Impfung gegen Pocken (Variola)

Krankheitsbild

Die Pocken (Variola) waren eine hochansteckende, lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die mit Fieber und einem typischen Hautausschlag einherging.
Übertragung und Vorkommen Seit 1980 gelten die Pocken beim Menschen weltweit für ausgerottet. Eine Ansteckung ist heute nicht möglich.
Vorbeugung

Heute besteht für Impfungen und andere vorbeugende Maßnahmen gegen Pocken keine Notwendigkeit.

Impfstoff

In Deutschland ist kein Pocken-Impfstoff mehr im Handel erhältlich. Die Regierungen vieler Länder, so auch in Deutschland, lagern jedoch vorsorglich Impfstoff.

Impfempfehlung

Gegen Pocken wird allgemein keine Impfung mehr empfohlen. 

 

Unser Rat für Sie:

Derzeit ist es weder sinnvoll noch möglich, sich in Deutschland gegen Pocken impfen zu lassen.

Wenn Sie noch mehr zu diesem Thema wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Weitere Informationen zu Pocken beim Menschen sowie zu Tierpocken bieten auch die Internetseiten des Robert Koch-Instituts (RKI).

Krankheitsbild Pocken (Variola)

Symptome und Verlauf

Pocken werden durch das Variola-Virus ausgelöst. Etwa 12 bis 14 Tage nach der Ansteckung treten zuerst unspezifische Allgemeinsymptome auf, insbesondere plötzliches hohes Fieber sowie Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen. Nach 2 bis 4 Tagen zeigt sich dann der typische Hautausschlag. Er beginnt zunächst mit kleinen roten Punkten auf der Zunge und im Mund und breitet sich dann ausgehend vom Gesicht, den Armen und Beinen über den ganzen Körper aus. Es entstehen erhabene, flüssigkeitsgefüllte Flecken (Papeln) mit rötlichem Rand, aus denen sich schließlich eitergefüllte Bläschen (Pusteln) entwickeln. Diese trocknen in den folgenden Tagen ab, verkrusten und hinterlassen meist Narben. Etwa vier Wochen nach dem ersten Ausschlag sind alle Krusten abgefallen.

Etwa 3 von 10 Erkrankten verstarben an den Pocken

 

Erkennung und Behandlung

Der Hautausschlag ist typisch und würde bei den entsprechenden Umständen den Verdacht auf Pocken nahelegen.

Verwechslungsgefahr bei der Diagnose besteht vor allem mit schweren Windpocken, bei denen jedoch stets unterschiedliche Stadien des Hautausschlags (Papeln, Bläschen und Krusten) gleichzeitig zu beobachten sind. Außerdem bleiben die Handinnenflächen und Fußsohlen bei den Windpocken meist frei von Papeln.

Eine labordiagnostische Bestätigung der Pocken wäre in Speziallabors schnell und zuverlässig möglich und würde unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt.

Im Krankheitsfall erfolgt die Behandlung in erster Linie symptomatisch, das heißt, der Hautausschlag und das Fieber werden mit entsprechenden Medikamenten behandelt. Eine etablierte Therapie gegen das Pocken-Virus selbst steht nicht zur Verfügung. Neuere Medikamente zur Bekämpfung von Viren, die seit der Pockenausrottung für andere Krankheiten entwickelt wurden, könnten gegebenenfalls auch gegen Pocken eingesetzt werden. Deren Wirksamkeit bei Pocken-Erkrankungen ist jedoch nicht erprobt.

 

Übertragung und Vorkommen

Der einzige natürliche Wirt des Variola-Virus ist der Mensch. Das Menschenpocken-Virus (Orthopoxvirus variola) kann durch Tröpfcheninfektion über die Atemluft sowie Kontakt mit der Haut übertragen werden, aber auch durch Wäsche und persönliche Gegenstände eines Erkrankten.  

Die Ansteckungsfähigkeit beginnt manchmal mit Einsetzen des Fiebers, ist aber am höchsten, wenn der Hautausschlag auftritt und endet erst, wenn auch die letzten Krusten abgefallen sind.

Die Pocken-Bekämpfung gehört zu den großen medizinischen Erfolgsgeschichten der Menschheit: 1980 konnten die Pocken von der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit für ausgerottet erklärt werden - ein Verdienst der weltweiten Impfkampagne. Soweit bekannt, ist das Pocken-Virus nur noch in zwei Hochsicherheitslaboratorien in den USA und in Russland vorhanden.

Bei Auftreten von Pocken würden Gesundheitsbehörden und Krisenstäbe sofort aktiv werden und Maßnahmen gegen die Ausbreitung ergreifen.  

 

Vorbeugung

Bei einer akuten Bedrohung wäre neben Maßnahmen wie der Isolierung von Erkrankten der wichtigste Schutz die Impfung.

