Keuchhusten (Pertussis)

Krankheitsbild

Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die mit Anzeichen einer einfachen Erkältung beginnt und dann in ein Stadium krampfartiger schwerster Hustenanfälle übergeht. Wochen bis Monate später klingen die Symptome allmählich wieder ab.

Erkennung und Behandlung

Die Diagnose wird oft erst relativ spät gestellt. Antibiotika sind dann nur noch bedingt wirksam.

Übertragung und Vorkommen

Der Keuchhusten-Erreger wird durch Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen.

Der Erreger, das Bakterium Bordetella pertussis, kommt auf der ganzen Welt vor, und zwar ausschließlich beim Menschen.

Vorbeugung

Personen, die Kontakt mit Keuchhustenkranken hatten, können kurz danach spezielle Antibiotika zur Vorbeugung erhalten. Den bestmöglichen Schutz bietet aber die Impfung.

Impfstoff

Zum Schutz vor Keuchhusten stehen mehrere Kombinationsimpfstoffe für Kinder und Jugendliche bzw. Erwachsene zur Verfügung.

 

Unser Rat für Sie:

Säuglinge, Vorschulkinder sowie alle Jugendlichen und Erwachsenen, insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter, sollten ausreichend gegen Keuchhusten geimpft sein.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Keuchhusten (Pertussis) kann in verschiedenen Formen auftreten. Ein typischer Verlauf wird bei älteren Säuglingen, Klein- und Schulkindern beobachtet. Untypische Krankheitsbilder findet man im frühen Säuglingsalter sowie bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Erste Krankheitszeichen treten ein bis drei Wochen nach der Ansteckung auf.

 

Typischer Verlauf

Typischerweise verläuft die Erkrankung in drei Stadien:

Zunächst stehen für ein bis zwei Wochen erkältungsähnliche Beschwerden wie Schnupfen und leichter Husten im Vordergrund, mäßiges Fieber kann hinzukommen.

Im zweiten Stadium, das in der Regel mindestens vier bis sechs Wochen andauert, kommt es zu krampfartigen Hustenanfällen. Häufig enden die Hustenstöße mit dem typischen keuchenden Einziehen der Luft. Die Hustenanfälle können zum Herauswürgen von zähem Schleim und anschließendem Erbrechen führen. Die Hustenattacken können sehr zahlreich sein und treten gehäuft nachts auf. Fieber fehlt oder ist nur leicht ausgeprägt.

Schließlich klingen die Hustenanfälle über einen Zeitraum von sechs bis zehn Wochen allmählich ab.

Zu den Komplikationen im zweiten Stadium zählen zusätzliche Infektionen, wie eine Mittelohrentzündung oder eine Lungenentzündung. Durch den hohen Druck während der Hustenattacken können Blutungen an der Augenbindehaut oder im Gehirn ausgelöst werden. Es kann auch zu Schädigungen der Lunge kommen. Nabel- und Leistenbrüche können ebenfalls eine Folge sein.

 

Besondere Krankheitsbilder

Im frühen Säuglingsalter äußert sich Keuchhusten häufig uncharakteristisch durch Atemstillstände ("Apnoe"), die typischen Hustenattacken können fehlen. Bei einem Teil der Fälle von plötzlichem Kindstod konnte Keuchhusten als Ursache nachgewiesen werden.

Bei Jugendlichen und Erwachsene verläuft Keuchhusten oft untypisch als lang andauernder Husten, jedoch ohne die charakteristischen Hustenanfälle.

 

Erkennung und Behandlung

Ärzte erkennen Keuchhusten bei Kindern aufgrund der typischen Beschwerden. Endgültige Klarheit bringt eine Spezialuntersuchung aus einem Rachenabstrich. Eine Blutuntersuchung ist im frühen Stadium nicht aussagekräftig und muss daher wiederholt werden.

Untypischer Keuchhusten wird in vielen Fällen nicht erkannt, die Betroffenen können die Erreger dann unbemerkt weiterverbreiten.

