Fehlt Kindern mit juveniler idiopathischer Arthritis Vitamin D?

Kanadische Forscher kommen aufgrund von weltweiten Daten zu dem Schluss, dass Kinder mit der häufigsten Form der rheumatischen Erkrankung in dieser Altersgruppe, der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA), ungewöhnlich niedrige Vitamin-D-Spiegel aufweisen.

Professor Alan Rosenberg von der Universität in Saskatchewan, eine der besten Forschungsuniversitäten Kanadas, und seine Kollegen, Professor Hassan Vatanparast und Dr. Sarah Finch, fanden heraus, dass Menschen, die in nördlichen Ländern leben, wie Kanada und nordeuropäischen Regionen, zu niedrigen Vitamin D-Spiegeln neigen, die mit der Rheumakrankheit in Verbindung stehen.

Juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA), eine entzündliche rheumatische Erkrankung, die vorwiegend die Gelenke betrifft, gehört in Kanada zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in der Kindheit. Schätzungsweise drei von 1.000 kanadischen Kindern (insgesamt mehr als 20.000) leiden unter dieser rheumatischen Erkrankung.

Die Prävalenz von „Gelenkrheuma“ im Kindesalter variiert auf der ganzen Welt
Geografische Unterschiede in der Häufigkeit von rheumatischen Gelenkentzündungen (Arthritis) im Kindesalter können auf genetischen, ethnischen, Umwelt- und Lebensstileinflüssen beruhen. Die Ursache dieser Arthritis bei Kindern ist unbekannt, aber Experten gehen von einer Wechselwirkung zwischen genetischen und Umweltfaktoren aus.
Vitamin D ist wichtig für die Gesundheit der Knochen und für die Regulierung der Immun- und Entzündungsreaktionen im Körper. Der Vitamin-D-Spiegel im Körper wird u.a. durch genetische Faktoren, Hautton und Kleidung bestimmt, die die Sonneneinstrahlung, die auf die Haut einwirken können, beeinflussen, Auch die Aufnahme von Vitamin D aus der Nahrung trägt etwas dazu bei.

Umgebungsvariationen bei der Exposition gegenüber UVB-Strahlung durch Sonnenlicht, die für die Aktivierung von Vitamin D im Körper erforderlich ist, werden von der geographischen Breite und der Jahreszeit beeinflusst.

Kinder in nördlichen Ländern benachteiligt

Das Team um Professor Rosenberg hat 38 Studien aus aller Welt ausgewertet. Es fand heraus, dass bei 84% der Kinder mit JIA die Vitamin-D-Spiegel unter den empfohlenen Werten lagen. Ihre Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Pediatric Rheumatology“.

Der Vitamin-D-Status folgte demnach ebenfalls einem geografischen Nord-Süd-Gefälle - wobei der Vitamin-D-Spiegel der in nördlichen Breitengraden lebenden Menschen ungewöhnlich niedrig war.

Die Analyse zeigte auch eine Korrelation zwischen dem Vitamin-D-Status und der Arthritisaktivität, da bei Kindern mit niedrigeren Vitamin-D-Werten die Krankheit aktiver war.

Bekannt ist bereits, dass die Bestimmung des Vitamin-D-Status bei an JIA  erkrankten Kindern wichtig ist. Kinder mit Arthritis, die in nördlichen Regionen, wie Kanada, leben, neigen insbesondere in den Wintermonaten zu Vitamin-D-Mangel. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel könnte folglich zum Teil die Prävalenz und den Schweregrad von Arthritis im Kindesalter in bestimmten kanadischen Gemeinden im Norden erklären, so die Autoren. Die Bevölkerung im Norden Kanadas ist aufgrund der geografischen bedingt geringen Sonneneinstrahlung und des beschränkten Zugangs zu nährstoffreichen Lebensmitteln besonders anfällig für Vitamin-D-Mangel.

Oberhalb des 33. Breitengrades kann Vitamin-D-Versorgung problematisch werden

Die Hauptquelle für Vitamin D ist die Bildung des Vitamins mithilfe der Sonneneinstrahlung, die auf die Haut gelangt. Nördlich des 33. Breitengrades ist die UVB-Strahlung nicht intensiv genug, um das ganze Jahr hindurch die Hautsynthese von Vitamin D zu aktivieren. In Breitengraden zwischen dem nördlichen 42. und 53. Grad ist zwischen Oktober und April die UVB-Strahlung für die Vitamin-D-Synthese nicht stark genug. Deutschland liegt zwischen dem 48. (etwa München) und 54. Breitengrad (etwa Rostock, Kiel).

Die Wissenschaftler raten dazu sicherzustellen, dass Kinder durch gemäßigte Sonneneinstrahlung, durch den Verzehr von Lebensmitteln, die reich an Vitamin D sind (z. B. fetter Fisch wie Lachs und Thunfisch, Eier, Rindfleisch, Leber, angereicherte Milchprodukte und Getreide) ausreichende Mengen an Vitamin D erhalten und bei Bedarf Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollten.

Quelle: medicalXpress, The Conversation, Pediatric Rheumatology

15.01.2019 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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