Tollwut-Impfung

Krankheitsbild

Eine Erkrankung an Tollwut führt zu Verhaltensstörungen sowie Krämpfen oder Lähmungen. Eine ausgebrochene Tollwuterkrankung verläuft tödlich.

Übertragung und Vorkommen

Hauptüberträger weltweit sind Hunde, aber auch andere Säugetiere, einschließlich Fledermäuse, können die Tollwut übertragen. Meist erfolgt eine Ansteckung durch einen Biss oder Kratzer eines infizierten Tieres.
Die Tollwut kommt mit wenigen Ausnahmen weltweit vor. Auch in Ländern, die als "tollwutfrei" bezeichnet werden, ist nicht auszuschließen, dass Tollwut von Fledermäusen übertragen wird.

Vorbeugung

Neben dem Vermeiden eines Kontakts zu infizierten Tieren bietet nur die Impfung Schutz vor der Tollwut.

Impfstoff

Impfstoff zur Injektion (in der Spritze)

Impfempfehlung

für Reisende in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung;
für Berufsgruppen wie Tierärzte, Jäger, Forstpersonal und andere Personen, die Umgang mit Tieren in Gebieten mit neu aufgetretener Wildtiertollwut haben sowie für Laborpersonal, das Tollwutviren ausgesetzt sein könnte;
außerdem für Personen, die engen Kontakt zu Fledermäusen haben.

 

Unser Rat für Sie:

Erkundigen Sie sich vor Reisen, insbesondere nach Afrika oder Asien, ob eine vorbeugende Impfung gegen Tollwut ratsam ist, ebenso wenn Sie beruflich in Kontakt mit Tollwutviren kommen könnten.

Wenn Sie noch mehr hierzu wissen möchten, wenden Sie sich an Ihren Arzt/Ihre Ärztin oder an die Experten der Universitätsklinik Mainz.

>> Kostenerstattung für Impfungen außerhalb des Impfkalenders

Krankheitsbild Tollwut

Symptome und Verlauf

Zwischen der Ansteckung und den ersten Krankheitszeichen der Tollwut vergehen meist drei Wochen bis drei Monate, in seltenen Fällen aber auch weniger als 9 Tage oder mehr als ein Jahr.

Wie rasch die Erkrankung ausbricht, ist abhängig von der Nähe der Eintrittspforte der Tollwutviren zum zentralen Nervensystem und der übertragenen Virusmenge. Bei großen Bisswunden am Kopf kann sich eine Erkrankung besonders rasch entwickeln.

Erste Zeichen der Tollwut können Brennen, Rötungen, Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl und Schmerzempfindlichkeit an der Bissstelle sein, Kopfschmerzen und Fieber können hinzu kommen. Im weiteren Verlauf treten Krämpfe am ganzen Körper auf. Der Gemütszustand wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung. Spasmen im Bereich der Rachen- und Schlundmuskulatur führen zu starken Schluckbeschwerden, der Speichelfluss ist erhöht. Auffällig ist eine ausgeprägte Abneigung gegen Wasser, schon der Anblick oder das Geräusch von Wasser kann Unruhe und Krämpfe auslösen.

Eine andere Verlaufsform der Krankheit stellt die sogenannte "stille Wut" dar. Sie ist nicht durch Krämpfe gekennzeichnet, sondern durch zunehmende Lähmungserscheinungen.

An Tollwut Erkrankte versterben in der Regel innerhalb von sieben bis 14 Tagen infolge von Atemlähmungen oder Herzversagen.

 

Erkennung und Behandlung

Der Verdacht auf eine Tollwuterkrankung ergibt sich zum einen aus dem Krankheitsbild und zum anderen aus der Vorgeschichte, z.B. bei Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier oder bei einer Bissverletzung. Laboruntersuchungen beim Patienten können eine Tollwutinfektion nicht sicher ausschließen, erst nach dem Tod ist eine sichere Abklärung der Verdachtsdiagnose möglich.

Bei Kontakt mit einem tollwütigen oder tollwutverdächtigen Tier ist umgehend das Gesundheitsamt zu verständigen. Menschen mit Verdacht auf eine Tollwuterkrankung werden intensivmedizinisch betreut, um den Leidensdruck zu lindern. Der tödliche Verlauf kann dadurch jedoch nicht verhindert werden. Kontaktpersonen, bei denen der Verdacht einer Kontamination mit dem Speichel von erkrankten Personen besteht, sollten umgehend immunisiert werden.

 

Übertragung und Vorkommen

Infizierte Tiere sind bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend. Das Tollwutvirus ist in hohen Konzentrationen im Speichel vorhanden. Daher kann es ausreichen, wenn dieser Speichel auf verletzte Haut gelangt oder auf Schleimhaut. Meist wird Tollwut jedoch durch Bisse oder Kratzer eines infizierten Tieres übertragen. Hauptüberträger auf den Menschen weltweit sind Hunde (siehe Karte). Aber auch Katzen sowie wildlebende Fleischfresser, insbesondere Füchse, Stinktiere und Waschbären sowie Fledermäuse sind ein mögliches Tollwutvirusreservoir.

Die Tollwut kommt mit wenigen Ausnahmen weltweit vor (siehe Karte). Die Impfung insbesondere von Hunden und Katzen führt zu einer effektiven Einschränkung der Übertragung der Tollwut auf den Menschen. In Deutschland und weiten Teilen Europas konnte die Tollwut durch das Ausbringen von Impfködern für Wildtiere weitgehend ausgerottet werden, bei Fledermäusen kann das Virus noch vorkommen.