Einige spezielle Antibiotika können verhindern, dass eine Kontaktperson an Keuchhusten erkrankt oder zumindest dass sie schwer erkrankt. Dazu müssen die Antibiotika jedoch möglichst früh nach dem Kontakt zu einer ansteckenden Person gegeben werden. Ist der typische Husten einmal ausgebrochen, können Antibiotika den Krankheitsverlauf nicht mehr lindern, wohl aber die Weiterverbreitung des Bakteriums verhindern.

 

Übertragung und Vorkommen

Der Erreger des Keuchhustens kommt weltweit vor und wird durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Gerade zu Beginn der Krankheit, wenn Keuchhusten oft noch nicht erkannt wird, ist die Ansteckungsgefahr extrem hoch.

Ohne flächendeckendes Impfprogramm ist Keuchhusten eine sehr häufige Infektionskrankheit im Kindesalter. Säuglinge sind besonders durch Komplikationen gefährdet. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Anzahl der Todesfälle weltweit auf 300.000 pro Jahr, im Jahr 2008 verstarben 195.000 Kinder unter fünf Jahren an Pertussis.

In Deutschland wurden bis Mitte der 90-er Jahre wegen der schlechten Impfrate bis zu 100.000 Krankheitsfälle jährlich verzeichnet. Seit moderne, sehr gut verträgliche Pertussis-Impfstoffe verfügbar sind, haben die Impfraten wieder zugenommen und die Krankheit ist bei Kindern wesentlich seltener geworden. Doch es lässt sich nicht verhindern, dass die Krankheitserreger weiterhin zirkulieren.

Nach etwa vier bis 12 Jahren lässt der Immunschutz nach. Jugendliche und Erwachsene erkranken inzwischen häufiger und können wiederum noch ungeimpfte Säuglinge anstecken. Ein Drittel bis zu rund der Hälfte aller Säuglinge steckt sich bei den eigenen Eltern an - meist bei der Mutter. Deshalb werden inzwischen Auffrischimpfungen empfohlen.

Seit 2013 ist Keuchhusten in Deutschland meldepflichtig. Im Jahr 2015 wurden rund 9.000 Fälle übermittelt.

 

Vorbeugung

Es ist sinnvoll, Personen, die Kontakt mit Keuchhustenkranken hatten, spezielle Antibiotika zur Prophylaxe zu geben. Die Diagnose wird aber oft erst relativ spät gestellt. Antibiotika sind dann nur noch bedingt wirksam. 

Den besten Schutz vor Keuchhusten bietet die Schutzimpfung. Unser Immunsystem hat jedoch nach einer Impfung - wie auch nach durchgemachter Erkrankung - nur ein begrenztes "Gedächtnis" für die Erreger des Keuchhustens. Daher braucht es eine Erinnerung, das heißt eine Auffrischimpfung. 

Impfung

Impfstoff

Die neuen, azellulären Keuchhusten-Impfstoffe bestehen aus einigen Eiweißen des Bakteriums und sind − im Gegensatz zu den früheren Impfstoffen aus ganzen Pertussis-Bakterien − gut verträglich. Für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es spezielle Kombinationsimpfstoffe zur Grundimmunisierung und Auffrischung.

 

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird in die Muskulatur injiziert (gespritzt). Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Zum Aufbau einer guten Abwehrlage sind vier Impfungen notwendig (drei im Abstand von vier Wochen, die vierte Impfung nach sechs Monaten). Die Impfung gegen Keuchhusten wird im frühen Kindesalter immer als Kombinationsimpfstoff zusammen mit den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Hepatitis B, Polio und Hib gegeben (siehe "Kombinationsimpfstoffe"). Je eine Impfung erfolgt im Alter von 2, 3 und 4 Monaten, eine weitere im Alter zwischen 11 und 14 Monaten.

Eine Auffrischimpfung gegen Pertussis ist dann im Alter von fünf bis sechs Jahren und eine weitere im Alter von neun bis 17 Jahren vorgesehen. Im Erwachsenenalter wird einmalig in Kombination mit der nächsten fälligen Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie und ggf. Poliomyelitis (Kinderlähmung) geimpft.

