Meningokokken-Impfung

Krankheitsbild

Meningokokken können vor allem eine bakterielle Hirnhautentzündung sowie eine Blutvergiftung verursachen. Eine Erkrankung kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden.

Kopfschmerzen, Fieber und schweres Krankheitsgefühl sind oft erste Zeichen für eine Infektion mit Meningokokken, bei einer Hirnhautentzündung auch Erbrechen und Nackensteifigkeit. Später können rote Hautflecken hinzukommen. Auch eine Bewusstseinstrübung kann eintreten. In schweren Fällen drohen Herz-Kreislauf-Versagen und die Erkrankung kann tödlich verlaufen.

Übertragung und Vorkommen

Meningokokken (Neisseria meningitidis) werden durch direkten Kontakt oder durch Tröpfcheninfektion z. B. beim Husten und Niesen übertragen.

Die Erreger sind weltweit verbreitet. Es werden verschiedene Untergruppen, sogenannte Serogruppen, unterschieden, die mit Buchstaben bezeichnet werden, z.B. Meningokokken A, B, C, W oder Y.

Vorbeugung

Den bestmöglichen Schutz vor Menningokokken-Erkrankungen bietet die Impfung.

Impfstoff

Verschiedene Impfstoffe zur Injektion (in der Spritze), die sich gegen unterschiedliche Meningokokken-Serogruppen richten

Impfempfehlung

Routineimpfung gegen Meningokokken C für alle Kinder ab dem Alter von 12 Monaten; bei erhöhtem Risiko Impfung mit ACWY-Konjugatimpfstoff sowie Meningokokken-B-Impfung

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie auf einen möglichst frühzeitigen Impfschutz für Ihr Kind gegen Meningokokken C.

Ihr Arzt/Ihre Ärztin oder das Gesundheitsamt berät Sie, ob für Ihr Kind oder Sie selbst zudem Impfungen gegen weitere Meningokokken-Serogruppen empfehlenswert sind.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild Meningokokken-Infektionen

Symptome und Verlauf

Meningokokken (Neisseria meningitidis) können sich im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln, häufig ohne Beschwerden zu verursachen.

Wenn sich die Bakterien im Körper verbreiten, kommt es zu einer invasiven Meningokokken-Infektion. Meningokokken-Erkrankungen verlaufen in etwa zwei Drittel der Fälle als Hirnhautentzündung (Meningitis), in etwa einem Drittel der Fälle als Blutvergiftung (Sepsis). Mischformen sind möglich.

Bei einer Meningokokken-Erkrankung kommt es - häufig nach anfänglichen Beschwerden im Nasen-Rachen-Raum - sehr plötzlich zu Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel und schwerem Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Stunden kann sich ein lebensbedrohliches Krankheitsbild entwickeln. Charakteristisch sind punktförmige oder flächige Einblutungen an der Haut. Fleckige Hautausschläge mit kleinen Knötchen können zusätzlich auftreten.

Bei einer Meningitis (Hirnhautentzündung) sind weitere Krankheitszeichen Erbrechen und Nackensteifigkeit. Es kann zu Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma kommen. Nach einer Meningitis können Komplikationen wie Hirnnervenlähmungen, Krampfanfälle, Einschränkungen des Intellekts, Lernschwierigkeiten oder Schädigungen des Innenohrs bis zur Taubheit auftreten.

Bei septischen Verläufen kommt es zu Blutdruckabfall, schweren Störungen der Blutgerinnung und Organversagen. In 10 bis 15 Prozent tritt ein Waterhouse-Friderichsen-Syndrom auf, das mit lebensbedrohlichen Einblutungen in die Nebennierenrinde einhergeht. Mögliche Komplikationen einer Sepsis sind auch das Absterben von Gliedmaßen, die eine Amputation erforderlich machen können.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Krankheitszeichen oft weniger deutlich. Es können Fieber, Erbrechen, Reizbarkeit oder auch Schläfrigkeit, Krämpfe, Aufschreien sowie eine vorgewölbte oder harte Fontanelle (Spalte zwischen den Schädelplatten von Säuglingen) auftreten. Die Nackensteifigkeit kann fehlen.

Die Sterblichkeit bei Meningokokken-Meningitis liegt in Deutschland bei ca. 1 Prozent und bei einer Sepsis bei ca. 13 Prozent, an einer Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom verstirbt etwa jeder Dritte.

 

Erkennung und Behandlung

Da verschiedene Viren und Bakterien ähnliche Krankheitszeichen hervorrufen können, ist bei Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion eine schnelle Diagnostik und Behandlung erforderlich. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind oder Sie selbst an einer Meningokokken-Infektion erkrankt sind, suchen Sie sofort einen Arzt/eine Ärztin oder eine Klinik auf!