Impfung gegen Pocken (Variola)

Impfstoff

Derzeit steht in Deutschland kein Pocken-Impfstoff zur allgemeinen Anwendung zur Verfügung. Für den Fall einer akuten Bedrohung, beispielsweise durch einen bioterroristischen Angriff, hat die Bundesregierung jedoch eine ausreichende Menge Pocken-Impfstoff eingelagert. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff, der nicht das Variola-Virus enthält. Geimpft wird mit einem nah verwandten Virus, dem so genannten Vaccinia-Virus. Es gehört ebenfalls zu den Orthopox-Viren, kann aber nicht die typischen Pocken hervorrufen. Die Verwandtschaft beider Erreger ist so groß, dass eine Impfung mit Vaccinia-Viren auch gegen Variola-Viren und damit gegen die Pocken schützt.

Anwendung des Impfstoffs

Der Pocken-Impfstoff wird mit einer speziellen Nadel in die Haut des Oberarms gegeben. Dazu wird die Nadel mit einem Tropfen Impfstoff benetzt und dann etwa 15 Mal innerhalb von Sekunden oberflächlich in die Haut gestochen. Nach erfolgreicher Impfung erscheint nach einigen Tagen eine rote, juckende Papel an der Impfstelle. Diese entwickelt sich zu einer flüssigkeitsgefüllten Blase, welche nach etwa 1 bis 2 Wochen abtrocknet und verkrustet. Um eine Weiterverbreitung der Impf-Viren auf andere Körperregionen oder andere Menschen zu vermeiden, sollte die Impfstelle abgedeckt und nicht berührt werden.

An der Impfstelle bleibt eine kleine Narbe zurück. Bei vielen Menschen, die früher gegen Pocken geimpft wurden, ist diese noch heute sichtbar.

Die Impfung gegen Pocken könnte auch nach Erregerkontakt verabreicht werden und sollte dann möglichst innerhalb von drei Tagen erfolgen. Eine Erkrankung kann durch die postexpositionelle Impfung nicht immer verhindert werden, der Krankheitsverlauf wird jedoch abgeschwächt.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Wirksamkeit des Pocken-Impfstoffs lässt sich aus den Erfahrungen der früheren Jahre ableiten. Demnach schützt die Impfung etwa 95 Prozent der Geimpften vor einer Pocken-Infektion und der Schutz hält etwa 3 bis 5 Jahre an. Danach geht die Schutzwirkung zurück. Nach einer erneuten Impfung besteht ein länger anhaltender Schutz.

 

Wer geimpft sein sollte

Zurzeit wird die Impfung nicht empfohlen. Der Impfstoff ist auch nicht käuflich zu erwerben. Im Fall einer akuten Bedrohung würde die Impfung staatlicherseits empfohlen oder sogar angewiesen und würde dann in zu diesem Zweck speziell eingerichteten Impfstellen durchgeführt werden.

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Aufgrund der Schwere einer Pocken-Erkrankung und der hohen Sterblichkeit würde im akuten Gefährdungsfall nur in Ausnahmefällen von einer Impfung abgeraten. Insbesondere bei Menschen mit Hauterkrankungen oder Immunschwäche müssten Nutzen und Risiken einer Impfung individuell abgewogen werden, da es bei den Betroffenen zu starken Nebenwirkungen kommen kann. Schwangere und stillende Frauen sowie Säuglinge unter 12 Monaten sollten möglichst nicht geimpft werden.

Weitere Informationen finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu erwarten sind Reaktionen an der Impfstelle, die anzeigen, dass die Pocken-Impfung wirkt.

Zudem kann der Arm, in den geimpft wurde, schmerzen und sich röten, die Lymphknoten unter der Achsel können anschwellen, leichtes Fieber kann auftreten und das Allgemeinbefinden kann beeinträchtigt sein. Diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel ohne Behandlung wieder ab.

In der Vergangenheit entwickelte einer von 1.000 Geimpften schwere Nebenwirkungen. Dazu zählten allergische Reaktionen. Das Impf-Virus konnte auch bei Berühren der Impfstelle über die Hände auf andere Körperregionen oder andere Menschen übertragen werden. Gelangte das Impf-Virus an die Augen, konnte es zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens kommen.

Bei 14 bis 52 von einer Million Menschen, die erstmalig gegen Pocken geimpft wurden, traten lebensbedrohliche Nebenwirkungen auf. Vor allem bei vorbestehenden Ekzemerkrankungen konnte es bei Geimpften oder engen Kontaktpersonen, die mit der Impfstelle in Berührung kamen, zu einer schweren Hauterkrankung kommen. Auch Entzündungen des Gehirns oder des Herzens traten auf. Pro einer Million Geimpfter musste mit 1 bis 2 Todesfällen infolge der Pocken-Impfung gerechnet werden.

28.03.2018 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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