Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis)

Krankheitsbild

Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die mit Anzeichen einer einfachen Erkältung beginnt und dann in ein Stadium schwerer krampfartiger Hustenanfälle übergeht. Wochen bis Monate später klingen die Symptome allmählich wieder ab.

Übertragung und Vorkommen

Der Keuchhusten-Erreger wird durch Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen.

Der Erreger kommt auf der ganzen Welt vor.

Vorbeugung

Personen, die Kontakt mit Keuchhustenkranken hatten, können kurz danach spezielle Antibiotika zur Vorbeugung erhalten. Den bestmöglichen Schutz bietet aber die Impfung.

Impfstoff

Kombinationsimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

Grundimmunisierung für Säuglinge ab einem Alter von zwei Monaten (bevorzugt mit Sechsfach-Impfstoff); Auffrischimpfung für Kinder im Alter zwischen fünf und sechs Jahren (als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung) sowie Auffrischimpfung für Jugendliche zwischen neun und 17 Jahren (als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Kombinationsimpfung);

im Erwachsenenalter einmalige Impfung (als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung oder bei Bedarf als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Kombinationsimpfung) bzw. für Frauen im gebärfähigen Alter, enge Kontaktpersonen von Säuglingen sowie Personal im Gesundheitsdienst und in Gemeinschaftseinrichtungen Auffrischimpfung alle zehn Jahre

 

Unser Rat für Sie:

Säuglinge, Vorschulkinder sowie alle Jugendlichen und Erwachsenen, insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter, sollten ausreichend gegen Keuchhusten geimpft sein.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Keuchhusten (Pertussis)

Symptome und Verlauf

Keuchhusten (Pertussis) kann in verschiedenen Formen auftreten. Ein typischer Verlauf wird bei älteren Säuglingen, Klein- und Schulkindern beobachtet. Untypische Krankheitsbilder findet man im frühen Säuglingsalter sowie bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Erste Krankheitszeichen treten ein bis drei Wochen nach der Ansteckung auf.

 

Typischer Verlauf

Keuchhusten (Pertussis) verläuft typischerweise in drei Stadien:

Zunächst stehen für ein bis zwei Wochen erkältungsähnliche Beschwerden wie Schnupfen und leichter Husten im Vordergrund, mäßiges Fieber kann hinzukommen (Stadium catarrhale).

Im zweiten Stadium (Stadium convulsivum), das in der Regel mindestens vier bis sechs Wochen andauert, kommt es zu krampfartigen Hustenanfällen. Häufig enden die Hustenstöße mit dem typischen keuchenden Einziehen der Luft. Die Hustenanfälle können zum Herauswürgen von zähem Schleim und anschließendem Erbrechen führen. Die Hustenattacken können sehr zahlreich sein und treten gehäuft nachts auf. Fieber fehlt oder ist nur leicht ausgeprägt.

Schließlich klingen die Hustenanfälle über einen Zeitraum von sechs bis zehn Wochen allmählich ab (Stadium decrementi).

 

Besondere Krankheitsbilder

Bei Säuglingen ist das Krankheitsbild häufig nicht charakteristisch. Nicht selten stehen Atemstillstände (Apnoen) im Vordergrund, die zum Tod führen können.

Bei Jugendlichen und Erwachsene verläuft Keuchhusten oft als lang andauernder Husten, jedoch ohne die typischen Hustenanfälle.

Säuglinge haben das höchste Risiko für schwere Komplikationen. Ein hoher Anteil aller Krankenhausbehandlungen und fast alle Todesfälle betreffen junge, ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten. Die häufigste Komplikation ist eine Lungenentzündung, meist durch eine zusätzliche Infektion mit weiteren bakteriellen Erregern. Auch Mittelohrentzündungen sind nicht selten. Durch den hohen Druck während der Hustenattacken können Blutungen an der Augenbindehaut oder sogar im Gehirn ausgelöst werden, es kann außerdem zu Rippenbrüchen und Leistenbrüchen kommen.

 

Erkennung und Behandlung

Ärztinnen und Ärzte erkennen Keuchhusten bei Kindern aufgrund der typischen Beschwerden. Ein Verdacht wird durch Laboruntersuchungen bestätigt.

Untypischer Keuchhusten wird in vielen Fällen nicht erkannt, die Betroffenen können die Erreger dann unbemerkt weiterverbreiten.

Zur Behandlung werden Antibiotika eingesetzt, die bei Verdacht auf Pertussis so früh wie möglich verabreicht werden sollten. Werden Antibiotika erst gegeben, wenn bereits die typischen Hustenattacken auftreten, können sie den Krankheitsverlauf zwar nicht mehr lindern, aber die Weiterverbreitung des Bakteriums unterbinden.

Bei Säuglingen wird eine stationäre Aufnahme zur Überwachung von Apnoen empfohlen.

 

Übertragung und Vorkommen

Der Erreger des Keuchhustens (Bordetella pertussis) kommt weltweit vor. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen. Eine Ansteckungsgefahr besteht bereits kurz vor Auftreten der Krankheitszeichen und ist während der ersten beiden Wochen der Erkrankung am höchsten, wenn der Keuchhusten oft noch nicht erkannt wird.

Durch weltweite Impfprogramme konnten große Erfolge bei der Eindämmung schwerer Keuchhusten-Infektionen im Kindesalter erzielt werden. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO konnten durch Impfungen gegen Pertussis beispielsweise im Jahr 2008 weltweit rund 687.000 Todesfälle vermieden werden.