Die Sicherung der Diagnose erfolgt vor allem durch Nachweis des Erregers in Proben von Hirnwasser (Liquor) oder Blut.

Gegen die Meningokokken-Infektion werden Antibiotika eingesetzt. Eine intensivmedizinische Betreuung und weitere Maßnahmen zur Behandlung von Komplikationen können erforderlich sein.

 

Übertragung und Vorkommen

Meningokokken (Neisseria meningitidis) können bei engem Kontakt direkt oder durch Tröpfcheninfektion, also beim Sprechen, Husten und Niesen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Außerhalb des Körpers sterben die Bakterien rasch ab.

Meningokokken werden aufgrund unterschiedlicher Oberflächenstrukturen in verschiedene Untergruppen (Serogruppen) unterteilt, die mit Buchstaben gekennzeichnet werden. Die Serogruppen A, B, C, W, X und Y verursachen fast alle Meningokokken-Erkrankungen weltweit. Ihr Vorkommen ist regional unterschiedlich (siehe Karte).

Zu großen Epidemien, vor allem durch Meningokokken A, aber auch durch W und X, kam es in den vergangenen Jahrzehnten vor allem im sogenannten Meningitisgürtel der Subsaharazone und in Asien. Ausbrüche durch Meningokokken B traten in den letzten Jahrzehnten in Europa (Island, Norwegen, Irland, Spanien, den Niederlanden), den USA, Mittelamerika und Neuseeland auf.

In westlichen Industrieländern werden die meisten Meningokokken-Erkrankungen durch die Serogruppen B und C verursacht, in den USA aber auch 20 bis 30 Prozent durch die Serogruppe Y.

In Deutschland kam es im Jahr 2016 zu 338 Fällen einer invasiven Meningokokken-Infektion. Ein Drittel trat im ersten Quartal des Jahres auf. Ein Häufigkeitsgipfel war bei Säuglingen zu verzeichnen, ein weiterer kleinerer in der Altersgruppe der 15- bis 19jährigen. Unter den Fällen, für die eine Bestimmung der Serogruppe vorlag, waren 58 Prozent durch Meningokokken B, 21 Prozent durch Meningokokken C, 11 Prozent durch Meningokokken Y und 9 Prozent durch Meningokokken W verursacht.

Seitdem eine Impfung gegen Menigokokken C empfohlen wird, hat sich der Anteil der Erkrankungen durch diesen Erreger vor allem bei Kleinkindern verringert.

 

Vorbeugung

Zum längerfristigen Schutz vor Meningokokken-Erkrankungen stehen Impfungen zur Verfügung.

Impfung gegen Meningokokken

Impfstoff

Zur Routineimpfung aller Kinder gegen Meningokokken C werden sogenannte konjugierte Impfstoffe verwendet. Bei diesen Konjugatimpfstoffen sind die Teile der Bakterienhülle zusätzlich an ein Eiweiß gebunden. So verändert, ist dieser Impfstoff in der Lage, auch das Immunsystem von Säuglingen und Kleinkindern anzuregen und somit einen Impfschutz aufzubauen. Diese Impfstoffe sind ab einem Alter von 2 Monaten zugelassen.

ACWY-Konjugatimpfstoffe sind je nach Impfstoff ab dem Alter von 6 Wochen bzw. 2 Jahren zugelassen.

Gegen Meningokokken B steht ein Impfstoff zur Verfügung, der ab einem Alter von 2 Monaten zugelassen ist. Dieser Impfstoff enthält Bestandteile des Bakteriums Neisseria meningitidis Gruppe B, und zwar vier Eiweiße (Proteine), die sich an der Zelloberfläche des Bakteriums befinden. Der Impfstoff ist adsorbiert, das heißt, die Proteine sind an eine Verbindung angekoppelt, um eine stärkere Immunreaktion zu stimulieren.

Außerdem ist gegen Meningokokken B ein weiterer Impfstoff ab dem Alter von 10 Jahren zugelassen. Dieser enthält als Bestandteile zwei Proteine, die in der äußeren Hülle von Neisseria-meningitidis-Bakterien der Gruppe B vorliegen. Diese Proteine sind ebenfalls adsorbiert.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Impfstoffe werden in einen Muskel gespritzt.

Für die von der Ständigen Impfkommission STIKO empfohlene Standardimpfung zum Schutz von Kleinkindern gegen Meningokokken C wird zu Beginn des zweiten Lebensjahrs eine einmalige Injektion mit Konjugatimpfstoff verabreicht. Auch bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen reicht eine einmalige Impfung aus.

Besonders gefährdete Säuglinge können schon vor dem ersten Geburtstag (ab dem Alter von 2 Monaten) Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff erhalten. Bei einer Grundimmunisierung im Alter zwischen 2 und 4 Monaten bzw. 2 und 12 Monaten (je nach Impfstoff) sind zwei Dosen im Abstand von mindestens 2 Monaten notwendig. Bei einer Grundimmunisierung vor dem ersten Geburtstag ist eine Auffrischimpfung erforderlich. Die Notwendigkeit für eine Auffrischimpfung bei einer Grundimmunisierung ab 12 Monaten ist nicht erwiesen.

