Tollwut-Impfung

Krankheitsbild

Tollwut ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die zu Krämpfen, Lähmungen und Verhaltensstörungen führt. Eine ausgebrochene Tollwuterkrankung verläuft in der Regel tödlich.

Übertragung und Vorkommen

Weltweit sind Hunde Hauptüberträger der Tollwut. In der Regel erfolgt eine Ansteckung durch einen Biss oder Kratzer eines infizierten Tieres.

Die Tollwut ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Deutschland und viele weitere Länder Europas gelten als tollwutfrei, bei Fledermäusen können jedoch auch in diesen Regionen Tollwutviren vorkommen.

Vorbeugung

Neben dem Vermeiden eines Kontakts zu infizierten Tieren bietet nur die Impfung Schutz vor der Tollwut.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

Vorbeugende Impfung empfohlen für Personen mit engem Kontakt zu Fledermäusen, Laborpersonal mit möglichem Kontakt zu Tollwutviren sowie Reisende in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung;
für Berufsgruppen wie Tierärzte, Jäger, Forstpersonal und andere Personen, die Umgang mit Tieren haben, würde die vorbeugende Impfung empfohlen werden, wenn Wildtiertollwut in Deutschland neu auftreten würde

 

Unser Rat für Sie:

Wenn Sie mit Fledermäusen engen Kontakt haben oder beruflich mit Tollwutviren in Berührung kommen könnten, sollten Sie gegen Tollwut geimpft sein. Reisende, insbesondere nach Afrika oder Asien, sollten sich erkundigen, ob eine vorbeugende Impfung gegen Tollwut ratsam ist.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild Tollwut

Symptome und Verlauf

Die Tollwut ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch Tiere übertragen wird.

Zwischen Ansteckung und ersten Krankheitszeichen der Tollwut vergehen meist drei bis acht Wochen, in seltenen Fällen aber auch weniger als 9 Tage oder mehr als ein Jahr.

Wie rasch die Erkrankung ausbricht, ist abhängig von der Nähe der Eintrittspforte der Tollwutviren zum zentralen Nervensystem und der übertragenen Virusmenge. Bei großen Bisswunden am Kopf kann sich eine Erkrankung besonders rasch entwickeln.

Erste Zeichen der Tollwut können Brennen, Rötungen, Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzempfindlichkeit an der Bissstelle sein, Kopfschmerzen und Fieber können hinzu kommen. Im weiteren Verlauf treten Krämpfe am ganzen Körper auf. Der Gemütszustand wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung. Spasmen im Bereich der Rachen- und Schlundmuskulatur führen zu starken Schluckbeschwerden, der Speichelfluss ist erhöht. Auffällig ist eine ausgeprägte Abneigung gegen Wasser, schon der Anblick oder das Geräusch von Wasser kann Unruhe und Krämpfe auslösen.

Eine andere Verlaufsform der Krankheit stellt die sogenannte "stille Wut" dar. Sie ist nicht durch Krämpfe gekennzeichnet, sondern durch zunehmende Lähmungserscheinungen.

An Tollwut Erkrankte versterben in der Regel innerhalb weniger Tage infolge von Atemlähmungen oder Herzversagen.

 

Erkennung und Behandlung

Der Verdacht auf eine Tollwuterkrankung ergibt sich zum einen aus dem Krankheitsbild und zum anderen aus der Vorgeschichte, z.B. bei Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier oder bei einer Bissverletzung. Laboruntersuchungen beim Patienten können eine Tollwutinfektion nicht sicher ausschließen, erst nach dem Tod ist eine sichere Abklärung der Verdachtsdiagnose möglich.

Bei Kontakt mit einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tier ist umgehend das Gesundheitsamt zu verständigen. Menschen mit Verdacht auf eine Tollwuterkrankung werden intensivmedizinisch betreut, um den Leidensdruck zu lindern. Der tödliche Verlauf kann dadurch jedoch in der Regel nicht verhindert werden. Kontaktpersonen, bei denen der Verdacht einer Kontamination mit dem Speichel von erkrankten Personen besteht, sollten umgehend immunisiert werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Die Tollwut wird durch verschiedene Lyssaviren hervorgerufen. Dazu zählen das Rabiesvirus, das den klassischen Tollwuterreger darstellt, sowie verschiedene Tollwutviren, die bei Fledermäusen vorkommen.

Infizierte Tiere sind bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend. Das Tollwutvirus ist in hohen Konzentrationen im Speichel vorhanden. Daher kann es ausreichen, wenn dieser Speichel auf verletzte Haut gelangt oder auf Schleimhaut. Meist wird Tollwut jedoch durch Bisse oder Kratzer eines infizierten Tieres übertragen.

Die Tollwut ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit jährlich etwa 59.000 Menschen an Tollwut, wobei von einer erheblichen Dunkelziffer insbesondere in Afrika und Asien ausgegangen wird.

Hauptüberträger der Tollwut auf den Menschen weltweit sind Hunde (siehe Karte). Aber auch Katzen und andere Säugetiere, insbesondere Füchse, Stinktiere und Waschbären sowie Fledermäuse sind ein mögliches Reservoir für Tollwutviren.

Die Impfung insbesondere von Hunden und Katzen führt zu einer effektiven Einschränkung der Übertragung der Tollwut auf den Menschen.

In Deutschland und weiteren Regionen Europas konnte vor allem durch das Ausbringen von Impfködern für Füchse die Tollwut bei Wild- und Haustieren ausgerottet werden. Deutschland und zahlreiche weitere Länder in Europa gelten als tollwutfrei, das heißt frei von terrestrischer Tollwut, die durch am Boden lebende Tiere übertragen wird. Bei Fledermäusen können jedoch auch in diesen Regionen Tollwutviren vorkommen.

