Fieberkrampf: Ruhe bewahren und Kind nach Anfall seitlich lagern

Etwa 2 bis 5% der Kinder erleben einen Fieberkrampf – typischerweise im Alter zwischen einem halben Jahr und fünf Jahren.

„Meist dauert ein Fieberkrampf nur Sekunden bis fünf Minuten. Kinder verdrehen die Augen, verlieren das Bewusstsein und spannen den ganzen Körper an, beginnen zu zucken oder ihr Körper erschlafft. Die Hautfarbe ist blass und der Bereich um die Lippen kann sich blau färben“, beschreibt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) den Fieberkrampf. „Beobachten Eltern solch einen Anfall zum ersten Mal, kann er sehr bedrohlich wirken. Dennoch sollten sie Ruhe bewahren und den Notarzt unter der Nummer 112 verständigen. Sie können ihr Kind nach dem Anfall - bis der Arzt kommt - in die stabile Seitenlage bringen, so dass Speichel und gegebenenfalls Erbrochenes aus dem Mund fließen kann und nicht in die Atemwege gelangt. Keinesfalls dürfen sie das Kind schütteln!“ warnt Dr. Fegeler.

In der Regel handelt es sich um sogenannte einfache Fieberkrämpfe, die bei kleinen Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren auftreten und nur von kurzer Dauer sind (Sekunden bis maximal 15 Minuten). Nach ein bis zwei Stunden hat sich ein Kind in der Regel völlig von dem Ereignis erholt. Solche Fieberkrämpfe haben für die kleinen Patienten keine gesundheitlichen oder sonstigen Folgen. In manchen Familien können Fieberkrämpfe gehäuft auftreten, offenbar besteht eine genetische Veranlagung. Hingegen sind sogenannte komplizierte Fieberkrämpfe sehr viel seltener, sie können auch schon bei Kindern unter 6 Monaten auftreten oder bei Kindern, die älter als 5 Jahre sind. Darüber hinaus dauern sie häufig länger als 15 Minuten. Komplizierte Fieberkrämpfe können als Erstmanifestation eines Anfallsleidens auftreten.

Meist handelt es sich um einfache Fieberkrämpfe

Einfache Fieberkrämpfe treten vor allem bei virusbedingten Magen-Darm-Infekten oder Infekten der oberen Luftwege auf, aber auch bei der echten Grippe (Influenza) oder dem sogenannten 3-Tage-Fieber (Humanes Herpesvirus Typ 6). Äußerst selten sind Fieberkrämpfe auch nach der ersten oder zweiten Sechsfachimpfung innerhalb der ersten 24 Stunden im Rahmen einer Fieberentwicklung oder nach der ersten Masern-Mumps-Röteln-Impfung (nach etwa 8-14 Tagen) möglich. Fieberkrämpfe treten erst oberhalb von 38° C auf, wobei die Geschwindigkeit des Temperaturanstieges eine Rolle zu spielen scheint. Aber auch beim Fieberabfall wurden einfache Fieberkrämpfe gesehen. Nur in äußerst seltenen Fällen kann eine ernstere Erkrankung wie eine Hirnhautentzündung der Auslöser für den Fieberkrampf sein. Deshalb muss ein Kind nach einem Fieberkrampf immer vom Arzt untersucht werden. Darüber hinaus sollte grundsätzlich ein Kind bis etwa 1½ Jahren nach dem Erstauftreten eines Fieberkrampfes stationär behandelt werden. Für den Arzt sind wichtige Informationen, wie lange der Anfall gedauert hat und welche Körperteile, in welcher Reihenfolge betroffen waren.

„Bei zwei von drei Kindern bleibt der Fieberkrampf ein einmaliges Ereignis. Der Kinder- und Jugendarzt kann Eltern, insbesondere wenn Fieberkrämpfe in der Familie bekannt sind, ein Notfallmedikament mitgeben und dessen Gebrauch erklären“, so Dr. Fegeler. Die Eltern sollten darüber aufgeklärt werden, dass eine frühe Fiebersenkung das Wiederholungsrisiko für einen weiteren Fieberkrampf nicht senkt. Dieser Punkt sollte ausführlich besprochen werden, um ein zwanghaftes Messen der Körpertemperatur und eine „Übertherapie“ mit fiebersenkenden Präparaten zu vermeiden.

Quelle: Pädiatrie, DGKJ, medicalXpress, Pediatrics

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21.12.2018 / www.kinderaerzte-im-netz.de
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