Mit Meningokokken-B-Impfstoff, der ab dem Alter von 2 Monaten zugelassen ist, erfolgt die Grundimmunisierung im Alter von 2 bis 5 Monaten mit drei Dosen im Abstand von einem Monat. Im Alter von 3 bis 5 Monaten sind auch zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei Monaten möglich. Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhalten zur Grundimmunisierung zwei Dosen. Bei Impfung bis zum Alter von 23 Monaten beträgt der Mindestabstand 2 Monate, bei älteren einen Monat. Kinder, die bis zu einem Alter von 23 Monaten gegen Meningokokken B grundimmunisiert wurden, sollten eine Auffrischimpfung erhalten. Bei Personen, die in einem späteren Alter erstmalig geimpft wurden, ist die Notwendigkeit einer Auffrischimpfung nicht bekannt.

Mit dem Meningokokken-B-Impfstoff, der ab dem Alter von 10 Jahren zugelassen ist, kann entweder mit zwei Dosen (im Abstand von mindestens 6 Monaten) oder mit drei Dosen (im Abstand von mindestens einem Monat zwischen den ersten beiden und mindestens weiteren 4 Monaten zur dritten Dosis) geimpft werden. Bei erhöhtem Risiko für invasive Meningokokken-Erkrankungen kann eine spätere zusätzliche Auffrischimpfung erwogen werden.

Für die ACWY-Impfung sind je nach Impfstoff und Alter des Geimpften verschiedene Impfschemata vorgesehen.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Groß angelegte Impfprogramme gegen Meningokokken C bei Kindern und Jugendlichen haben beispielsweise in England Erkrankungen durch diesen Erreger fast zum Verschwinden gebracht.

Je nach Alter des Geimpften und Serogruppe werden von 65 bis 100 Prozent der mit Konjugatimpfstoff Geimpften schützende Antikörper gegen A, C, W und Y gebildet.

Nach einer Grundimmunisierung gegen Meningokokken B entwickeln 84 bis 100 Prozent der Geimpften schützende Antikörper.

Anmerkung: Die vorhandenen Impfstoffe schützen nicht vor jedem Meningokokken-Typ, sondern nur gegen die im Impfstoff enthaltenen Serogruppen.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Meningokokken C ist eine allgemein von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Kinder möglichst früh nach dem ersten Geburtstag. Falls die Impfung gegen Meningokokken C versäumt wurde, sollte sie baldmöglichst bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die Meningokokken-B-Impfung wird derzeit in Deutschland von der Ständigen Impfkommission STIKO nicht standardmäßig empfohlen.

Die Impfung gegen Meningokokken B sowie die Impfung mit ACWY-Konjugatimpfstoff empfiehlt die STIKO für Menschen mit erhöhtem Risiko. Dazu zählen gesundheitlich besonders gefährdete Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche (z.B. bei fehlender Milz) sowie gefährdetes Laborpersonal.

Eine Reiseimpfung mit ACWY-Konjugatimpfstoff wird empfohlen für Reisende in Länder, in denen diese Infektionen regelmäßig auftreten, besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, ebenso für Pilgerreisende nach Mekka.

Schüler/innen oder Studierende sollten sich vor Langzeitaufenthalten entsprechend den Empfehlungen der Zielländer impfen lassen.

Reisende sollten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für ihr Zielland beachten.

 

Impfung bei Krankheitsfällen

Wer engen Kontakt zu einem Erkrankten mit einer invasiven Meningokokken-Infektion hatte, erhält vorsorglich Antibiotika, um den Erreger zu eliminieren.

Ungeimpfte enge Kontaktpersonen sollten zusätzlich so bald wie möglich eine postexpositionelle Impfung entsprechend der ursächlichen Meningokokken-Serogruppe erhalten.

Bei Ausbrüchen oder regionalen Häufungen können von den Gesundheitsbehörden weitere Empfehlungen ausgesprochen werden.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile darf nicht geimpft werden.

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Impfung zu verschieben.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Meningokokken zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Häufig kommt es an der Impfstelle zu einer Rötung oder Schwellung, die schmerzen oder sich verhärten kann. Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl, Reizbarkeit, Schläfrigkeit oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Sehr selten können allergische Reaktionen wie Nesselsucht bis hin zum allergischen Schock auftreten. In Einzelfällen kann es auch zu (Fieber-)Krämpfen kommen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Der Arzt bzw. die Ärztin wird Sie individuell beraten und vor einer Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter "Information vor der Impfung".

27.08.2018 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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