Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf)

Krankheitsbild

Eine Tetanus-Infektion (Wundstarrkrampf) äußert sich zunächst meist durch eine Verkrampfung der Kaumuskulatur. Die Krämpfe breiten sich auf die Brust- und Rückenmuskulatur aus. Schluckbeschwerden können hinzu kommen und auch die Atemwege können betroffen sein. Die Erkrankung verläuft trotz intensivmedizinischer Behandlung oft tödlich.

Übertragung und Vorkommen

Die Sporen des Tetanus-Bakteriums können schon über kleine Wunden in den Körper gelangen. Sie kommen weltweit vor allem in Erdreich sowie im Kot von Pferden und anderen Tieren vor und sind sehr widerstandsfähig.

Vorbeugung

Den besten Schutz bietet die vorbeugende Impfung. Je nach Impfstatus sollte nach einer Verletzung schnellstmöglich eine nachträgliche (postexpositionelle) Impfung erfolgen, zudem kann die Gabe von Immunglobulin erforderlich sein, um den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern.

Impfstoff

Kombinationsimpfstoffe zur Injektion (in der Spritze).

Impfempfehlung

Grundimmunisierung ab einem Alter von zwei Monaten (bevorzugt mit Sechsfach-Impfstoff); Auffrischimpfung für Kinder im Alter zwischen fünf und sechs Jahren (bevorzugt als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung) sowie Auffrischimpfung für Jugendliche zwischen neun und 16 Jahren (bevorzugt als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Kombinationsimpfung); im Erwachsenenalter Auffrischimpfungen in der Regel alle zehn Jahre

 

Unser Rat für Sie:

Achten Sie bei Ihrer gesamten Familie vom Säugling bis zu den Großeltern auf einen möglichst frühen und vollständigen Impfschutz. Am besten schauen Sie gleich mal in die Impfpässe!

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

Krankheitsbild Tetanus-Infektion (Wundstarrkrampf)

Symptome und Verlauf

Zu ersten Krankheitszeichen einer Tetanus-Infektion kommt es in der Regel drei Tage bis drei Wochen, nachdem der Erreger durch eine Verletzung in den Körper gelangt ist. Tetanus-Bakterien setzen Giftstoffe (Toxine) frei, die über die Nervenbahnen in das zentrale Nervensystem (Rückenmark und Gehirn) gelangen. Sie verursachen langanhaltende Krämpfe, bei denen die Muskeln stark angespannt sind.

Charakteristisch sind schmerzhafte Krämpfe der Zungen-, Kiefer- und Gesichtsmuskulatur. Die Krämpfe verzerren die Gesichtszüge und lassen die Betroffenen scheinbar grimassenhaft grinsen. Schluckbeschwerden können hinzu kommen. Auch die Brust- und Rückenmuskulatur kann betroffen sein und es können plötzliche schmerzhafte Krämpfe ganzer Muskelgruppen auftreten. Sind auch die Atemwege betroffen, kann es zu Atemnot kommen und es besteht Lebensgefahr durch Ersticken. Blutdruckschwankungen, Durchblutungsstörungen und Schweißausbrüche können weitere Symptome sein. Trotz moderner intensivmedizinischer Behandlung tritt in zehn bis 20 Prozent der Tetanus-Fälle der Tod ein.

 

Erkennung und Behandlung

Ärztinnen und Ärzte erkennen Wundstarrkrampf aufgrund des typischen Krankheitsbildes.

Erkrankte müssen intensivmedizinisch betreut werden. Durch die Gabe von immunglobulin wird versucht, das vom Bakterium produzierte Gift (Toxin) zu neutralisieren. Zudem werden spezielle Antibiotika gegen den Erreger eingesetzt, um Bakterien abzutöten, damit sie kein weiteres Gift produzieren.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Sporen des Tetanus-Bakteriums (Clostridium tetani) kommen weltweit in Erdreich vor und können dort jahrelang überleben. Sie sind sehr widerstandsfähig gegen Hitze oder Desinfektionsmittel. Die Sporen können schon über kleine Wunden in den menschlichen Körper gelangen und eine Infektion verursachen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben im Jahr 2011 weltweit schätzungsweise 72.600 Kinder unter fünf Jahren an Tetanus. Besonders gefährdet sind Neugeborene in Entwicklungsländern, deren Mütter ungeimpft sind und die durch eine Infektion des Nabelstumpfes erkranken können. 1988 starben Schätzungen zufolge 787.000 Neugeborene an Tetanus, 2017 traten rund 30.800 Todesfälle bei Neugeborenen auf.

In Deutschland kam es laut Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes im Zeitraum von 1998 bis 2016 zu 36 Todesfällen an Tetanus. 33 davon betrafen Menschen ab 65 Jahren. Seit dem Jahr 2000 wurden 0 bis 2 Todesfälle jährlich gemeldet.

 

Vorbeugung

Schutz vor Wundstarrkrampf bietet die vorbeugende Impfung. Je nach Impfstatus sollte nach einer Verletzung schnellstmöglich eine nachträgliche (postexpositionelle) Tetanus-Impfung erfolgen, zudem kann die Gabe von Immunglobulin erforderlich sein, um den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern.

Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf)

Impfstoff

Zur Impfung gegen Tetanus stehen verschiedene Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Sie enthalten unschädlich gemachtes (inaktiviertes und gereinigtes) Gift (Toxoid) von Clostridium tetani.