In Deutschland starben vor der Einführung einer Impfung im Jahr 1955 jährlich mehr als 20.000 Kinder an Keuchhusten. Anfang der 1970er Jahre galt Keuchhusten als nahezu besiegt. Nachdem die reguläre Impfung mit dem damals verfügbaren Impfstoff aufgrund gemeldeter Nebenwirkungen in den westlichen Bundesländern ausgesetzt wurde, nahmen die Pertussisfälle bis Anfang der 1990er Jahre wieder drastisch zu. Seit 1994 Impfungen mit modernen azellulären Pertussis-Impfstoffen für alle Kinder empfohlen werden, ist Keuchhusten im frühen Kindesalter wesentlich seltener geworden.

Der Anteil Jugendlicher und Erwachsener an den Krankheitsfällen nimmt in den letzten Jahren zu, da es hier große Lücken in der Umsetzung der inzwischen empfohlenen Auffrischimpfungen gibt. Dies trägt dazu bei, dass der Keuchhusten-Erreger trotz hoher Impfraten im Säuglings- und Kleinkindalter weiter in der Bevölkerung zirkuliert und auch sehr junge Säuglinge gefährdet, die selbst noch nicht geimpft werden können.

Seit 2013 ist Keuchhusten in Deutschland meldepflichtig. Im Jahr 2015 wurden 9.000 Keuchhusten-Fälle übermittelt.

 

Vorbeugung

Den besten Schutz vor Keuchhusten bietet die Schutzimpfung. Unser Immunsystem hat jedoch nach einer Impfung - wie auch nach durchgemachter Erkrankung - nur ein begrenztes "Gedächtnis" für die Erreger des Keuchhustens. Daher braucht es eine Erinnerung, das heißt Auffrischimpfungen.

Ungeimpfte enge Kontaktpersonen von Keuchhusten-Erkrankten sollten frühzeitig Antibiotika zur Vorbeugung erhalten. Geimpfte Kontaktpersonen sind zwar weitgehend geschützt, können aber von dem Erreger vorübergehend besiedelt werden und diesen weiterverbreiten. Daher sollten auch diese vorsichtshalber vorbeugend Antibiotika einnehmen, wenn sich in ihrer Umgebung besonders gefährdete Menschen wie zum Beispiel ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Säuglinge aufhalten.

Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis)

Impfstoff

Die modernen, azellulären Keuchhusten-Impfstoffe bestehen aus einigen Eiweißen des Bakteriums und sind wesentlich besser verträglich als der frühere Ganzkeimimpfstoff. Für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es verschiedene Kombinationsimpfstoffe mit Keuchhusten-Komponente zur Grundimmunisierung und Auffrischung.

 

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird in der Regel in die Muskulatur injiziert (gespritzt). Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Zur Grundimmunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter wird bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem außer gegen Keuchhusten (Pertussis) gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft wird. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt vier Teilimpfungen: Die ersten drei Impfungen erfolgen in mindestens vierwöchigen Abständen mit vollendetem zweiten, dritten und vierten Lebensmonat. Die vierte Teilimpfung wird mit einem Abstand von mindestens sechs Monaten im Alter von 11 bis 14 Monaten gegeben.

Eine Auffrischimpfung gegen Pertussis ist dann im Alter von fünf bis sechs Jahren (als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung) und eine weitere im Alter von neun bis 17 Jahren (als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Kombinationsimpfung) erforderlich.

Im Erwachsenenalter wird in Kombination mit der Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und ggf. Kinderlähmung (Polio) geimpft.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Der Impfschutz liegt bei etwa 85 Prozent. Dieser hält in etwa vier bis 12 Jahre an - so lange wie auch die Immunität nach durchgemachter Krankheit.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Keuchhusten-Impfung ist eine allgemeine, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder ab einem Alter von zwei Monaten und einmalig für alle Erwachsenen. Mit fünf bis sechs Jahren - am besten noch vor Eintritt in die Schule - sowie im Alter von neun bis 17 Jahren sollte die Keuchhusten-Impfung aufgefrischt werden. Versäumte Impfungen sollten baldmöglichst nachgeholt werden.

Alle Erwachsenen sollten möglichst mit der nächsten Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und ggf. Polio einmalig auch gegen Keuchhusten geimpft werden.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt außerdem Frauen im gebärfähigen Alter, sich gegen Pertussis impfen zu lassen, wenn die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurück liegt. Enge Kontaktpersonen eines Neugeborenen wie Eltern, Geschwister, Großeltern, Babysitter oder Tagesmütter, die in den letzten zehn Jahren nicht geimpft wurden, sollten möglichst vier Wochen vor der Geburt des Kindes ebenfalls einen aktuellen Keuchhusten-Impfschutz erhalten. Nicht ausreichend geimpfte Mütter sollten in den ersten Tagen nach der Geburt des Kindes geimpft werden.

Als Arbeitsschutzmaßnahme empfohlen wird eine Pertussis-Impfung auch für Personal im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen, sofern in den letzten 10 Jahren keine Keuchhusten-Impfung erfolgt ist.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufige Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff sind Schwellungen, Rötungen und Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle. Gelegentlich schwellen Lymphknoten in der Nähe mit an oder die gesamte Gliedmaße, in die geimpft wurde, ist von einer Schwellung betroffen. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind möglich. Bei der Impfung von Säuglingen und Kleinkindern kann es zu ungewöhnlichem Schreien, Unruhe und Reizbarkeit kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

 

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen ist in seltenen Fällen eine allergische Reaktion möglich.

In einzelnen Fällen kann im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind ein Fieberkrampf auftreten. Dieser bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kann es nach der Impfung gegen Keuchhusten zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE) kommen. Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht, wenn es angesprochen wird. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie vor der Impfung individuell beraten und ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

19.06.2017 / MK
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