten Sechsfach-Impfung erregerspezifische Abwehrstoffe (Antikörper). Erst nach Abschluss der Grundimmunisierung nach einem zeitlich geregelten Schema ist jedoch mit einem zuverlässigen und länger anhaltenden Schutz zu rechnen.

Laut Fachinformation zu einem der zugelassenen Sechsfach-Impfstoffe entwickelten Studiendaten zufolge nach zwei Impfstoff-Dosen mindestens 84,3 Prozent der geimpften Kinder Antikörper gegen jedes der Impstoff-Antigene, nach der kompletten Impfserie waren es rund 98 Prozent.

Ihr Kinderarzt bzw. Ihre Kinderärztin wird Sie zur Hepatitis-B-Impfung und weiteren Schutzimpfungen individuell beraten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

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Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.