Einzelimpfstoffe gegen Keuchhusten sind weltweit nicht mehr verfügbar. Es gibt jedoch Daten, die darauf hinweisen, dass bei Jugendlichen, die bislang noch nie gegen Keuchhusten geimpft wurden, eine einzige Impfdosis mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten (Tdap) einen ausreichenden Pertussisimpfschutz erzeugen kann.

Welcher Impfstoff in welchem Alter eingesetzt werden kann, erläutert Ihnen Ihr Arzt/Ihre Ärztin.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Der Impfschutz liegt bei etwa 85 Prozent. Dieser hält in etwa vier bis 12 Jahre an - so lange wie auch die Immunität nach durchgemachter Krankheit.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Keuchhusten-Impfung ist eine allgemeine, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten und einmalig für alle Erwachsenen. Die Grundimmunisierung im Kindesalter umfasst drei Teilimpfungen im Abstand von vier Wochen sowie eine weitere mit elf bis 14 Monaten (mindestens sechs Monate später). Mit fünf bis sechs Jahren, am besten noch vor Eintritt in die Schule, soll der Impfschutz gegen Keuchhusten aufgefrischt werden ? zusammen mit dem Impfschutz gegen Tetanus und Diphtherie. Zwischen dem 9. und 18. Geburtstag sind diese Auffrischimpfungen erneut vorgesehen und zusätzlich die Auffrischimpfung gegen Polio. Bislang ungeimpfte Kinder und Jugendliche sollten die Impfungen nachholen lassen.

Alle Erwachsenen sollen möglichst mit der nächsten Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie und/oder Polio einmalig auch gegen Keuchhusten geimpft werden.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt Frauen im gebärfähigen Alter, sich alle zehn Jahre gegen Pertussis impfen zu lassen, und zwar unabhängig davon, ob ein konkreter Kinderwunsch besteht oder nicht. Ist ein Kind unterwegs, ist es auch an der Zeit, dass der Papa, Geschwister und andere enge Kontaktpersonen (z. B. Großeltern, Babysitter, Tagesmütter), die in den letzten zehn Jahren nicht geimpft wurden, möglichst vier Wochen vor der Geburt des Kindes ebenfalls einen aktuellen Keuchhusten-Impfschutz erhalten. Ziel ist es, das Neugeborene vor einer eventuellen Ansteckung zu schützen. Sollte die Impfung versäumt worden sein, kann auch noch nach der Geburt geimpft werden.

Als Arbeitsschutzmaßnahme empfohlen wird die Pertussis-Impfung auch für Personal im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Altenheimen, sofern in den letzten 10 Jahren keine Keuchhusten-Impfung erfolgt ist. Bitte vorher die Erstattung mit dem Arbeitgeber klären.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannten Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufig schmerzt die Impfstelle, schwillt an oder rötet sich. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an oder die gesamte Gliedmaße, in die geimpft wurde, ist von einer Schwellung betroffen. Grippeähnliche Symptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit können auftreten. Auch Magen-Darm-Beschwerden (Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) sind möglich. Solche Reaktionen werden eher nach der vierten und fünften Impfstoffgabe beobachtet. Selten kommt es bei sehr jungen Kindern nach der Impfung zu länger anhaltendem schrillen Schreien.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Wie bei vielen Impfstoffen ist in seltenen Fällen eine allergische Reaktion möglich.

In einzelnen Fällen kann im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind ein Fieberkrampf auftreten. Er bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kommt es nach dieser Impfung zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE). Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück. Auch diese Kinder sollten vollständig geimpft werden.

Sehr selten sind Erkrankungen des Nervensystems außerhalb von Gehirn und Rückenmark beschrieben worden. Dies äußerte sich z.B. durch Lähmungen, Missempfindungen, Erschöpfungszustände, Übererregbarkeit oder fortschreitende Ausfälle.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

24.04.2017 / MK
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