 

Anwendung des Impfstoffs

Die Impfstoffe werden in der Regel in den Muskel gespritzt. Falls erforderlich, können einige der Impfstoffe auch unter die Haut gespritzt werden.

Zur Grundimmunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter wird bevorzugt Sechsfach-Kombinationsimpfstoff eingesetzt, mit dem außer gegen Tetanus gleichzeitig gegen Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Heamophilus influenzae Typ b (Hib), Kinderlähmung (Polio) und Hepatitis B geimpft wird. Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt hierfür bei reifgeborenen Säuglingen drei Impfungen (2+1-Schema): Die ersten beiden Impfungen sollen im Alter von 2 und von 4 Monaten in einem Abstand von 2 Monaten gegeben werden. Die dritte Impfung soll im Alter von 11 Monaten mit einem Abstand von mindestens 6 Monaten zur vorherigen Impfung erfolgen.

Frühgeborene, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren sind, sollen nach dem 3+1-Impfschema mit vier Impfstoffdosen geimpft werden, und zwar im Alter von 2, 3, 4 und 11 Monaten. Zwischen den ersten drei Impfstoffdosen soll jeweils ein Mindestabstand von 4 Wochen liegen; zwischen der dritten und vierten Impfstoffdosis ist ein Mindestabstand von 6 Monaten einzuhalten

Auffrischimpfungen gegen Tetanus werden im Alter von 5 bis 6 Jahren (bevorzugt als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung) sowie im Alter zwischen 9 und 16 Jahren (bevorzugt als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Kombinationsimpfung) durchgeführt. Für Erwachsene wird eine Auffrischimpfung gegen Tetanus in der Regel alle zehn Jahre empfohlen. Diese erfolgt zusammen mit der Auffrischimpfung gegen Diphtherie bzw. als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung oder bei Bedarf als Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Polio-Kombinationsimpfung.

Versäumte Impfungen sollten baldmöglichst nachgeholt werden.

Wirksamkeit des Impfstoffs

Die Impfstoffe gegen Tetanus sind hochwirksam. Säuglinge bilden nahezu ausnahmslos schützende Antikörper.

Nach einer vollständig durchgeführten Impfserie beträgt die Schutzdauer in der Regel mindestens zehn Jahre.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Impfung gegen Wundstarrkrampf ist öffentlich empfohlen für alle Kinder ab dem Alter von zwei Monaten.

Auffrischimpfungen sollten im Alter von fünf bis sechs Jahren, im Alter von 9 bis 16 Jahren sowie im Erwachsenenalter alle zehn Jahre erfolgen.

Versäumte Impfungen sollten baldmöglichst nachgeholt werden.

 

Schutz gegen Tetanus bei Verletzungen

Bei Verletzungen sollte der aktuelle Tetanus-Impfstatus überprüft werden. Wenn der Impfstatus unbekannt ist, noch nie oder nur unvollständig gegen Tetanus geimpft wurde, sollte unverzüglich eine nachträgliche (postexpositionelle) Impfung erfolgen (bei begonnener Grundimmunisierung sollte der Abstand zur letzten Impfstoffdosis mindestens 28 Tage betragen). Wer bereits dreimal oder häufiger gegen Tetanus geimpft wurde, sollte bei geringfügigen, sauberen Wunden eine Auffrischimpfung erhalten, wenn die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt. Bei tiefen oder verschmutzten Wunden oder anderen risikoreichen Verletzungen wird bereits aufgefrischt, wenn seit der letzten Tetanus-Impfung mehr als fünf Jahre vergangen sind.

Zusätzlich zur aktiven Impfung kann die Gabe von Tetanus-Immunglobulin erforderlich werden.

Fehlende Impfungen der Grundimmunisierung sollten so bald wie möglich nachgeholt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter "Impfungen nach möglicher Ansteckung".

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Impfstoffes darf nicht geimpft werden.

Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung und Fieber ist die Tetanus-Impfung, sofern sie nicht im Verletzungsfall erforderlich wird, zu verschieben.

Weitere Informationen finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Tetanus zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufige Impfreaktionen aufgrund der Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff sind Schwellungen, Rötungen und Schmerzhaftigkeit an der Impfstelle. Lymphknoten in der Nähe können ebenfalls anschwellen. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Frösteln, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Müdigkeit kommen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind möglich.

Wird Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente verwendet, kann die gesamte Gliedmaße anschwellen, in die geimpft wurde. Außerdem kann es zu ungewöhnlichem Schreien, Unruhe und Reizbarkeit kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend und klingen in der Regel rasch und folgenlos ab.

Mögliche Komplikationen

Wie bei den meisten Impfstoffen können in seltenen Fällen allergische Reaktionen auftreten.

Wird Kombinationsimpfstoff mit Keuchhusten-Komponente verwendet, kann in einzelnen Fällen im Zusammenhang mit Fieber beim Säugling und jungen Kleinkind ein Fieberkrampf auftreten. Dieser bleibt in der Regel jedoch ohne Folgen. Ebenfalls in Einzelfällen kann es nach der Impfung zu einer hypoton-hyporesponsiven Episode (HHE) kommen. Bei diesem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand erschlaffen die Muskeln und das Kind reagiert nicht auf Ansprache. Eine HHE bildet sich jedoch schnell und folgenlos zurück.

Weitere Informationen finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird Sie individuell beraten und vor der Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

15.02.2021 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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