Rotavirus-Impfung

Krankheitsbild

Rotaviren zählen zu den häufigsten Ursachen für Durchfall im Kindesalter weltweit.

Die Erkrankung beginnt meist plötzlich mit Erbrechen und wässrigen Durchfällen und ist oft von leichtem Fieber begleitet. Die Magen-Darm-Beschwerden dauern in der Regel 2 bis 6 Tage an. Schnupfen oder Husten können hinzukommen.

Es erkranken vorwiegend Säuglinge und Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren. Bei ihnen kann Brechdurchfall schnell zu einer gefährlichen Austrocknung führen, die eine Flüssigkeitsgabe im Krankenhaus erforderlich macht.

Erkennung und Behandlung

Der Erreger wird üblicherweise im Stuhl nachgewiesen.

Wichtigste Behandlungsmaßnahme ist eine rechtzeitige und ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr.

Übertragung und Vorkommen

Rotaviren werden hauptsächlich durch eine Schmierinfektion übertragen. Der Erreger kommt weltweit vor.

Vorbeugung

Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Desinfektion können Rotavirus-Erkrankungen zwar eindämmen, aber nicht zuverlässig verhindern. Um schweren Erkrankungen vorzubeugen, wird im Säuglingsalter eine Impfung empfohlen.

Impfstoff

Es gibt verschiedene Schluckimpfstoffe.

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrem Kind auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz. Die Impfung wird ab einem Alter von sechs Wochen empfohlen und erfolgt je nach Impfstoff mit zwei oder drei Dosen. Die Impfserie sollte möglichst frühzeitig begonnen und abgeschlossen werden. Die Impfserie muss je nach verwendetem Impfstoff spätestens bis zum Alter von 24 bzw. 32 Wochen beendet sein.

Wenn Sie noch mehr wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild

Symptome und Verlauf

Rotaviren sind eine der häufigsten Ursachen für Magen-Darm-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren weltweit.

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der akuten Krankheit liegen in der Regel ein bis drei Tage.

Die Infektion kann fast unbemerkt bleiben und nur zu leichtem Durchfall führen, aber auch einen schweren Verlauf nehmen. Meist beginnt die Erkrankung plötzlich mit Erbrechen und wässrigen Durchfällen und ist oft von leichtem Fieber sowie Bauchschmerzen begleitet. Die Magen-Darm-Beschwerden dauern in der Regel 2 bis 6 Tage an. In etwa der Hälfte der Fälle kommen Schnupfen oder Husten hinzu. In sehr seltenen Fällen wird das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen (Enzephalitis).

Ausgeprägter Brechdurchfall macht es oft schwierig, den Erkrankten rechtzeitig ausreichend mit Flüssigkeit zu versorgen. Bei Säuglingen und Kleinkindern verläuft eine Infektion mit Rotaviren im Durchschnitt schwerer als andere Durchfallerkrankungen. Es kann schnell zu einer gefährlichen Austrocknung kommen, die eine Flüssigkeits- und Elektrolytgabe im Krankenhaus erforderlich macht.

Kinder und Erwachsene können mehrmals an Rotaviren erkranken, da viele verschiedene Rotavirus-Typen existieren und eine einmalige Infektion keinen lebenslangen Schutz vermittelt. Folgeerkrankungen verlaufen in aller Regel nicht mehr so schwer wie die Ersterkrankung.

 

Erkennung und Behandlung

Der Erreger wird üblicherweise im Stuhl nachgewiesen..

Eine spezielle Therapie gegen das Rotavirus ist nicht verfügbar. Antibiotika und Mittel, welche die Darmbewegung hemmen, sind nicht sinnvoll. Wichtigste Behandlung ist eine rechtzeitige und ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr.

 

Übertragung und Vorkommen

Erkrankte scheiden Rotaviren in der Regel bis zu acht Tage lang mit dem Stuhl aus. Frühgeborene oder Menschen mit gestörtem Immunsystem können das Rotavirus über Wochen bis Monate ausscheiden. Menschen, die selbst kaum Krankheitszeichen aufweisen, vor allem Neugeborene und Erwachsene, können ebenfalls andere anstecken.

Das Rotavirus wird hauptsächlich durch Schmierinfektion über die Hände von Mensch zu Mensch übertragen, aber auch über verunreinigte Gegenstände und seltener durch Wasser oder Lebensmittel.

Rotavirus-Infektionen sind sehr ansteckend. Bereits zehn Viren reichen für eine Infektion aus. Sie können an den Händen über viele Stunden und auf Oberflächen mehrere Tage infektiös bleiben.

Rotavirus-Infektionen treten weltweit auf. Vor Einführung der Impfung kam es weltweit jährlich zu rund 500.000 Todesfällen infolge einer Rotavirus-Infektion.

Nach Schätzungen der WHO starben im Jahr 2008 rund 450.000 Kinder an einer durch Rotaviren verursachten Durchfallerkrankung. Betroffen sind vor allem Kinder in Ländern Afrikas und Asiens mit unzureichender medizinischer Versorgung.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit Juni 2009, die Rotavirus-Impfung weltweit in alle nationalen Impfprogramme aufzunehmen.

In Deutschland treten die meisten Rotavirus-Erkrankungen in den Monaten März bis April auf. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2013 wurden in Deutschland jährlich etwa 20.000 Kinder unter fünf Jahren wegen Rotaviren im Krankenhaus behandelt, davon etwa 50 in der Intensivmedizin. Todesfälle durch Rotavirus-Erkrankungen sind in Deutschland aufgrund der guten medizinischen Versorgung sehr selten.