 

Vorbeugung

Zum Schutz gegen Tollwut stehen Impfungen zur Verfügung. Auch wer vorbeugend geimpft ist, erhält nach einer möglichen Ansteckung Auffrischimpfungen.

Um das Risiko einer Tollwuterkrankung möglichst gering zu halten, sollte jede verdächtige Biss- oder Kratzverletzung schnellstmöglich gründlich gereinigt werden und die Impfbehandlung sollte unverzüglich begonnen werden.

Vorsorglich sollten Wildtiere, die die Scheu vor Menschen verloren haben, oder Kadaver nicht berührt werden. Dies gilt generell auch für Fledermäuse.

In Ländern mit erhöhtem Tollwutrisiko wie z.B. in Asien und Afrika ist der Kontakt insbesondere zu streunenden Hunden (und anderen Säugetieren) möglichst ganz zu vermeiden.

Tollwutimpfköder, die für Wildtiere ausgelegt wurden, sollten nicht berührt werden.

Impfung gegen Tollwut

Impfstoff

Die Impfstoffe enthalten abgetötete Tollwutviren. Zur Herstellung werden die Impfviren in speziellen Zellkulturen vermehrt − auf Basis menschlicher Zellen oder Hühnerzellen.

 

Anwendung des Impfstoffs

Der Impfstoff wird in die Muskulatur gespritzt.

Vorbeugende Impfung (präexpositionelle Impfung)

Die Grundimmunisierung gegen Tollwut umfasst drei Impfungen an den Tagen 0, 7 und 21 oder 28. Zur Aufrechterhaltung des Impfschutzes werden je nach Impfstoff Auffrischimpfungen alle zwei bis fünf Jahre bzw. ein Jahr nach der Grundimmunisierung und dann alle fünf Jahre empfohlen oder wenn vor dieser Zeit ein Bluttest anzeigt, dass zu wenig Antikörper im Blut vorhanden sind.

Impfung nach möglichem Tollwut-Kontakt (postexpositionelle Impfung)

Besteht das Risiko, dass sich nicht oder unvollständig geimpfte Menschen bei einem Tier oder bei Kontakt mit einem Tollwutimpfstoffköder angesteckt haben könnten, wird eine postexpositionelle Impfung durchgeführt. Diese erfolgt üblicherweise in fünf Dosen an Tag 0, 3, 7, 14 und 28. Nach Bissverletzungen, Kratzwunden oder wenn der Speichel eines tollwutverdächtigen Tieres bzw. Impfflüssigkeit eines beschädigten Köders an die Schleimhäute oder an Wunden gelangt ist, wird zusätzlich zu einer postexpositionellen Impfserie Tollwut-Immunglobulin gegeben. Dies gilt auch, wenn der Verdacht besteht, dass es bei einem Kontakt mit einer Fledermaus zu einem Biss, Kratzer oder einer Berührung der Schleimhäute gekommen ist.

Bei zuvor vollständig Geimpften genügen zwei Auffrischimpfungen an Tag 0 und 3, die Gabe von Immunglobulin ist entbehrlich.

 

Wirksamkeit des Impfstoffs

Bei Einhaltung der empfohlenen Impfschemata bilden nahezu 100 Prozent der Geimpften Antikörper gegen Tollwut in ausreichender Menge. Die Antikörperkonzentration fällt nach und nach wieder ab.

 

Wer geimpft sein sollte

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt die vorbeugende (präexpositionelle) Tollwutimpfung für Tierärzte, Jäger, Forstpersonal u.a. Personen, die Umgang mit Tieren in Gebieten mit neu aufgetretener Wildtiertollwut haben, für Laborpersonal, das Tollwutviren ausgesetzt sein könnte, sowie für Personen mit engem Kontakt zu Fledermäusen.

Außerdem wird die Impfung für Reisende in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung, z.B. durch streunende Hunde, empfohlen. Bitte beachten Sie hierzu die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes für Ihr Reiseziel.

Auch wer vorbeugend geimpft wurde, benötigt bei einer möglichen Ansteckung mit Tollwut postexpositionelle Impfungen und ggf. die Gabe von Immunglobulin (siehe oben).

 

Wer nicht geimpft werden sollte

Da die Tollwut nach Ausbruch der Erkrankung tödlich verläuft, gibt es keine Gegenanzeigen gegen die postexpositionelle Impfung.

Eine rein vorbeugende (präexpositionelle) Impfung darf bei einer bekannten schweren Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, wie beispielsweise gegen Neomycin oder Hühnereiweiß, nicht erfolgen. Bei akuten behandlungsbedürftigen bzw. fieberhaften Erkrankungen sollte die Impfung verschoben werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Besondere Situationen & Erkrankungen".

 

Nebenwirkungen des Impfstoffs

Zu den möglichen Nebenwirkungen der Impfung gegen Tollwut zählen folgende Impfreaktionen und seltene Komplikationen:

Mögliche Lokal- und Allgemeinreaktionen

Sehr häufig schwillt die Impfstelle an und schmerzt. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Schwindel sowie zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall kommen.

Alle diese Erscheinungen sind nur vorübergehend.

Mögliche Komplikationen

Überempfindlichkeitsreaktionen und Hautausschag können auftreten. Schwere anaphylaktische Reaktionen sind selten.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter "Mögliche Nebenwirkungen".

Der Arzt bzw. die Ärztin wird Sie individuell beraten und vor einer Impfung ausführlich über Nutzen und mögliche Risiken aufklären. Weitere Hinweise finden Sie unter „Information vor der Impfung“.

11.07.2017 / MK
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