Welche Impfungen bei Allergie gegen Hühnereiweiß?

11. März 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mein Mann ist allergisch auf Hühnereiweiß und reagiert mit Raststufe 6, welche Impfungen kann er trotzdem bekommen, weil sie nicht auf Hühnerzellen aufgebaut sind?

Bei den meisten Impfungen des Standardimpfprogramms für Kinder und Erwachsene (siehe Impfkalender gesundes-kind.de/…/) stellt eine Allergie gegen Hühnereiweiß kein Problem dar.

Nur bei wenigen Impfungen sind bei Menschen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Dazu zählen Impfstoffe gegen Grippe (Influenza) sowie gegen Gelbfieber, die unter Verwendung von Hühnerembryonen produziert werden und trotz Aufreinigung Spuren von Hühnereiweiß enthalten können. Masern-Mumps-Röteln (MMR)-, Tollwut- und FSME-Impfstoffe, für die Komponenten in Kulturen von Hühnerzellen gezüchtet werden, enthalten allenfalls kaum nachweisbare Spuren von Hühnereiweiß, die nach Angaben des Robert Koch-Instituts ohne allergisierende Potenz sind (weitere Infos unter rki.de/…/FAQ03.html?nn=2391120).

• Eine Impfung gegen Gelbfieber, die für manche Länder zu den Reiseimpfungen zählt, darf laut Fachinformation des Herstellers bei einer Allergie gegen Hühnereiweiß nicht erfolgen.
• Die Impfung gegen Influenza wird Menschen ab 60 Jahren sowie unter anderem besonders gefährdeten Personengruppen wie chronisch Kranken aller Altersgruppen sowie bestimmten Berufsgruppen empfohlen. Bei ärztlich diagnostizierter schwerer Allergie gegen Hühnereiweiß sollten Nutzen und Risiken der Grippe-Impfung streng abgewogen werden; wird eine Grippe-Impfung durchgeführt, sollte diese in solchen Fällen unter Überwachung und der Möglichkeit einer sofortigen Behandlung eventueller anaphylaktischer Reaktionen erfolgen (rki.de/…/faq_ges.html).
• Die MMR-Impfung wird allgemein im Kindesalter sowie für nach 1970 geborene Erwachsene empfohlen, die nicht ausreichend geimpft sind. Internationale Studien belegen zum Beispiel, dass auch Kinder mit bekannter Hühnereiweißallergie problemlos und gefahrlos mit MMR-Impfstoff geimpft werden können, so dass die Hühnereiweißallergie in internationalen und nationalen Leitlinien nicht mehr als Gegenanzeige genannt wird. Bei sehr schwerer Hühnereiweißallergie, wenn es zum Beispiel nach Genuss von geringen Mengen Hühnereiweiß zu einem anaphylaktischen Schock kommt, empfiehlt das Robert Koch-Institut, die Impfung unter medizinischer Beobachtung (ggf. im Krankenhaus) durchzuführen, damit im Falle einer anaphylaktischen Reaktion sofort geeignete Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung stehen (rki.de/…/FAQ-Liste_Masern_Impfen.html).
• Die Impfung gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) wird bei Aufenthalt in FSME-Risikogebieten und möglichem Kontakt zu Zecken empfohlen. Eine nachgewiesene Allergie gegen Hühnereiweiß spricht nicht in jedem Fall gegen eine FSME-Impfung. Die Impfung sollte unter medizinischer Überwachung und der Möglichkeit einer Notfalltherapie im Falle einer Überempfindlichkeitsreaktion erfolgen.
• Eine vorbeugende Impfung gegen Tollwut wird bei Reisen in bestimmte Länder empfohlen. Eine solche vorbeugende Impfung mit Tollwut-Impfstoff, für dessen Herstellung gereinigte Hühnerfibroblasten-Zellen verwendet werden, sollte laut Fachinformation bei einer bekannten schweren Überempfindlichkeit gegen Hühnereiweiß nicht erfolgen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir nur allgemeine Hinweise, aber keine individuellen Impfempfehlungen geben können. Ihr Mann sollte sich zu anstehenden Impfungen am besten bei seinem Arzt / seiner Ärztin persönlich beraten lassen und dabei auch eventuelle Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der Hühnereiweißallergie besprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Gesundes-Kind-Team

prof.knuf.jpg

Unser Expertenrat vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz beantwortet Ihre Fragen zum Thema Impfschutz für Kinder.