Im Jahr 2013 wurde die Schluckimpfung gegen Rotaviren als Standardimpfung für Säuglinge in den Impfkalender der STIKO aufgenommen. Die Bundesländer Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein empfehlen die Impfung bereits seit längerem.

Für Rotavirus-Erkrankungen besteht in Deutschland Meldepflicht. 2008 wurden rund 77.000 Rotavirus-Fälle gemeldet, etwa 32.000 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, darunter vor allem Kinder und alte Menschen. Im Jahr 2015 wurden rund 33.000 Krankheitsfälle gemeldet, 2016 sank die Zahl auf etwa 22.000 Fälle. Die Gesamtzahl der tatsächlichen Krankheitsfälle ist wahrscheinlich aber wesentlich höher als die Zahl der gemeldeten Fälle. 


Vorbeugung

Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Desinfektion können die Übertragung der hochansteckenden Rotavirus-Infektionen zwar eindämmen, eine Ansteckung aber nicht zuverlässig verhindern. Zum Schutz gegen Rotaviren stehen Schluckimpfungen zur Verfügung, die für das Säuglingsalter empfohlen werden.

Impfung

Impfstoff

Es gibt zwei Lebendimpfstoffe, die beide als Schluckimpfung verabreicht werden. Sie sind seit 2006 in Europa zugelassen.

Einer der Impfstoffe enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus menschlichen Ursprungs. Der andere Impfstoff enthält lebendes abgeschwächtes Rotavirus, das menschlich-bovinen (vom Rind stammend) Ursprungs ist.


Anwendung des Impfstoffs

Säuglinge können ab einem Alter von sechs Wochen gegen Rotaviren geimpft werden. Die Impfung kann gleichzeitig mit anderen Kinderimpfstoffen verabreicht werden. Je nach verwendetem Rotavirus-Impfstoff wird entweder zwei oder drei Mal im Abstand von jeweils mindestens vier Wochen eine Dosis Schluckimpfstoff verabreicht. Die STIKO empfiehlt, die Impfserie möglichst früh - spätestens bis zum Alter von 12 Wochen - zu beginnen und am besten bis zum Alter von 16 Wochen (bei Impfstoff mit Zwei-Dosen-Schema) bzw. 20 bis 22 Wochen (bei Impfstoff mit Drei-Dosen-Schema) abzuschließen. Spätestens bis zum Alter von 24 Wochen bzw. 32 Wochen (je nach Impfstoff) muss die Impfserie beendet sein.

Stillen zum Zeitpunkt der Rotavirus-Impfung kann möglicherweise die Wirksamkeit der Schluckimpfung vermindern. Daher empfiehlt die STIKO, jeweils eine Stunde vor und nach der Impfung nicht zu stillen, wenn der Stillrhythmus des Kindes dies zulässt. Die STIKO weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass wegen der Rotavirus-Impfung nicht generell auf das Stillen verzichtet werden sollte.

Falls das Baby Impfstoff ausspuckt, berät Sie Ihr Kinderarzt bzw. Ihre Kinderärztin, ob eine erneute Dosis verabreicht werden sollte.  

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Rotavirus-Impfung bietet vor allem einen Schutz vor schweren Rotavirus-Erkrankungen. Studiendaten zeigen, dass über einen Zeitraum von zwei Jahren nach der Impfung mehr als 90 Prozent der Fälle verhindert werden können, die im Krankenhaus behandelt werden müssten.

Studienergebnisse belegen, dass nach einer vollständigen Immunisierung ein Schutz über zwei bis drei Jahre und damit für die am meisten gefährdete Altersgruppe besteht. Durchfallerkrankungen, die durch andere Erreger verursacht werden, können bei Kindern, die gegen Rotaviren geimpft sind, weiterhin vorkommen.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Rotaviren ist eine allgemein, von den Gesundheitsbehörden öffentlich empfohlene Impfung für alle Säuglinge ab einem Alter von sechs Wochen (weitere Informationen siehe "Anwendung des Impfstoffs").

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Nicht geimpft werden sollte bei Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, bestimmten Störungen des Immunsystems sowie einer Darmeinstülpung (Darminvagination) in der Krankenvorgeschichte bzw. Fehlbildungen des Verdauungstrakts, die das Risiko für eine Darmeinstülpung erhöhen.

Bei Säuglingen, die akut an einer schweren, fieberhaften Erkrankung oder Durchfall und Erbrechen leiden, sollte die Impfung verschoben werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs
Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Nach der Rotavirus-Impfung kommt es häufig bis sehr häufig zu Durchfall, Erbrechen und Reizbarkeit, gelegentlich zu Bauchschmerzen und Blähungen. Infektionen der Atemwege können ebenfalls auftreten.

Mögliche Komplikationen

Sehr unreife Frühgeborene könnten unter Atempausen leiden und sollten deshalb eventuell unter Überwachung geimpft werden, denn für sie ist der Impfschutz besonders wichtig.

Innerhalb der ersten Woche nach der ersten Rotavirus-Impfung besteht ein geringfügig erhöhtes Risiko für eine Darminvagination (ein bis zwei zusätzliche Fälle pro 100.000 geimpfte Kinder), das mit dem Alter des geimpften Säuglings zunimmt. Daher sollte die Impfserie unbedingt frühzeitig begonnen und rechtzeitig abgeschlossen werden (siehe "Anwendung des Impfstoffs").

Bei Symptomen wie starken Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen und blutigen Stühlen, die auf eine Darmeinstülpung hinweisen könnten, sollte das Kind umgehend ärztlich vorgestellt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

03.05.2017 / MK
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