Beginnen Frauen mit ihrer Schwangerschaft „mütterlich“ zu denken?

Die Schwangerschaft löse langfristige Veränderungen im Gehirn einer Frau aus, die wahrscheinlich dazu dienten, die Fähigkeit, das Kind zu beschützen und zu pflegen, zu verbessern, erklärt das Forscher-Team um Dr. Elseline Hoekzema.
Die Experten hatten anhand MRT-Scans die Hirnstrukturen von 45 Frauen (25 Frauen, die natürlich schwanger wurden, und 20, die künstlich befruchtet wurden) vor und zwei Jahre nach ihrer ersten Geburt verglichen.
Nach der Geburt zeigten die Frauen eine deutliche Verringerung der grauen Substanz in den Bereichen des Gehirns, die mit sozialen Interaktionen verknüpft sind, so die Ergebnisse. Diese Hirnregionen überschnitten sich mit denjenigen, die aktiviert wurden, wenn die Mütter Bilder ihres eigenen Babys betrachteten. Die Dicke der grauen Substanz sagt nicht unbedingt etwas über die Intelligenz aus, entscheidend sind die Verknüpfungen.

„Die Veränderungen betreffen Gehirnbereiche, die mit Funktionen verbunden sind, die wichtig für die Bewältigung der Aufgaben einer Mutter sind", lautet die Interpretation der Co-Autorin Erika Barba in einer Pressemitteilung der Universität Barcelona.

Obwohl einige Schwangere sich darüber beklagen, dass sie nicht mehr klar denken, bemerkten die Experten keine Veränderungen bei der Gedächtnis- oder andere Hirnfunktionen während der Schwangerschaft. Das bedeutet, dass der Verlust an grauer Substanz nicht zu Problemen in diesen Bereichen führte.
Die Gehirnveränderungen hielten mindestens zwei Jahre an, nachdem die Frauen ein Kind zur Welt gebracht hatten. Die Autoren der Studie vermuten, dass sie helfen, sich der Mutterschaft anzupassen, die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes besser zu erkennen. Schwache Synapsen werden zugunsten anderer in dieser Lebensphase wichtigen spezialisierten neuronalen Netze zerstört. Die spanischen Neurowissenschaftler waren sogar in der Lage, anhand dieser Gehirnveränderungen vorherzusagen, wie stark die Bindung einer Mutter zu ihrem Baby war. Die Art der Empfängnis spielte bei den Gehirnveränderungen keine Rolle.

Quelle: UPI/HealthDay, Universitat Autònoma de Barcelona,
Nature Neuroscience


 



28.02.2017 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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