In Deutschland trat die letzte Tollwut-Erkrankung im Jahr 2007 bei einem Patienten auf, der in Marokko von einem streunenden Hund gebissen wurde. Für in Deutschland lebende Menschen besteht die Gefahr, sich mit Tollwut zu infizieren, derzeit fast ausschließlich bei Reisen in Länder, in denen die Tollwut verbreitet ist. Ein Risiko sind auch illegal importierte Tiere aus Regionen, die nicht tollwutfrei sind.

 

Vorbeugung

Vorsorglich sollten Wildtiere, die ihre Scheu vor Menschen verloren haben, oder Kadaver nicht berührt werden. Fledermäuse sollten generell nicht oder, falls notwendig, nur mit Lederhandschuhen angefasst werden. Tierbisse sollten unbedingt vermieden werden.

In Ländern mit erhöhtem Tollwutrisiko wie z.B. in Asien und Afrika ist der Kontakt insbesondere zu streunenden Hunden (und anderen Säugetieren) möglichst ganz zu vermeiden. Bitte beachten Sie die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Ihr Reiseziel.

Zum Schutz gegen Tollwut stehen Impfungen zur Verfügung. Auch wer vorbeugend geimpft ist, erhält nach einer möglichen Ansteckung Auffrischimpfungen. Um das Risiko einer Tollwuterkrankung möglichst gering zu halten, sollte jede verdächtige Biss- oder Kratzverletzung schnellstmöglich gründlich gereinigt werden und die Impfbehandlung sollte unverzüglich begonnen werden.

Impfung gegen Tollwut

Impfstoff

Die Impfstoffe enthalten abgetötete Tollwutviren. Zur Herstellung werden die Impfviren in speziellen Zellkulturen vermehrt − auf Basis menschlicher Zellen oder Hühnerzellen.

 

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird in die Muskulatur gespritzt.

Vorbeugende Impfung (prophylaktische, präexpositionelle Impfung)

Die vorbeugende Grundimmunisierung gegen Tollwut umfasst drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 oder 28. Zur Aufrechterhaltung des Impfschutzes sind Auffrischimpfungen erforderlich.

Impfung nach möglichem Tollwut-Kontakt (postexpositionelle Impfung)

Nicht oder unvollständig Geimpfte erhalten in der Regel bei oberflächlichen Kratzern durch ein Tollwut-verdächtiges oder tollwütiges Tier oder eine Fledermaus, deren Belecken nicht intakter Haut oder bei Kontakt von nicht intakter Haut einem beschädigten Impfköder eine postexpositionelle Impfung mit fünf Dosen (an Tag 0, 3, 7, 14 und 28) oder vier Dosen (zwei Dosen an Tag 0 und je eine weitere an Tag 7 und 21). Nach Bissverletzungen, Kratzwunden oder wenn der Speichel eines tollwutverdächtigen oder tollwütigen Tieres bzw. Impfflüssigkeit eines beschädigten Köders an die Schleimhäute oder an Wunden gelangt ist, wird zusätzlich zu einer postexpositionellen Impfserie Tollwut-Immunglobulin gegeben. Dies gilt auch, wenn der Verdacht besteht, dass es bei einem Kontakt mit einer Fledermaus zu einem Biss, Kratzer oder einer Berührung der Schleimhäute gekommen ist.

Bei zuvor vollständig Geimpften genügen als postexpositionelle Impfung in der Regel zwei Dosen an Tag 0 und 3, die Gabe von Immunglobulin ist entbehrlich.

Wer durch ein illegal importiertes Tier aus einer Region, die nicht tollwurtfrei ist, oder durch ein Tier unbekannter Herkunft möglicherweise Tollwutviren ausgesetzt war, sollte ebenfalls eine postexpositionelle Tollwut-Impfung erhalten.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Bei Einhaltung der empfohlenen Impfschemata bilden nahezu 100 Prozent der Geimpften Antikörper gegen Tollwut in ausreichender Menge. Die Antikörperkonzentration fällt nach und nach wieder ab.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt in Deutschland die vorbeugende (prophylaktische, präexpositionelle) Tollwutimpfung für:

  • Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen,
  • Laborpersonal mit möglichem Kontakt zu Tollwutviren (Antikörperbestimmung und ggf. Auffrischimpfung alle sechs Monate),
  • Reisende in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung, z.B. durch streunende Hunde (bitte beachten Sie hierzu die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Ihr Reiseziel).

Die präexpositionelle Impfung von Tierärzten, Jägern, Forstpersonal usw., die nicht mit Fledermäusen arbeiten, ist derzeit in Deutschland nicht erforderlich. Sie würde dann empfohlen, wenn es regional zu einem erneuten Auftreten von Wildtiertollwut kommen würde.

Auch wer vorbeugend geimpft wurde, benötigt bei einer möglichen Ansteckung mit Tollwut postexpositionelle Impfungen und ggf. die Gabe von Immunglobulin (siehe oben).

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Da die Tollwut nach Ausbruch der Erkrankung tödlich verläuft, gibt es keine Gegenanzeigen gegen die postexpositionelle Impfung.

Eine rein vorbeugende (präexpositionelle) Impfung darf bei einer bekannten schweren Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin oder Hühnereiweiß, nicht erfolgen. Bei akuten behandlungsbedürftigen bzw. fieberhaften Erkrankungen sollte die Impfung verschoben werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Tollwut zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufig schwillt die Impfstelle an und schmerzt. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Schwindel sowie zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Überempfindlichkeitsreaktionen und Hautausschag können auftreten. Schwere anaphylaktische Reaktionen sind selten.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Der Arzt bzw. die Ärztin wird Sie individuell beraten und vor einer Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

29.08.2018 / Redaktion Gesundes-Kind.de
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